Letztes Update am Mo, 17.06.2019 11:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unterhaus

Unterhaus-ABC zum Saisonende: Ein großes Bad voller Emotionen

Die Saison im Tiroler Fußball-Unterhaus ist beendet. Aufgrund der Ligareform gibt’s keine Absteiger und die Meister sowie Aufsteiger lachen einem entgegen. Die TT blickt mit einem bunten „ABC“ zurück.

Rund um Kapitän und Doppeltorschütze Michael Schweinberger feierten die Kicker des SK Zell am Ziller auf der Haller Lend am letzten Spieltag den Titel in der 1. Klasse Ost.

© Michael KristenRund um Kapitän und Doppeltorschütze Michael Schweinberger feierten die Kicker des SK Zell am Ziller auf der Haller Lend am letzten Spieltag den Titel in der 1. Klasse Ost.



A wie Angerer: Der Song „Tausendmal probiert, tausendmal ist nichts passiert“ traf auf die Aufstiegsambitionen des SC Mils in den vergangenen Jahren der Landesliga West zu. Routinier Martin Angerer war sieben Jahre mittendrin statt nur dabei und feierte jetzt nach dem Aufstieg durch. „Es war schon zach, aber dafür ist es jetzt umso schöner“, lachte der bald 32-jährige Edelroutinier: „Natürlich mache ich weiter: Das erste Mal Tiroler Liga muss ich mir geben.“

Bewiesen Steherqualitäten und feierten den Milser Aufstieg bis Sonntag durch - Stefan Hörtnagl (l.) und Martin Angerer.
Bewiesen Steherqualitäten und feierten den Milser Aufstieg bis Sonntag durch - Stefan Hörtnagl (l.) und Martin Angerer.
- SV Hall

B wie Bundesliga: Nach Michael Streiter (Volders), Helmut Kraft (Zell/Ziller) und Thomas Pichlmann (Götzens) kommt mit Michael Baur (Kitzbühel) ein weiterer Bundesliga-erfahrener Akteur auf eine Unterhaus-Trainerbank. Auch Andi Hölzl übernimmt seinen Heimatklub SV Brixen, Alex Hauser ist in St. Johann engagiert. Für Kraft geht die Zeit im Zillertal nach dreieinhalb Jahren mit Titel und Aufstieg zu Ende. „Am Höhepunkt höre ich auf“, grinst der Feschak, der seinen Lebensmittelpunkt als angehender Pensionist zunächst nach Vorarlberg und dann Portofino (ITA) verlegen wird: „Die Zeit im Zillertal war sowohl als Lehrer (NMS in Tux, Anm.) als auch Trainer emotional und sehr schön.“

C wie Comeback: Einer wie Martin Hofbauer kann es nicht lassen. Das am Ende erfolgreiche Comeback in Zirl war für den 54-jährigen Emotionsmenschen nur eines von vielen in seiner langen, erfolgreichen Karriere, die im Herbst mit Zirl in der Regionalliga Tirol ihre Fortsetzung finden wird.

D wie Dreier-Teams: Wacker III (1. West) und Wattens III (2. Zillertal) feierten jeweils den Meistertitel. Besonders die Schwarzgrünen dominierten nach Belieben und erzielten mit 123 Toren die meisten im Unterhaus. Trotzdem ist die Zukunft der „Dreier“ durch den Wacker-Abstieg noch unsicher.

E wie Eklat: Neben der Beinahe-Schlägerei am Besele (Veldidena – Union II) im Herbst sorgte die Attacke von SVI-Spieler Mario Fettner gegen Schiedsrichter Nenad Kostacevic für viel Wirbel. Der 37-Jährige erhielt dafür eine Sperre von zehn Spielen (fünf davon bedingt) und „ich werde noch eine sportlich anständige Saison ohne Skandale anhängen“.

Will nach dem Eklat in Söll noch eine saubere Saison anhängen - SVI-Legende Mario Fettner.
Will nach dem Eklat in Söll noch eine saubere Saison anhängen - SVI-Legende Mario Fettner.
- Michael Kristen

F wie Feierabend: Nach insgesamt 15 Jahren beim FC Kitzbühel und der Krönung als RLW-Vizemeister nach Tiroler-Meister-Titel sowie dreimaliger Qualifikation fürs TFV-Cupfinale tritt Erfolgscoach Alexander Markl in den Ruhestand. Der „Bazillus Fußball“ wird den Klopp-Fan aber weiter zu „jedem Spiel“ der Gamsstädter führen. Dort, wo er sich auch über den Aufstieg der zweiten Mannschaft aus der 1. Klasse Ost freute.

