Letztes Update am Do, 25.07.2019 09:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Leichtathletik

Wenn die schweren Kugeln über den Innsbrucker Marktplatz fliegen

Am Freitag treten die Kugelstoßer am Innsbrucker Marktplatz in den Ring. Die Staatsmeisterschaften in der Leichtathletik sollen Interesse erzeugen – vor allem beim Nachwuchs.

Christina Scheffauer tritt am Freitag am Marktplatz in den Ring, um ihren Staatsmeistertitel mitten in Innsbruck zu verteidigen.

© gepaChristina Scheffauer tritt am Freitag am Marktplatz in den Ring, um ihren Staatsmeistertitel mitten in Innsbruck zu verteidigen.



Von Susann Frank

Innsbruck – Die Zahl der Tiroler Teilnehmer ist überschaubar. Gerade einmal 14 Namen hat Johannes Achleitner auf seiner handgeschriebenen Liste für die am Freitag beginnenden Österreichischen Leichtathletik-Meisterschaften aufgelistet. „Das ist relativ wenig für Heim-Staatsmeisterschaften“, gestand der Trainer des Leistungskaders ein. Schnell fügte er hinzu: „Aber dafür haben wir sechs bis sieben Medaillenchancen. Das ist gut.“ Die Problematik, so Achleitner, sei, aus einer guten Arbeit mit Kindern Leistungssportler zu ziehen.

Die Frage, warum, begründete Achleitner wie folgt: „Weil die Leichtathletik leider keine Funsportart ist und deswegen nicht mehr so beliebt. Und sie eben nicht so lustig ist.“ Vor allem hebt der Trainer diesbezüglich die harte Ehrlichkeit des Sports hervor: „Wenn jemand nicht so gut ist, dann bekommt er es sofort per Zahlen präsentiert.“ Dass sie bei Olympischen Spielen weithin die Königsdisziplin mit dem meisten Interesse ist, stimmt ihn jedoch weiterhin positiv für die Zukunft.

Einen Schritt, die Leute anzuziehen, setzt der Tiroler Leichtathletik-Verband am Freitag. Die Kugelstoßer ermitteln ihre Staatsmeister ab 18 Uhr mitten in der Stadt, am Innsbrucker Marktplatz. Mit Christina Scheffauer betritt bei den Frauen eine Tirolerin als Gold-Anwärterin den Ring. Die Titelverteidigerin freut sich ungemein auf den Bewerb an dem exponierten Ort. „Wir Werfer stehen oft einmal im Hintergrund. Und auch wenn ich nicht so gerne im Vordergrund stehe, finde ich das einen wichtigen Faktor für die Popularität. Vielleicht können wir damit den ein oder anderen für den Sport begeistern“, sagte die 28-Jährige. Die Ab­samerin hofft, den Heimvorteil ausspielen und dadurch den Titel verteidigen zu können. Sie führe bisher schließlich nicht die Weiten-Bestenliste an.

Leichtathletik-Staatsmeischterschaften in Innsbruck

Tiroler Teilnehmer: Katharina Haberditz, Karin Freitag, Carla Maier, Lea Germey, Isabella Pomarolli, Anna Sailer, Riccardo Klotz, Magdalena Macht, Kilian Walch, Christina Scheffauer, Ida Schwaninger, Lea Haslwanter, Elena Rettenbacher, Philip Rois.

Zeitplan: Freitag ab 18 Uhr am Innsbrucker Marktplatz; Samstag ab 11 Uhr und Sonntag ab 10 Uhr auf der Anlage in der USI.

Die persönlichen Bestleistungen verpassten zuletzt zwei Tiroler: Dreispringerin Magdalena Macht und Stabhochspringer Riccardo Klotz. Die Jenbacherin Macht warf das Pfeiffersche Drüsenfieber zurück. Sie musste die Hallensaison ausfallen lassen und konnte erst im April mit dem Training beginnen. Auf ihre Bestleistungen fehlen der 23-Jährigen um die 60 Zentimeter. Auf eine Medaille macht sie sich deswegen gerade wenig Hoffnung.

Hingegen geht Klotz davon aus, seinen Titel trotz Trainingsrückstandes durch einen nun wieder ausgeheilten Muskelfaserriss verteidigen zu können. „Ich hatte bisher immer einen guten Abstand auf die Konkurrenz“, sagte Klotz zuversichtlich, der zudem davon ausgeht, trotz kurzzeitigen Wiedereinstiegs gut Stabhochspringen zu können. Die Verletzung hatte sich der 20-jährige Scharnitzer ausgerechnet beim letzten Versuch der Golden Roof Challenge Anfang Juni zugezogen. Eine Veranstaltung, die seit Jahren die Sportarten Weit- und Stabhochsprung damit bei den Zuschauern in den Fokus rückt.

Sind Leichtathletik-Bewerbe in der Stadt die Zukunft im Kampf um Aufmerksamkeit? „Das geht nicht. Alle Anlagen in einer Stadt für kurze Zeit aufzubauen, ist viel zu teuer“, erklärte Achleitner. Aber Ziel sei es, durch bestimmte Bewerbe den wichtigen Nachwuchs von zehn bis zwölf Jahren mit solchen Aktionen für den Sport zu begeistern.