Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.04.2019


Unterhaus

FC Stubai: Ein Tal macht gemeinsame Sache

Gemeinsam sind wir stark. Getreu diesem Motto verschmelzen die vier Stubaier Vereine zu einem und wollen unter der Marke FC Stubai an sportlicher Kontur gewinnen. Mit Einheimischen und ohne Luftschlösser.

Die Sportplätze in Fulpmes (Bild) und Neustift sollen Zentren des FC Stubai sein.

© Michael KristenDie Sportplätze in Fulpmes (Bild) und Neustift sollen Zentren des FC Stubai sein.



Von Florian Madl

Innsbruck, Neustift – Gemessen an den Teams, die nahe dem Neustifter Badesee Kampl schon ins Schwitzen gerieten – Spanien beim EM-Titel 2008, Russland vor der Heim-WM, Frankreich vor dem WM-Titel 2018 – ist das Stubaital eine der ersten Adressen in Sachen Fußball. Aber der profilierte Gastgeber von Trainingslagern will sich über den Sport auch selbst positionieren, eine Art sozialen Kitt schaffen.

Vor einem Jahr lebte schließlich im Planungsverband die Idee eines FC Stubai auf, wie sie schon 2016 von Vereinsfunktionär Markus Kindl in einem TT-Gespräch erwähnt wurde: „Ein FC Stuba­i wär­e das Sinnvollste. Aber das stellt sich bei den vielen verschiedenen Interessen natürlich schwierig dar.“

Im Regionalentwicklungsprozess für den Planungsverband Stubaital wurde das Ansinnen, alle Stubaier Vereine zu einem zu verschmelzen, nun zum Leuchtturmprojekt erhoben. Träger sollen die regionale Wirtschaft und der Tourismusverband (Hauptsponsor/kolportierte 30.000 € Unterstützung) sein, auf bis zu 250.000 Euro wird das Jahresbudget des FC Stubai geschätzt.

In der ersten Sitzung im August 2018 wurde das generalstabsmäßig geplante Modell aus der Taufe gehoben, in der Spielzeit 2019/20 wollen nun Mieders, Fulpmes, Neustift, Schönberg und Telfes (bislang kein Verein) mit 450 Aktiven (drei Teams im Kampfmannschaftsbereich, ein bis zwei in der Reserve, einer in der Damenliga und 20 auf Nachwuchsebene) antreten.

„Wir wollen eigene Spieler forcieren“, erklärt Hubert Siller zum Projekt, das nicht zuletzt seine Handschrift trägt. Die Expertise des Neustifters, Professor und Department-Leiter am Management Center Innsbruck, liegt dem Unternehmen zugrunde. Das unterscheidet sich alleine darin, dass in Anlehnung an Profibetriebe ein Aufsichtsrat das Geschehen im Auge hat. Doch eine leitende Funktion im Tagesgeschehen will Siller später nicht überhaben: „Ich sehe mich als Vernetzer.“

Die sportlichen Ziele mit den besten Einheimischen: der Aufstieg von der Landesliga in die Tiroler Liga. Also vergleichsweise bescheidene Brötchen, wie man sie von ehrgeizigen Vergleichsprojekten nicht kennt. Es gehe um Nachhaltigkeit, nicht um kurzfristige Höhenflüge.

Durchaus positiv steht Josef Geisler, Präsident des Tiroler Fußballverbands, der Idee gegenüber. Der Zillertaler kann einen Impuls für den Sport und nicht zuletzt das unverzichtbare Ehrenamt erkennen. „Gerade in den Tälern wird es für den Fußball nicht leichter. Wenn man das Kirchturmdenken beiseite lässt, hat die Idee Zukunft. Das Stubaier Projekt könnte Vorbildwirkung haben.“