Sagt seinem Herzensklub FC Kitzbühel Ade - Alexander Markl hinterlässt tiefe Spuren.
Sagt seinem Herzensklub FC Kitzbühel Ade - Alexander Markl hinterlässt tiefe Spuren.

G wie Güclü: Nach vier Jahren unter der Ägide von Ex-Profi Akif Güclü war es endlich so weit: Hall holte sich in überlegener Manier den Meistertitel in der UPC Tirol Liga. Dabei setzten die Löwen, die die finanzkräftigere Konkurrenz hinter sich ließen, vor allem auf junge hungrige Spieler und ein eingeschworenes Kollektiv. Das spricht ganz stark für Güclü.

H wie Hauptversammlung: Der Tiroler Fußballverband schreitet am Mittwoch zur Ordentlichen Hauptversammlung, die Neues bringen wird. „Aus zwei wird drei“, spielt TFV-Präsident Josef Geisler darauf an, das künftig drei Vizepräsidenten in Kernbereichen (Öffentlichkeitsarbeit/Marketing; Talenteförderung/Spitzenfußball; Vereinswesen) tätig sein werden. Auch der Frauenfußball findet seinen Sitz im Präsidium.

I wie IAC: Der violette Innsbrucker Traditionsklub legte in der Gebietsliga West mit 13 Siegen aus ebenso vielen Spielen eine perfekte Rückrunde hin und belohnte sich verdientermaßen mit dem Aufstieg in die Landesliga. Die Mannschaft von Trainer Michael Messner belegte hinter Meister Landeck Platz zwei.

J wie Jubiläum: Bezirksliga-Ost-Champion Weerberg feiert nach dem Titel am kommenden Wochenende sein 50-jähriges Bestehen mit einem Legendenspiel (Samstag, 13.30 Uhr) um den zurückgetretenen Bundesliga-Profi Hannes Aigner. Der IAC lässt es am 29. Juni bei der 100-Jahre-Feier krachen, der FC Veldidena einen Tag früher zum 100er in der Villa Blanka.

K wie Kostenzer: Mit 33 Lenzen arbeitete sich Modellathlet Peter Kostenzer im Dress des SV Wörgl zum zweitbesten Westliga-Torschützen (23 Treffer) hoch. Der Allround-Sportler (Klettern, Tourengehen, Mountainbiken) steht für den Leitspruch: „Arbeit schlägt Talent.“

L wie Ligareform: Kurz zitterten einige Klubs, ob die vom TFV angestrebte Ligareform in der Regionalliga Zuspruch beim ÖFB findet. Das „Ja“ aus Wien folgte, Absteiger gab es damit keine: Stattdessen wird im Herbst unter den zehn besten Tiroler Klubs innerhalb der Landesgrenzen in der Regionalliga Tirol angekickt, die besten zwei spielen in der Westliga gegen Salzburg und Vorarlberg dann im Frühjahr Titel und Aufstieg aus.

Packt als Meistertrainer in Zell am Ziller die Koffer - Ex-Bundesliga-Coach Helmut Kraft.
Packt als Meistertrainer in Zell am Ziller die Koffer - Ex-Bundesliga-Coach Helmut Kraft.

M wie Milenkovic: Im Winter holte Zirl mit Stefan Milenkovic eine namhafte Verstärkung für den Angriff, um den Aufstieg in die Regionalliga Tirol doch noch zu schaffen. Mit Erfolg: Die Oberländer machten im letzten Spiel alles klar, und „Milo“ erzielte nach Anlaufschwierigkeiten im Frühjahr noch ganze 16 Tore.

N wie Nachwuchs: Vor allem die TFV-U14-Auswahl der Mädchen (siehe Seite 27) glänzte nach Noten. Die Teams der Fußball-Akademie Tirol beendeten die Spielzeit auf den Plätzen sechs (U15), acht (U18) und zehn (U16).

O wie Opas: Stellvertretend für die Garde der Routiniers stehen der Umhausener Willibald Scheiber (56 Jahre), der zwei Spiele in der Gebietsliga West absolvierte, und Veldidenas Günter Glieber. Der 61-Jährige dürfte mit seinem Treffer beim Kurzeinsatz in der letzten Runde gegen Reutte II (13:0) der älteste Torschütze in der Unterhaus-Geschichte sein.

