Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.05.2019


Unterhaus

An den Schiedsrichtern scheiden sich die Geister

Im Unterhaus gibt es immer wieder Kritik an den Unparteiischen. Dabei haben die Tiroler Schiedsrichter genug eigene Baustellen.

Kematen-Coach Markus Schnellrieder.

© Michael KristenKematen-Coach Markus Schnellrieder.



Von Alois Moser

Kematen – Markus Schnellrieder machte seinem Ärger nach dem Spiel gegen Volders Luft: „Die Schiedsrichter regen mich dermaßen auf. Manche sind an Überheblichkeit kaum noch zu überbieten, dabei pfeifen sie auf einem äußerst bescheidenen Niveau.“ Eine Meinung, mit der Kematens Trainer nicht alleine dasteht.

„Keine Ahnung, warum ich verschickt worden bin. Als ich nachfragen wollte, hat man mir nur gesagt, ich solle den Bericht lesen“, äußerte auch Halls Trainer Akif Güclü, der in der Vorwoche beim Spiel eben in Kematen auf die Tribüne geschickt worden war, Unverständnis. Pendant Schnellrieder bestätigte Güclü, dass er kein Schimpfwort aus dessen Mund vernommen habe. Bei der Sitzung des Strafsenates unter der Woche wurde der Vorwurf der Beschimpfung tatsächlich ad acta gelegt. „Für Kritik am Schiedsrichter habe ich aber eine Strafe bekommen“, konnte es Halls Übungsleiter kaum glauben: „Wenn das ein Grund für eine Strafe ist, müssten in jedem Spiel alle Trainer vom Platz fliegen.“ Güclü fordert von den Unparteiischen „mehr Fingerspitzengefühl“ – Schnellrieder ist das längst nicht genug: „Ich habe von den selbstherrlichen Auftritten mancher Schiedsrichter genug. Die Qualität der Leistungen sinkt von Jahr zu Jahr. Da muss sich der Verband etwas einfallen lassen.“

Stefan Mühlbacher und seine Mitstreiter von der Schiedsrichterzunft haben im Tiroler Unterhaus nicht immer einen leichten Stand.
Stefan Mühlbacher und seine Mitstreiter von der Schiedsrichterzunft haben im Tiroler Unterhaus nicht immer einen leichten Stand.
- Thomas Boehm / TT

Ändern muss sich tatsächlich etwas – denn in Tirol fehlen „an die 70 Schiedsrichter“, beschreibt Schiri-Obmann Hannes Hell die angespannte Personalsituation. Und die Lage wird sich kaum bessern: „Durch die zusätzlichen Spiele in der Eliteliga wird sich die Situation ab Herbst noch verschärfen.“ Für Hell gibt es zwei Möglichkeiten: „Der Verband muss sich entscheiden, ob man die Spiele der U15 oder die Zweiten Klassen besetzen will.“ Einen Ausweg gebe es: „Wir müssen den Vereinen wieder mehr Anreize bieten, Vereinsschiedsrichter auszubilden.“

Doch das ist Zukunftsmusik – über das vorhandene Personal lässt der Schiri-Obmann (mit wenigen Ausnahmen) nichts kommen: „Wir geben alle unser Bestes.“ Als Referee müsse man nicht nur körperliche Strapazen aushalten („Viele pfeifen am Wochenende drei Spiele“), sondern auch psychische: „Wir müssen uns viel anhören, auch von den Trainern.“ Irgendwann sei die Schmerzgrenze erreicht: „Zuerst wird ermahnt, dann verabschiedet.“ Zur Klage von Güclü und Schnellrieder, von den Referees bei Nachfrage auf den schriftlichen Bericht verwiesen worden zu sein, hat Hell eine klare Meinung: „Jeder Schiri soll natürlich mit den Funktionären kommunizieren. Aber wenn man sich zuerst beschimpfen lassen muss, dann ist es das gute Recht, auf den schriftlichen Bericht zu verweisen.“

So weit solle und müsse es aber nicht kommen: „Wir sitzen alle im gleichen Boot. Natürlich machen wir ebenso Fehler, aber das kann man auch nach dem Spiel bei einem Bier besprechen.“