Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.07.2019


Extremsport

Grüner schaffte trotz Blitz, Donner und Schweinehund den Weltrekord

36.900 Höhenmeter in 48 Stunden: Der Längenfelder Extremradsportler Patric Grüner pulverisiert den alten Weltrekord. Trotz Gewitter und innerem Schweinehund.

Mit 36.900 Höhenmetern überbot der 33-jährige Längenfelder Patric Grüner den alten 48-Stunden-Höhenweltrekord um Längen.

© AndreMit 36.900 Höhenmetern überbot der 33-jährige Längenfelder Patric Grüner den alten 48-Stunden-Höhenweltrekord um Längen.



Von Roman Stelzl

Sölden – Wieso auch schlafen? Etwa wegen 48 Stunden Nonstop-Radfahren? Der 36.900 Höhenmeter? Oder wegen des heftigen Gewitters, der nächtlichen Kälte, der Hitze, des Nullpunkts der körperlichen Kräfte? Das alles ist zu wenig, um gestern Adrenalin und Endorphine im Patric Grüner zu bezwingen.

Oder, um es mit den Worten des 33-jährigen Extremradsportlers zu sagen: „Jetzt wird nicht geschlafen. Jetzt wird gefeiert.“ Es erinnert stark an die Worte, die Grüner schon nach seinem Race-Around-Austria-Sieg 2018 gesprochen hatte. Und der nunmehrige Erfolg ist von den Zahlen her nicht weniger beeindruckend als jener beim 2200 km langen Rennen rund um Österreich.

Das Projekt „Höhen-Weltrekord“ war erfolgreich. Insgesamt 162-mal fuhr Grüner mit seinem Rennrad ein 1,87 Kilometer langes Teilstück mit 227 Höhenmetern auf der Gletscherstraße in Sölden. Und er stieß rekordtechnisch in neue Sphären vor. Der Längenfelder überbot die alte „inoffizielle“ Bestmarke um mehr als 5000 Höhenmeter, den Guinness-­Buch-Eintrag sogar um mehr als 7000, auch wenn die Bestätigung fehlt.

„Wahnsinn, was uns da gelungen ist. Die Freude ist riesengroß, auch wenn ich körperlich voll am Limit war. Vor allem, nachdem ich die Weltrekord-Marke geknackt habe“, erzählt Grüner, als er beim gemeinsamen Essen mit Freunden und Familie die Müdigkeit langsam spürt.

Dabei war das Zwei-Tages-Projekt schon nach nur gut fünf Stunden in Gefahr: Ein heftiges Gewitter entlud sich über Österreichs flächenmäßig größter Gemeinde. „Wir mussten eine halbe Stunde Pause machen, es war zu gefährlich“, erzählte Grüner, der über einige Runden von Rad-Profi Matthias Brändle und Patrick Gamper begleitet wurde. Die Zwangspause nutzte er für ein Nickerchen, sechs Stunden Regenfahrt blieben ihm dennoch nicht erspart. Der Lohn ist der Höhen­weltrekord. Und ein Härtetest für das groß­e Ziel: das Race Across Americ­a 2020. Denn auch dort will Grüner am Ende nicht schlafen. Sondern feiern.