Letztes Update am Mi, 22.05.2019 11:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Kühner fällt aus: Jetzt fehlt den Springreitern das Zugpferd

Wahl-Tiroler Max Kühner, Nummer 20 der Weltrangliste, fällt ausgerechnet vor dem ersten Antritt beim Nations Cup verletzt aus. Nun droht sogar ein Totalausfall für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr.

Max Kühner sprang an die Weltspitze vor, nun fällt er verletzt aus.

© OEPS HolcbecherMax Kühner sprang an die Weltspitze vor, nun fällt er verletzt aus.



Von Sabine Hochschwarzer

Wattens – Alles war fein angerichtet. Die Glitzersteine in den Kristallwelten glänzten, Österreichs Pferdesport-Präsidentin Sissy Max-Theurer war nach Wattens angereist und auch ein Autosponsor wurde an Land gezogen: Österreichs Springreiter hatten sich vor der Premiere kommende Woche im Nations Cup präsentieren wollen und auch feiern lassen können. Noch nie hatte eine rotweißrote Equipe den Aufstieg in diese höchste Turnierserie geschafft, in die Champions League sozusagen.

Eine Woche vor der Abreise nach St. Gallen, zu Österreichs erstem von vier Auftritten, herrscht dennoch Ernüchterung. „Ich habe gerade noch mit Max (Kühner) telefoniert. Er wird wohl heute an der Schulter operiert und fällt aus – die Ärzte sagen sechs Monate“, verkündet Equipe-Chef Marcus Wallishauser.

Mit dem WM-Sechsten und der aktuellen Nummer 20 der Weltrangliste fehlt Österreich damit das Zugpferd für den Nations Cup, der „Vater des Erfolgs“, ohne den der Aufstieg in die Division 1 nicht möglich gewesen wäre, wie gestern gelobt wurde.

Kühner unglücklich gestürzt

Kühner war bei seinem Einzel-Auftritt beim Nations-Cup-Auftakt am Wochenende in La Baule (FRA) mit einem E-Einrad unglücklich gestürzt, hatte aber dennoch Platz fünf (Chardonnay) und 19 (Vancouver Dreams) erreicht. Die Verletzung stellte sich aber schlimmer heraus als zunächst erwartet: als Bruch der Schulterpfanne. Dem Wahl-Kitzbüheler droht nun deshalb sogar das Aus für die Olympia-Qualifikation. „Es wird schwer, weil er verletzt ja nicht die notwendigen Ergebnisse liefern kann“, beschreibt Wallishauser. Es gelte aber abzuwarten, denn wer Max kenne, dürfe durchaus damit rechnen, dass er früher als erwartet zurückkomme.

Genau darin sieht Wallishauser auch Parallelen zu Österreichs Pferdesportgröße Hugo Simon, als dessen möglicher Nachfolger Kühner ohnehin schon gilt: „Als Persönlichkeit sind sie unterschiedlich, aber bei der Akribie, mit der sie Ziele verfolgen, gibt es einen gemeinsamen Nenner.“

Nachwuchsreiter im Scheinwerferlicht

Österreichs Team-Premiere im Nations Cup kommt aber für Kühner allemal zu früh. Damit muss nun Julia Houtzager-Kayser mit Sterrehof’s Cayetanzo Z kommende Woche die Führungsrolle übernehmen. Die in den Niederlanden lebende und teilweise in Tirol aufgewachsene 45-Jährige war für die gestrige Präsentation in Wattens nicht angereist, so standen bereits die zwei Nachwuchsreiter im Scheinwerferlicht der Kamera: Felix Koller (20/OÖ) mit Captain Future und Anna Markel (19/NÖ) mit Cascaro. Debütantin Markel lächelte Kühners Ausfall jugendlich optimistisch weg: „Auf meine Leistung hat das nicht viel Einfluss.“ Der Druck dürfte aber höher sein. Koller, Österreichs erster EM-Silbermedaillengewinner der Young-Rider-EM im Vorjahr, nickte zustimmend, versprach aber: „Wir werden versuchen, mit viel Teamspirit den Ausfall von Max so gut wie möglich zu kompensieren.“

Wer nun die Nummer vier im Team sein wird, musste gestern sogar offen bleiben. „Auf alles war ich irgendwie vorbereitet, aber dass nun ein Reiter ausfällt, das ist der schlimmste Fall, der eintreten konnte“, gesteht Wallishauser. Die Tirolerin Magdalena Marg­reiter, zuletzt Casino-Grand-Prix-Siegerin, wäre als Ersatz geplant gewesen, ein tatsächlicher Einsatz käme für sie bzw. ihr Pferd aber noch zu früh.

Landsfrau Catrin Glötzer-Thaler, Staatsmeisterin 2017, fehlt ein Partner, der die Hindernisse bewältigen könnte. Andere Pferde, die in Frage kämen, seien leider rekonvaleszent, so der Equipe-Chef: „Im schlimmsten Fall können wir nur mit drei Leuten starten.“ So rückt auch die Tokio-Quali in weite Ferne.