Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.04.2019


Kajak

„Das Wort ,extrem‘ gehört im Wildwasser dazu“

Der 21-jährige Tiroler Extrem-Kajakfahrer Andreas Brunner fühlt sich in reißenden Fluten zuhause. Seine Familie sitzt in vierter Generation im Boot.

Extrem-Kajakfahrer Andreas Brunner befuhr schon Flüsse in Norwegen, Russland und Korsika.

© brunnerExtrem-Kajakfahrer Andreas Brunner befuhr schon Flüsse in Norwegen, Russland und Korsika.



Von Benjamin Kiechl

Innsbruck – Tosende Wasserfälle und das Rauschen des Wildbaches sind für Andreas „Andy“ Brunner wie Musik in den Ohren. Der 21-jährige Tiroler lässt sein rotes Plastik-Kajak dort in die Fluten, wo andere zittrige Knie bekommen. „Das Wort ,extrem‘ gehört im Wildwasser dazu“, sagt er lächelnd. Das Risiko nimmt der Extrem-Kajakfahrer bewusst in Kauf. Voraussetzung sei eine genaue Vorbereitung (Infos über den Fluss sammeln, die Strecke planen), bevor es losgehen könne. „Man kann das Risiko einschränken und es macht mehr Spaß, gefordert zu sein“, erzählt der Innsbrucker, der gerade eine Trainingsfahrt auf der Brandenberger Ache im Unterland vorbereitet. Passieren könne freilich immer etwas. Etwa, wenn das Paddel bei einem Stein klemmt und bricht. „Bisher ist nichts Gröberes passiert“, erklärt Brunner, bevor er ins Boot steigt.

Andy Brunner ist auf Flüssen auf der ganzen Welt zuhause. 2018 erkundete er u. a. Wildflüsse in Chile und befuhr im russischen Altai-Gebirge an der Grenze zur Mongolei den „Tschuja“. Ende April geht es zum Saisonstart zu einem internationalen Event nach Kanada. „Ich bin im Sommer so viel wie möglich am Wasser.“ Mit Material-Sponsoren und Gelegenheitsjobs versucht sich der Student finanziell über Wasser zu halten. Erste internationale Erfolge stellten sich mit Bronze bei der Wildwasser-EM 2018 und dem Sieg im Europacup ein. Dabei komme seine beste Zeit erst ab 25 Jahren: „Die Erfahrung ist im Wildwasserfahren entscheidend.“

Brunner war auch schon auf dem Rio Claro in Chile unterwegs.
Brunner war auch schon auf dem Rio Claro in Chile unterwegs.
- brunner

Den Sport bekam der Tiroler förmlich in die Wiege gelegt. Bereits in der vierten Generation sitzt die Familie Brunner gemeinsam im Boot. „Mein Uropa war einer der ersten Kajakfahrer in Tirol“, erzählt er stolz. Mit eineinhalb Jahren sei er erstmals ins Kajak gekrabbelt, mit sieben Jahren durfte er mit Spritz­decke erstmals alleine fahren.

Andreas Brunner.
Andreas Brunner.
- brunner

Die reißenden Fluten zu bezwingen sei seine Welt. „In der Natur zu sein und das Wasser zu lesen, ist ein unglaubliches Gefühl“, schwärmt Brunner. Im US-Bundesstaat Idaho wartet im Juni die Weltmeisterschaft, wenig später die EM in Norwegen. Während Kajak-Slalom bereits olympisch ist, werde Wildwasserfahren wohl eine Randsportart bleiben, so Brunner achselzuckend. Dafür freut er sich heuer auf seine Dolomitenmann-Premiere in Lienz – das Event für die Härtesten unter der Sonne.

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