Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.07.2019


Reitsport

Aus dem Tief will Götsch zur Titelverteidigung reiten

Die Vielseitigkeitsreiter ermitteln an diesem Wochenende in Leutasch ihre Meister. Katharina Götsch ist die Titelverteidigerin.

Katharina Götsch auf ihrem Wallach Honigmond.

© LiebmannKatharina Götsch auf ihrem Wallach Honigmond.



Von Susann Frank

Leutasch — 2016 dachte Katharina Götsch, das Turnierreiten sei für sie „aus und vorbei". Ihr Wallach Honigmond näherte sich den von ihr anvisierten Geländehindernissen nicht einmal mehr auf 20 Meter. „Er sprang mir nicht einmal mehr über eine Cavaletti", erinnert sich die Fügenerin. Das 15 cm niedrige Übungshindernis war zu viel für das Pferd, auf dem sie 2013 noch Tiroler Meisterin im Vielseitigkeitsreiten geworden war.

Völlig deprimiert hatte sie schon beschlossen, Freizeitreiterin zu werden, und doch tritt sie heute in der Leutasch wieder als Titelverteidigerin bei den Tiroler Meisterschaften an. Wie ein solcher Wandel bis 2018 möglich war? „Ich war falsch betreut und habe den Trainer gewechselt", erklärt Götsch. Dafür blickte sie über die Grenze. Im bayerischen Landesgestüt Schwaiganger fand sie in Sophie Grieger eine Ausbilderin, die ihr und ihrem Sportpartner das nötige Selbstvertrauen in den Disziplinen Dressur, Springen und Geländeritt zurückgab. Um weitere Fortschritte zu machen, lenkt sie seit drei Jahren im Winter zweimal wöchentlich den Pferdehänger mit ihrem geliebten „Goldi" an Bord gute 100 Kilometer von Pill nach Ohlstadt.

Zeitplan Tiroler Meisterschaften

  • Freitag ab 15.00 Uhr: Dressur-Bewerbe.
  • Samstag ab 7.30 Uhr: Dressur, danach Geländeritt.
  • Sonntag ab 10.00 Uhr: Springbewerbe

Alles in der Freizeit. Die 28-Jährige arbeitet Vollzeit in Innsbruck in der Marketingabteilung eines Sportbekleidungsherstellers. Und ohne die Hilfe ihrer Familie wäre das Turnierreiten auch nicht möglich. Ihre Schwester Magdalena hilft ihr bei der Betreuung, ihr Vater Hermann greift ihr finanziell unter die Arme.

„Ich konnte ja auch reiten, bevor ich laufen konnte", erzählt Götsch. Ihre 2003 viel zu früh verstorbene Mutter war passionierte Pferdeliebhaberin. „Sie brachte uns durch irische Freunde zum Vielseitigkeitsreiten." Und ihrer Schwester hat sie ihre bisherigen drei Meistertitel zu verdanken. „Sie war bis 2006 sechsmal angetreten und ist immer Zweite geworden. 2007 meinte sie, ich sollte es jetzt einmal probieren, und ich habe sofort gewonnen", erinnert sich Götsch. Damals war sie 16. Zwölf Jahre später ist sie immer noch da — und inzwischen wieder locker und gelöst wie damals.