Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.04.2019


Unterhaus

FC Stubai nährt Visionen fern vom Kirchturmdenken

Der designierte Vorstand des neuen FC Stubai lud gestern zum Kick-off. Ein Vorzeigeprojekt im Tiroler Fußball-Unterhaus kündigt sich an.

Marschierten mit dem neuen Dress auf – Hubert Siller, Sepp Rettenbacher, Florian Kindl, Ramon Ram, Daniel Stern, Siegfried Klausner (hinten v. links), Martin Krösbacher, Stefan Pertl und Dirk Kuhlewind (vorne von links).

© GruberMarschierten mit dem neuen Dress auf – Hubert Siller, Sepp Rettenbacher, Florian Kindl, Ramon Ram, Daniel Stern, Siegfried Klausner (hinten v. links), Martin Krösbacher, Stefan Pertl und Dirk Kuhlewind (vorne von links).



Von Alex Gruber

Schönberg – Der FC Stubai, in dem ab Sommer vier Stubaier Vereine (Neustift, Fulpmes, Schönberg und Mieders) sowie fünf Gemeinden (weiters Telfes) unter einem gemeinsamen Dach verschmelzen, ließ gestern erste Hüllen fallen. Und die Pressekonferenz mit Hubert Siller (Leiter der Arbeitsgruppe seitens des Management Center Tirol), Daniel Stern (Planungsverband Stubai), Sepp Rettenbacher (Obmann TVB Stubai Tirol), Ramon Ram (designierter Obmann FC Stubai), seinem Stellvertreter Florian Kindl sowie Siegfried Klausner (Vertreter des Tiroler Fußballverbandes) hatte in Schönberg Champions-League-Format.

Es ist – das unterstrich auch Siller („Es wird ein breiter Weg und ein dickes Brett“) – ein Mammutprogramm, das die Neugründung des FC Stubai in die Zukunft begleitet. 450 Aktive (von den Kampfmannschaften bis in den Nachwuchs) aus vier Klubs brechen in der neuen Saison unter einem gemeinsamen Mantel auf. Es geht um neue Spielerpässe, Vereinsstatuten und vieles mehr. Viele Fragen wurden intern, mit der Landespolitik oder den Verbänden (TFV, ÖFB) vorab geklärt.

„Die Politik hat den Anstoß gegeben. Die Gemeinden sollen zusammenwachsen. Jede vierte bis fünfte Familie im Stubai hängt irgendwie am Fußball. Jetzt ist es Zeit, in die Zukunft aufzubrechen“, will Stern, dass das „Wir-Gefühl“ mit dem neuen FC, der im Nachwuchs als SPG Stubaital schon seit einigen Jahren existiert, noch mehr greifbar wird.

Von einer Generalversammlung – bei der ersten gemeinsamen im Sommer muss man die vier einzelnen Vereinsvorstände entlasten – einem Aufsichtsrat und neuen Vorstand ist vieles bereits aufgesetzt, die Zusammenführung der Budgets wird laut Kindl erfolgen: „Wir werden ein solides Budget auf die Füße stellen. Und es ist mir wichtig zu betonen, dass der Nachwuchs mit der Hälfte davon eine wichtige Rolle einnimmt.“

Vom Kindergartenkind bis zum Edelroutinier und Vereinsfunktionär soll sich jeder mit den Farben des FC Stubai identifizieren. Eine Sprache, die Rettenbacher unterstützt. 30.000 Euro jährlich, plus eine einmalige Start-Zahlung in der gleichen Höhe fürs gemeinsame Outfit, steuert der Tourismusverband als Hauptsponsor bei: „Wir müssen nicht nur für unsere Gäste, sondern auch für die Einheimischen da sein.“ Ein großes Wort. Nationalteams (Europameister Spanien, Weltmeister Frankreich, WM-Gastgeber Russland) wie Spitzenteams (Ajax, Spartak Moskau, Genua, ...) geben sich ja schon seit über einem Jahrzehnt die Türklinke in den Trainingscamps im Stubaital in die Hand, weil sie die hohe Qualität der Unterbringung, Infrastruktur und Bergluft schätzen.

„Wir haben eine klare Vision, wo wir hinwollen“, führt Ram aus. Mit drei Kampfmannschaften in Landesliga (derzeit Neustift), Gebietsliga (dzt. Fulpmes) – gespielt wird dann da wie dort – und einer Perspektiv-Mannschaft in der 2. Klasse Mitte (Schauplatz Schönberg und Mieders) soll der Start erfolgen. Und auch der designierte neue Obmann unterstreicht eine weit über den grünen Rasen reichende Wirkung: „Neben dem sportlichen hat der FC Stubai auch einen hohen gesellschaftlichen Wert und kann auch auf dieser Ebene einen großen Beitrag leisten.“

Mit den einheimischen Spielern oder einigen, die derzeit außerhalb des eigenen Tals bei anderen Klubs engagiert sind, will man das Fundament bauen, das die Kinder beim FC Stubai in den kommenden Jahren im Idealfall von unten nach oben begleitet. Mit Simon Rumer und Felix Köchl (Wacker II) sowie Marco Hofer (Rapid II) schicken sich zur Stunde übrigens auch drei Stubaier Juwele an, im Profizirkus anzuklopfen.

Der eigene Kirchturm bleibt natürlich über den kommenden Sommer hinaus in den Dörfern stehen. Das „Aufbrechen des Kirchturmdenkens“ lobte gestern Klausner seitens des TFV: „Der Verband war sofort begeistert. Dieses Projekt hat Vorbildwirkung und ich hoffe, dass ihr Vorreiter für andere seid. Der FC Stubai wird wohl bald in der Regionalliga mitspielen.“

Nach dem ersten offiziellen Anstoß am gestrigen Tag geht die Detailarbeit weiter. Mit der These „Gemeinsam sind wir stark“ lacht der FC Stubai der Zukunft entgegen.