Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.04.2019


Unterhaus

Erste Trainerin im Unterhaus: Wildschönau setzt auf Frauen-Power

Die Wildschönauerin Barbara Angerer ist die erste Trainerin im Tiroler Unterhaus. Auf die Betreuerbank wagt sie sich aber nicht.

In der Wildschönau hat Barbara Thaler alles im Griff. Die Co-Trainer Matthias Silberberger (l.) und Kurt Gwiggner stehen ihr bei.

© Vanessa Rachle/ TTIn der Wildschönau hat Barbara Thaler alles im Griff. Die Co-Trainer Matthias Silberberger (l.) und Kurt Gwiggner stehen ihr bei.



Von Thomas Mair

Oberau – Wenn man an nichts Besonderes denkt, hält das Leben plötzlich Überraschungen bereit: Barbara Angerer, langjährige Nachwuchstrainerin des FC Wildschönau, war geschockt, als sie Vize-Obmann Manuel Gföller vor zwei Wochen kontaktierte, um ihr mitzuteilen, dass sie ab sofort die Kampfmannschaft übernehmen solle. „Hast du eine Kiste Bier getrunken?“, entgegnete sie. Obwohl die Nachricht zu später Stunde nach zahlreichen Gesprächen erfolgte, verneinte Gföller und unterstrich das Vorhaben des Vereins.

„Über 27 Jahre ist sie im Verein und hatte mit jeder Nachwuchsmannschaft Erfolge“, erklärt der Funktionär die Wahl, nachdem aufgrund einer Negativserie die Zusammenarbeit mit Martin Lella beendet wurde.

Die dreifache Mutter gestaltet in erster Linie die Trainingseinheiten, am Spieltag hält sie sich im Hintergrund – fernab der Betreuerbank. „Auf der Linie stehe ich sicher nie und in der Halbzeit gehe ich auch nicht in die Kabine. Das traue ich mir nicht zu, dass ich das gut hinüberbringe“, ist die ehemalige Fußballerin eher eine ruhige Zeitgenossin: „Ich bin keine Schreierin, die Anweisungen gibt.“

Bei den Partien in der Bezirksliga Ost wie zuletzt beim 1:1 gegen Ried/Kaltenbach und beim 0:3 in Vomp agiert deshalb Matthias Silberberger als Coach. Der ehemalige Wildschönau-Spieler wollte die Trainerrolle nur am Spieltag übernehmen, weil ihm als dreifachem Jungvater unter der Woche einfach die Zeit fehlt. „Matthias ist der Stratege und kann das gut mit der Mannschaft“, lobt Angerer die gute Zusammenarbeit, bei der auch Kurt Gwiggner beide unterstützt.

Der 51-Jährigen, deren Elternhaus oberhalb des Fußballplatzes liegt, war der Fußball in die Wiege gelegt worden. Sie spielte selbst und vererbte die Begeisterung auch ihren Kindern. Die beiden erwachsenen Söhne stehen nun in ihrem Kader und die Tochter spielt bei der SPG Schwoich/Wildschönau in der Frauen-Tiroler-Liga. Für die beruflich als Schulassistentin in der NMS Wildschönau tätige Angerer war es eine Umstellung, Erwachsene zu trainieren. Doch der Eifer, den die Männer an den Tag legten, ließ die erste Nervosität schnell verschwinden. Ihr Chef Paul Schneeberger, der Kirchbichl in der UPC Tirol Liga trainiert, wunderte sich nicht, dass sein Heimatverein auf diese Lösung zurückgegriffen hat: „Die Kleinen himmeln sie wegen ihrer Begeisterung und Leidenschaft an.“ Und die Aufbruchstimmung ist rund um das Fritz-Mayr-Stadion spürbar.