Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.07.2019


Motorsport

Osttiroler Lukas Niedertscheider: Für ein Leben auf der Überholspur

Der Osttiroler Motorsportler Lukas Niedertscheider (24) bäckt in der TCR-Germany-Serie noch kleine PS-Brötchen. Das soll sich bald ändern.

Das Arbeitsgerät des Osttiroler Piloten Lukas Niedertscheider ist ein Hyundai.

© HP Racing InternationalDas Arbeitsgerät des Osttiroler Piloten Lukas Niedertscheider ist ein Hyundai.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Die Leidenschaft für den Motorsport wurde Lukas Niedertscheider praktisch in die Wiege gelegt: „Papa ist hobbymäßig immer beim Histo-Cup am Start gewesen. Und ich war da überall dabei“, erinnerte sich der Osttiroler. Mit 14 Jahren setzte sich Niedertscheider das erste Mal in ein Kart – zehn Jahre später führt er die Teamwertung im „ADAC TCR Germany“ an. Doch der 24-Jährige hat noch mehr vor. Der FIA-Tourenwagen-Weltcup (WTCR) gilt als großes Ziel.

Dass der Motorsport im Leben von Niedertscheider so einen großen Stellenwert einnimmt, sieht man an seinem Alltag. Als „Instruktor“ kann man ihn buchen, egal, ob als Fahrtrainer für Amateur-Piloten oder für Firmen, die ihren Mitarbeitern einen unterhaltsamen Nachmittag bieten wollen. „Durch meine Selbstständigkeit bin ich sehr flexibel und das ergänzt sich sehr gut mit meinen Rennterminen.“

Bei der TCR-Serie stehen sieben PS-Wochenenden mit 14 Rennen auf dem Programm. Das Heimspiel am Red-Bull-Ring in Spielberg (Anfang Juni) verlief mit Platz sechs und sieben konstant. In den Bereichen landete der HTL-Absolvent heuer immer wieder. „Uns hat bisher ein wenig das Glück gefehlt. Wir sind trotzdem hochmotiviert und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es ganz nach vorne geht“, ergänzte der aktuell Sechste der Fahrerwertung.

Lukas Niedertscheider (TCR-Pilot): "Mein Papa hat immer gesagt: ,Wenn Motorsport, dann mit einem Dachl über dem Kopf."
Lukas Niedertscheider (TCR-Pilot): "Mein Papa hat immer gesagt: ,Wenn Motorsport, dann mit einem Dachl über dem Kopf."
- Tim Upietz,

Dafür schwitzt der Tiroler Pilot natürlich in der Sommerpause. Radeln, Taekwondo, Schwimmen – das Programm ist vielfältig. Das muss so sein, „wenn du mit Helm und Rennanzug im Cockpit sitzt, kann es schnell über 50 Grad haben“. Und natürlich wird neben den schweißtreibenden Einheiten und der Simulator-Arbeit auch parallel die Technik der Rennboliden studiert: „Ich lebe Motorsport 24 Stunden am Tag.“

Dass er nicht im Formel-Sport gelandet ist, hat einen speziellen Grund. Nieder­tscheider: „Mein Papa hat immer gesagt: ,Wenn Motorsport, dann mit einem Dachl über dem Kopf.‘ Aber irgendwie haben mir die Tourenwagen schon immer mehr getaugt. Zum Beispiel die DTM-Boliden in den 90er-Jahren.“

Sportlich soll die TCR-Rennklasse nur eine Zwischenstation sein. Die WTCR ist das ganz große Ziel, „das mehr als realistisch ist“. Da hat sich der bald 25-Jährige auch kein Zeitlimit gesetzt. „Das ist das Schöne am Tourenwagen, da kannst du auch mit über 50 noch schnell sein.“

Schön ist auch die familiäre Atmosphäre in der Unter-Serie des GT Masters. Das ist auch in seinem Team HP Racing International nicht anders. Da gibt es zwei Mechaniker, einen Ingenieur für die Daten und einen Angestellten, der sich um das Reifenmanagement kümmert.

Der wichtigste Rückhalt kommt aber aus der eigenen Familie, wo vom Großvater bis zur Mama alle dem Lukas unter die Arme greifen und die Daumen drücken: „Das ist das größte Geschenk.“