Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.07.2019


Sport in Tirol

Wasserball: Der Karpaten-Bär geht in Pension

Pavol Kovac drückte als Spieler und als Trainer dem Tiroler Wasserball den Stempel auf.

Mit einer Flasche Meistersekt in der Hand feierte Pavol Kovac (70) am vergangenen Wochenende seinen Wasserball-Abschied.

© Michael KristenMit einer Flasche Meistersekt in der Hand feierte Pavol Kovac (70) am vergangenen Wochenende seinen Wasserball-Abschied.



Von Benjamin Kiechl

Innsbruck – Hätte die Randsportart Wasserball annähernd so viel Popularität wie Fußball, dann wäre Pavol Kovac als Trainer wohl eine ähnliche Lichtgestalt wie Giovanni Trapattoni. Was er anfasst, wird ein Erfolg. Und er ist nie um einen flotten Spruch verlegen. „Pavol wäre auf Youtube ein Star!“, erzählte WBC-Tirol-Kapitän Christophe Koroknai.

Mit seiner tiefen Stimme und seinem bulligen Körper verscheuchte Kovac als aktiver Spieler wie ein Braunbär in den Karpaten seine Gegner. Der in Nitra (SVK) geborene Kovac kam Ende der 1980er-Jahre als Nationalspieler der Tschechoslowakei und Multi-Talent („Neben Wasserball hab’ ich auch Volleyball, Basketball und Handball auf Zweitliga-Niveau gespielt“) zum WBC Tirol. In seiner Rolle als Center-Spieler kraulte er auch noch als 54-Jähriger durchs Innsbrucker Tivoli-Schwimmbad.

Nach 32 Jahren im Verein (davon zuletzt 13 Jahre als Cheftrainer) sei nun Schluss, betonte der 70-Jährige am Sonntag, nachdem seine Spieler gerade den 19. Titel der Vereinsgeschichte fixiert hatten. Eigentlich wollte er ja bereits letztes Jahr aufhören, als jedoch Erzrivale PL Salzburg den Tirolern den Meisterpokal weggeschnappt hatte, war für ihn klar: „So kann ich nicht in Pension gehen!“

Hatte sich der Ehemann und zweifache Familienvater Kovac (Sohn Pauli und Tochter Katharina) in den vergangenen sieben Jahren mehrmals umstimmen lassen, sei diesmal sein Entschluss endgültig. „Ich freue mich auf ein paar schöne Urlaube in der Slowakei. Meine Familie hat eine kleine Hütte in der Hohen Tatra.“ Das ein oder andere wolle er in seinem Alter noch erleben. „Vieles ist in den letzten Jahren zu kurz gekommen“, sagte Kovac, der mit der Trillerpfeife seine Mannschaft unter der Woche fünfmal zum Training beordert hatte.

Mit Disziplin und Siegermentalität hat Kovac, der studierter Biologe ist und in einer Tiroler Firma als Techniker gearbeitet hat, den WBC Tirol in den vergangenen Jahren zur absoluten Nummer eins im heimischen Wasserball geführt. Gemeinsam mit seinem guten slowakischen Freund und Volleyball-Manager Stefan Chrtiansky (Alpenvolleys) wolle er in den Wäldern der Slowakei auf die Jagd gehen, erklärte Kovac brummend. Wenn nur endlich sein Halsweh aufhören würde: Vor den Finalspielen habe er sich in Wien zur Abkühlung „für einen Besuch in der Eisdiele statt beim Heurigen entschieden. Das passiert mir nie wieder!“