Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.07.2019


Reitsport

Verletzt, aber auf Medaillenkurs

Angeschlagen reiste Jasmin Lindner zur Voltigier-EM. Doch nach Tag eins belegt die Tirolerin Platz zwei. Auf den WM-Titel steuert Seefelds Junioren-Gruppe hin.

Voltigiererin Jasmin Lindner konnte vor zwei Wochen kaum sitzen. Jetzt will die Zillertalerin bei der EM in Ermelo hoch hinaus.

© BachbauerVoltigiererin Jasmin Lindner konnte vor zwei Wochen kaum sitzen. Jetzt will die Zillertalerin bei der EM in Ermelo hoch hinaus.



Von Susann Frank

Ermelo – Vor zweieinhalb Wochen schien der Traum von der Europameisterschaft geplatzt. Der Rettungswagen musste Voltigiererin Jasmin Lindner nach einem Sturz im Training von Pferd Dr. Doolittle ins Krankenhaus bringen. „Es hat so im Rücken gezogen“, erzählt die Einzel-Weltmeisterin von 2016. Dass sie sich nichts gebrochen hatte, war die gute Diagnose. Doch der Haarriss im Kreuzbein und das Knochenödem genügten, um den Start in Ermelo gehörig ins Wackeln zu bringen.

Die professionelle Pflege ihres Freundes Lukas Wacha half Tirols erfolgreichster Voltigiererin wieder aufs Pferd. Als Physiotherapeut und ehemaliger Erfolgs-Voltigier-Partner im Pas de Deux wusste Wacha genau, wo er ansetzen musste, so dass Lindner gestern fast schmerzfrei den ersten von vier Teilen bei den Titelkämpfen absolvieren konnte und auf dem zweiten Platz landete. Pill-Vereinskollegin Eva Nagiller beendete den Pflichtteil auf dem achten Zwischenrang.

„Ich habe mich echt gut gefühlt“, resümierte Lindner erleichtert: „Bis nach dem Finale am Sonntag kann sich noch viel tun.“ Schließlich trennen die ersten acht vor dem ersten Kür-Teil heute nur drei Zehntel voneinander. Auf die Führende Katharina Luschin (AUT) fehlen der Tirolerin nur 0,053 Punkte. Und das zauberte Lindner ein Lächeln auf die Lippen.

Mit einem Lächeln im Gesicht gehen die Seefelder Voltigierer als Führende ins WM-Finale.
Mit einem Lächeln im Gesicht gehen die Seefelder Voltigierer als Führende ins WM-Finale.
- Bachbauer

Sieben strahlende Gesichter waren hingegen bei der Seefelder Junioren-Gruppe gestern Abend zu zählen. Fünf Mädchen und ein Bursch beeindruckten auf Don Rud­i und mit Longenführerin Martina Seyrling zum zweiten Mal die Richter in den Niederlanden. Nach zwei von drei Teilprüfungen liegen sie auf Goldkurs bei der Weltmeisterschaft. Denn während in Ermelo die allgemeine Klasse um EM-Gold auf dem Rücken der Pferde turnt, ermittelt der Nachwuchs die besten Voltigierer der Welt in den verschiedenen Klassen.

„Gold ist zum Greifen nah“, freute sich Trainerin Seyrling nach dem ersten Start bei internationalen Titelkämpfen. Seit Jahren scheiterten die Seefelder knapp daran, als österreichischer Vertreter in der Königsdisziplin nominiert zu werden. „Das Team hat bisher echt gezeigt, was es kann“, schwärmte Seyrling. Ins morgige Finale geht man mit 0,175 Punkte Vorsprung auf die Verfolger aus Deutschland. Seyrling hebt hervor, durch die zahlreichen mitgereisten Fans noch einmal extra motiviert zu sein. Und für die anhaltende Fitness sorgt Wacha, der auf seinem „Urlaubsausflug“ auch den Seefeldern als Physiotherapeut beisteht.




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