Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.07.2019


Billard

Florian Heel: Mit dem Queue in der Hand in die große Billard-Welt

Mit Florian Heel (SBC Inzing) hat Tirol das nächste große Talent. Der 15-Jährige startet am Sonntag bei der Jugend-EM in Veldhoven (NED).

Hat alles im Blick: das Tiroler Billard-Talent Florian Heel vom SBC Inzing.

© Foto TT/Rudy De MoorHat alles im Blick: das Tiroler Billard-Talent Florian Heel vom SBC Inzing.



Von Daniel Suckert

Inzing – Eigentlich hätte sich Papa Wolfgang ja gewünscht, dass der Sohnemann Fußball spielt. Aber da hatte Filius Florian andere Vorstellungen. „Mit zwei Jahren habe ich auf Eurosport Snooker gesehen. Das hat mich nicht mehr losgelassen“, erklärt das Billard-Talent mit leuch­tenden Augen. 13 Jahre später steht er in der kommenden Woche in den Niederlanden bei seiner zweiten Europameisterschaft (21.–30. Juli) auf dem grünen Filz.

„Immer wenn wir wo eingeladen waren, habe ich gefragt: ‚Könnt ihr vielleicht Eurosport für Florian einschalten?‘“, erinnert sich Mama Bettina. Woher die Faszination für die Billardkugel kommt, weiß auch sie nicht. Denn in der Familie „spielt niemand von uns“. Da für Snooker die Möglichkeiten fehlten, landete ihr Sohn über den Ferienzug beim Sport mit den Kugeln.

Dabei brilliert der Ältere ihrer beiden Söhne. Bei der ersten EM (9./2018) gab es auf Anhieb einen Top-Ten-Platz. Mittlerweile wird längst mit den Erwachsenen trainiert und gespielt. Mit der ersten Mannschaft des SBC Inzing kämpft Heel im Herbst um den Meistertitel in der Tiroler Liga. Zusätzlich gibt es regelmäßig in der Billard-Akademie (Klagenfurt) bei Jasmin und Albin Ouschan Neues zu lernen. Da kommen die Tipps von den heimischen Stars persönlich.

Das Training wirkt. Wenn Florian mehrmals die Woche in Inzing an der Platte steht, gibt es viele erwachsene Gegner, die sich eine Lehrstunde abholen, wie Obmann Martin Sailer mit einem Lächeln berichtet: „Es gibt einen bei uns, der verliert jede Woche und ärgert sich darüber maßlos. Der Rest hat schon verstanden, wie gut Florian ist.“

Druck und Nervosität verspürt das Tiroler Nachwuchstalent nur, wenn es einmal nicht läuft. „Außer es ist ein Großereignis wie die EM“, gibt der Sport-HAK-Schüler offen zu. Trotzdem schwärmt sein Trainer Michael Gspan, der ihn von Kindesbeinen an kennt, von der Ruhe und der Reife, die Heel schon an den Tag legt: „Dass er ein Talent ist, hat man sofort gesehen. Es ist vieles möglich, nur kann die Entwicklung in beide Richtungen gehen.“

Und auch bei Papa Wolfgang hat sich die Meinung schnell geändert, wie Trainer Gspan grinsend verrät: „Als er bei einer österreichischen Meisterschaft mit war, hat es ihn so begeistert, wie ruhig und gemeinschaftlich alles abgelaufen ist. Dass sich die Spieler füreinander freuen und sich gegenseitig pushen. Das hat alles verändert.“ Und der Papa dürfte auch beruhigt sein, dass zumindest der kleine Bruder von Florian lieber begeistert dem runden Leder nachjagt. Dass beide Elternteile stolz auf Florian sind, versteht sich von selbst. Unabhängig davon, welches Ergebnis bei der EM in der nächsten Woche herauskommen mag.