Letztes Update am Do, 27.06.2019 16:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Raiders-Coach Fatah: „Es wird definitiv ein Football-Feuerwerk werden“

2013 gab es für die Swarco Raiders gegen die Vienna Vikings eine bittere Niederlage in der „Eurobowl dahoam“. Am Samstag (19 Uhr, Tivoli) wollen die Tiroler diese Scharte im ECTC-Finale endgültig auswetzen.

Ex-Raiders-Quarterback Kyle Callahan und Raiders-Coach Shuan Fatah im Gespräch mit der TT.

© HörtnaglEx-Raiders-Quarterback Kyle Callahan und Raiders-Coach Shuan Fatah im Gespräch mit der TT.



Innsbruck – Am Samstag empfangen die Swarco Raiders im Endspiel der ECTC (European Club Team Competition) im Tivoli (19 Uhr) den Erzrivalen Vienna Vikings. Grund genug für Coach Shuan Fatah und Ex-Quarterback Kyle Callahan, einmal auf das letzte Duel¬l in einem europäischen Finale zurückzublicken, das für die Tiroler zu einem Waterloo wurde.

2013 trafen die Swarco Raiders zuletzt in einem europäischen Finale auf die Vikings. In Eurobowl 27 empfing man die Wiener daheim am Tivoli. 0:23 stand es zur Pause, am Ende gab es ein deutliches 14:37.

Kyle Callahan (Ex-Raiders-Quarterback): Das war auf jeden Fall nicht so geplant. In den Jahren zuvor hatten wir sie geschlagen, aber das Jahr 2013 war echt hart. Erst die Pleite in der Eurobowl, dann auch noch in der AFL.

Shuan Fatah (Headcoach Raiders): Für mich war es damals wie Licht und Schatten. In der Woche zuvor war ich die ganze Zeit im Krankenhaus, weil mein Sohn auf die Welt gekommen ist. Außerdem gewitterte es jeden Tag, so dass wir nie richtig zum Trainieren gekommen sind. Dass wir aber den Titel daheim so sang- und klanglos abgeben mussten, tat richtig weh.

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2015 gab es dann eine weitere Heimniederlage im Eurobowl 30 gegen Braunschweig (21:35). Was bleibt von solchen Spielen besonders in Erinnerung?

Fatah: Auch Braunschweig war ein wirklich gutes Team. An diesem Tag machten sie einfach weniger Fehler als wir. Das Tivoli ist eine Festung, und sie haben sie gestürmt. Also haben sie sich den Sieg auch verdient.

Stichwort Tivoli: Welchen Faktor spielt der Heimvorteil im American Football?

Callahan: Von der Stimmung her ist das Tivoli sicher eines, wenn nicht das beste Stadion in Europa. Wir bekommen sehr viel Energie von den Fans, was uns enorm hilft.

Fatah: Ich habe auch schon in der NFL Europe vor 60.000 Zuschauern gecoacht, aber die Lautstärke am Tivoli stellt das locker in den Schatten. Wir haben sehr loyale Fans, die aber auch wissen, wann sie laut und wann sie besser ruhig sein sollen. Das Tivoli hat in der europäischen Football-Gemeinde auf jeden Fall einen sehr guten Ruf.

Wie bereitet man sich am besten auf Endspiele wie das am Samstag vor?

Callahan: Shuan (Shuan Fatah brachte Kyle Callahan 2010 aus Berlin mit, Anm.) hat uns immer top vorbereitet. Wir haben gewusst: Wenn wir den Kurs halten, können wir die große Show erreichen.

Die Routiniers bei den Raiders haben alle einiges an Finalerfahrung. Wie lange dauert es, bis man so etwas wie Endspielroutine bekommt?

Callahan: Für die Neuen dauert es zwei oder drei Endspiele, bis sie nicht mehr erstarren wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines Autos. Wichtig ist, dass sie sich bei den Älteren einhängen können.

Wie geht man als Verein mit so einschneidenden Niederlagen wie 2013 um?

Fatah: Das gehört dazu. Auch die New England Patriots haben Endspiele verloren und sind wieder zurückgekommen. Das ist ein längerer Prozess, eine Entwicklung über Jahre. Ein Coach hat mal zu mir gesagt: You can’t win them all (Anm.: Du kannst sie nicht alle gewinnen). Aber man kann zumindest versuchen, die wichtigsten davon zu gewinnen.

Gehört das ECTC-Finale am Samstag dazu?

Fatah: Auf jeden Fall. Ich denke, dass es auch ohne die deutschen Teams in den Köpfen der Fans ein Nachfolger für die Eurobowl geworden ist. Wir haben uns aus einem Pool von 14 Meistern durchgesetzt. Wer das Spiel gewinnt, darf sich zu Recht die Nummer eins Europas nennen.

Wie sind die Chancen verteilt? Die letzten Ergebnisse sprechen für die Raiders.

Fatah: Wir wollen das Ding unbedingt. Auch, weil wir bisher ungeschlagen sind und ich in meiner Trainerkarriere noch nie eine Perfect Season geschafft habe. Aber auch die Vikings können uns an einem guten Tag gefährlich werden.

Man kennt sich gegenseitig natürlich bestens.

Fatah: Auf jeden Fall, viele Spieler kenne ich auch aus dem Nationalteam. Aber für die Dauer des Spiels sind alle Freundschaften vergessen. Es wird definitiv ein Football-Feuerwerk werden.

Das Interview führte Alois Moser