Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Bundesliga

Wacker braucht Sieg und Schützenhilfe im Abstiegs-Endspiel

Klassenerhalt in letzter Sekunde oder ein erneut ganz bitterer Abstieg? Der FC Wacker Innsbruck ist heute (17 Uhr/live TT.com-Ticker) im Tivoli gegen Mattersburg zum Siegen verdammt und muss gleichzeitig auf die Admira hoffen.

Ein letztes Mal zusammenrücken – die Wacker-Crew klammert sich an den kleinen Strohhalm, am letzten Spieltag doch noch dem Abstieg entrinnen zu können.

© gepaEin letztes Mal zusammenrücken – die Wacker-Crew klammert sich an den kleinen Strohhalm, am letzten Spieltag doch noch dem Abstieg entrinnen zu können.



Von Alex Gruber

Innsbruck – Es ist wieder einmal einer dieser Fußball-Endspieltage im Tivolistadion, wo man sich lieber zuhause unter einer Decke verkriechen möchte und inständig hofft, die ganze Sache möge gut enden. Für das im Lager der Schwarzgrünen herbeigesehnte Happyend bedarf es heute Nachmittag zwingend eines Heimsieges gegen Mattersburg bei einem gleichzeitigen Punktegewinn der Admira in Hartberg. Kurz vor 19 Uhr weist sich, wohin der Pfeil für die Tiroler zeigt – ob es eine Zukunft in der Bundesliga oder nach dem sofortigen Wiederabstieg abermals düstere Zeiten in Liga zwei gibt.

„Das Drehbuch wäre fast kitschig, wenn wir am letzten Spieltag die Liga halten“, diktiert Wacker-Schlussmann Christopher Knett, der in der Vorsaison Eckpfeiler des Aufstiegs war und in dieser Woche im Kreis seiner Kollegen die letzten Hoffnungen nährte. „Wir müssen unseren Beitrag leisten“, führt es Wacker-Coach Thommy Grumser pragmatisch aus. Etwaige Zwischenstände aus Hartberg auf der Stadionleinwand hält er für überflüssig. Im Wissen, dass jede Meldung aus der Oststeiermark Beine machen, anderseits aber auch lähmen könnte.

Es wird bei aller Rotation, die die Gäste aus dem Burgenland vor dem ersten Europa-League-Playoff-Match am Dienstag gegen Rapid im Tivoli vorsehen, ohnehin schwer genug, zu gewinnen. In Saisonduellen gegen Mattersburg heißt es 0:3 bei einem Torverhältnis von 2:6. Der FC Wacker hat mit 28 Toren (0,9 pro Spiel) am wenigsten getroffen. Zumindest einmal muss die Kugel heute aber irgendwie rein.

Eine Kartenaktion und freier Eintritt für alle Spieler oder Funktionäre der Tiroler Fußball-Clubs im jeweiligen Vereinsoutfit soll die Stimmung auf den Rängen beim finalen Akt noch einmal heben. Dem Denkansatz folgend, dass das Schicksal des FC Wacker und des Tiroler Fußballs im Oberhaus alle, die das Leder lieben, ein Stück weit was angeht und emotional berührt.

Mit Christoph Freitag (gesperrt), Bryan Henning (nach Erkrankung nicht fit) und Michael Schimpelsberger (verletzt) fehlen im Aufgebot drei routinierte Spieler – an einem Nachmittag, an dem, wie einst 2013 in der letzten Runde in Wolfsberg (Doppelpack Julius Perstaller), wieder Helden geboren werden können.

Es steht verdammt viel auf dem Spiel. Eine Tatsache, die sich in Sachen Arbeitsplätze vom grünen Rasen bis in die Geschäftsstelle streckt. „Das Leben geht in beiden Fällen weiter“, hält Präsident Gerhard Stocker fest. Im Wissen, dass bei einem Abstieg wohl kaum ein Stein auf dem anderen bleibt. Für die Zukunftsplanung spielt auch die künftige Ligazugehörigkeit der WSG Wattens eine bedeutende Rolle.

„Es gibt viel Ungewissheit und jeder hat seine Geschichte. Aber es geht nicht um Einzelne. Es geht darum, dass wir den FC Wacker gemeinsam in der Bundesliga halten“, krempelte Grumser gestern nochmals die Ärmel hoch. Den Beistand von oben und der Admira wird’s zusätzlich brauchen.

Starkes Zeichen: Der sportliche Überlebenskampf mit martialischen Denkweisen („Sein oder Nichtsein“) offenbart aber auch an einem schicksalsträchtigen Fußballtag eine andere Seite: Die Wacker-Kicker wissen, dass es noch wichtigere Dinge im Leben gibt – so führte Knett gestern als Kassier aus, dass die komplette Mannschaftskassa am Matchtag an die Kinderkrebshilfe übergeben wird. Hoffentlich folgt auf die sehr gute Tat ein sehr guter Tag.