P wie Pause: Sosehr alle Beteiligten unter der Saison für den Fußball brennen: Die (kurze) Sommerpause kommt nun allen gelegen. „Ich will zwei Wochen einmal überhaupt keinen sehen“, brachte es St. Johanns Trainer Thomas Handle augenzwinkernd auf den Punkt. Zeit, die Akkus aufzuladen für eine neue Saison Unterhaus-Fußball.

Q wie Quantensprung: Neben Christian Gebauer (über Matrei/Tiroler Liga, die Reichenau/RLW und Wattens/2. Liga zu Bundesligist Altach) legten auch die Oberländer David Schnegg (jetzt LASK) und Sandro Neurauter (Bundesliga mit Wattens) beim SC Imst im Unterhaus los. Ertugrul Yildirim diente sich über Völs, Kematen und Schwaz zu Wacker II hoch. Die Chance, als Profi Fuß zu fassen, ist in Ausnahmefällen gegeben.

R wie Rott: Nach sieben Jahren (mit einer kurzen Unterbrechung) wirft Werner Rott bei Telfs das Handtuch. „Ich werde eine Pause einlegen“, haben die letzten Jahre auch am stets ruhig und besonnen auftretenden 51-Jährigen gezehrt. Zum Abschied klappte es endlich auch mit dem ersehnten Aufstieg: Nachfolger Stefan Höller tritt mit den Säbelzahntigern in der Regionalliga Tirol an.

S wie Spielgemeinschaften: Die scheinen im Unterhaus in Mode gekommen zu sein. Mit drei Kampfmannschaften startet der „FC Stubai“ in der kommenden Saison sein top aufgestelltes Mammutprojekt. Zwei Teams stellt der FC Pillerseetal (Fieberbrunn, St. Ulrich). Auch Axams und Grinzens bündeln ihre Kräfte.

T wie Torjäger: Der 19-jährige Aschauer Florian Bischofer sicherte sich mit 39 Treffern die Unterhaus-Torjägerkanone und feierte mit seinen Zillertalern den Aufstieg in die Bezirksliga.

Torschützenkönig der abgelaufenen Unterhaus-Saison - der 19-jährige Florian Bischofer.
Torschützenkönig der abgelaufenen Unterhaus-Saison - der 19-jährige Florian Bischofer.

U wie Unbezwingbare: Die beiden Torhüter Stefan Koidl (19 Spiele) und Maximilian Gföller (5) hielten bei 2.-Klasse-Ost-Meister St. Ulrich/Hochfilzen II den Kasten zehnmal sauber und kassierten nur 16 Gegentore.

V wie Verstorbene: Der SK Rum trauerte diese Saison um seine Wiener Legende Robert Woldan, der SV Aldrans um Artur Gaspari. Die Kicker des SV Wilten nahmen schweren Herzens Abschied von Lukas Kofler. Momente, in denen der Ball still steht und weit in den Hintergrund rückt.

W wie Wuchtln: Runde für Runde sorgten die Trainer für launige Sager: Bei einem Match „Feuerwehr gegen Musik“ fand sich Ebbs-II-Coach Gerhard Seissl, während Kematens Langzeit-Trainer Markus Schnellrieder in Sachen Schiedsrichter meinte: „Wenn der wieder bei uns pfeift, gehe ich nicht mehr auf die Bank. Da bin ich in der Kantine ein Bier trinken.“

X wie Unentschieden: Landesligist Kolsass/Weer war mit zehn Unentschieden der Remiskönig 2018/19. Von einer Punkteteilung hielten indes Kitzbühel II (1. Ost), Volders II (2. Zillertal) und SVI II (2. Mitte) gar nichts.

Y wie Youngsters: Auch junge Zukunftshoffnungen können in ihren Vereinen bereits zu den Leistungsträgern zählen. Ein Beispiel gefällig? Haiming-Angreifer Valerio Espa (Jahrgang 2003) netzte in der Gebietsliga West alleine im Frühjahr 18-mal.

Z wie Zangerl: Die Rückkehr von Ex-Profi Simon Zangerl zu seinen Wurzeln nach Landeck erfüllte ihren Zweck vollauf. Der 29-jährige Offensivmann schoss den Meister der Gebietsliga West (67 Punkte!) mit 32 Toren zum ersehnten Aufstieg in die Landesliga. (lex, tomi, a.m., dale)