Letztes Update am Do, 01.08.2019 08:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schwimmen

Schwimm-ÖM in Innsbruck: „Ohne WM-Druck erwarte ich mir schon einiges“

Nach der Schwimm-Weltmeisterschaft in Südkorea ist vor den Staatsmeisterschaften in Innsbruck. OSV-Sportdirektor Walter Bär blickt zurück und voraus.

Adriana Duller (SC IKB Innsbruck) startet heute als Titelverteidigerin in die Entscheidung über 400 m Lagen.

© gepaAdriana Duller (SC IKB Innsbruck) startet heute als Titelverteidigerin in die Entscheidung über 400 m Lagen.



Innsbruck – Gerade noch bei der WM in Südkorea, ab heute bei den Staatsmeisterschaften im Innsbrucker Tivoli-Becken – mit Ausnahme der einzigen WM-Finalistin Caroline Pilhatsch (u. a. Siebente über 50 m Rücken) ist Österreichs Elit­e geschlossen am Start. Tirol schickt mit Adriana Duller, Emma Gschwentner (beide SC IKB Innsbruck), Robin Grünberger (TWV Innsbruck) und dem Wahl-Linzer Bernhard Reitshammer vier Titelverteidiger ins Rennen. Eröffnet werden die Titelkämpfe traditionell mit den Langstrecken.

Was darf man insbesondere von den WM-Teilnehmern erwarten?

Walter Bär: Ich bin gespannt, wie es läuft, wenn die Anspannung nach der WM abfällt. Passt das Wetter, sollte die ein oder andere gute Zeit möglich sein – zumal die Staatsmeisterschaften auch als Olympia-Qualifikation zählen.

Wie fällt Ihre WM-Bilanz der Beckenschwimmer aus?

Bär: Caroline Pilhatsch hat ihre Medaillenchancen über 50 m Rücken leider schon beim Start durch einen Fehler vergeben. Patrick Staber wurde disqualifiziert. Bernhard Reitshammer war super drauf, allerdings konnte man ihm die Anspannung ansehen und er vermochte den Schalter nicht umzulegen. Ähnlich erging es Valentin Bayer. Auch der Trainer von Felix Auböck konnte sich dessen Leistung nicht genau erklären.

Ist der Druck einer WM für einige zu groß?

Bär: Das hängt immer von der Persönlichkeit des Schwimmers ab. Markus Rogan etwa hat damit gut umgehen können, anderen fällt das schwerer. Mich ärgert es jedenfalls, wenn ich lese: „Auböck schwimmt um ein­e Medaill­e.“ Ich weiß nicht, woher das kommt. Es geht gerade an der Spitze zumeist so eng zu. Zwischen Platz eins und 16 liegen manchmal nur acht Zehntelsekunden.

Wie muss man dann eine WM angehen?

Bär: Es braucht eine gewisse Gelassenheit. Sich zu freuen, dabei zu sein, ist eine Sache. Spaß an einer guten Leistung zu haben, eine andere. Wenn Felix (Auböck, Anm.) zu Beginn der WM über 400 m einen rauslässt, dann kann das eine ganze Mannschaft beflügeln, dann schwimmt vielleicht einer über seinen Möglichkeiten.

74. Österreichische Staats- und Juniorenmeisterschaften in Innsbruck

Donnerstag: ab 16.30 Uhr: 400 m Lagen Damen und Herren, 800 m Kraul Damen, 1500 m Kraul Herren, 4 x 100 m Lagen Mixed-Staffel – alles Zeitläufe.

Freitag: Vorläufe, 4x100 m Kraul Mixed Zeitläufe ab 9 Uhr, Eröffnung, Finali und 4 x 200 m Kraul Zeitläufe ab 16.20 Uhr.

Samstag: Vorläufe ab 9 Uhr, Finali und 4 x 100 m Freistil ab 16.30 Uhr.

Sonntag: Vorläufe ab 9 Uhr, Finali und schnellster Lauf 1500 m Freistil Damen und 800 m Freistil Herren schnellster Lauf sowie 4 x 100 m Lagen.

Die Goldmedaillen von Sun Yang, dessen Dopingproben angeblich mit dem Hammer zerstört worden sein sollen, haben für viel Aufregung gesorgt. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Bär: Es war schon ein großes Thema. Der Protest des Zweitplatzierten Mack Horton, sich mit Yang für das Abschlussfoto nicht auf das oberste Podest zu stellen, machte die Runde. Im Speisesaal gab es beim Abendessen Standing Ovations für ihn. Ich denke, die FINA (Schwimm-Weltverband, Anm.) hat einen Fehler gemacht, die Sache vor der WM nicht eindeutig zu klären. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, wenn einer am Start ist, der in ein, zwei Monaten vielleicht doch gesperrt wird. Für den Zweitplatzierten gibt es dann keine Hymne mehr, der einstige Neunte kann kein Finale mit Chance auf eine Medaille schwimmen. Ich warte nur darauf, bis ein Dopingsünder auch aus diesen Gründen geklagt wird.

Der Weltverband hat mit einem Verhaltenskodex reagiert, damit es bei Siegerehrungen nicht mehr zu einer solchen Szene kommen kann. Was halten Sie davon?

Bär: Die Schwimmer werden sich nicht daran halten.

Demnächst gibt es auch ein­e zu den Weltcups der FIN­A in Konkurrenz stehende Wettkampfserie ...

Bär: Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Schwimmen ist keine Spielsportart, bei der man jedes Wochenende Wettkämpfe bestreiten kann. Es geht nicht nur um das Duell Mann gegen Mann, sondern auch um den Kampf gegen die Uhr, also um Bestzeiten und Rekorde – nach dem Prinzip „Höher, schneller, weiter“. Ich persönlich glaube, dass das Format langfristig nicht funktioniert.

Auch sonst gibt es derzeit viel Kritik am Weltverband.

Bär: Das mag sein, aber einiges ist auch ungerechtfertigt. Lilly King etwa hat nach ihrer Disqualifikation über 200 m Brust moniert, das sei die Rache der FINA aufgrund der von ihr geübten Kritik. Es gab allerdings erstmals ein so genanntes Video-Review, und wenn man dort Kings Fehler bei der Brustwende nicht eindeutig hätte erkennen können, wäre sie auch nicht disqualifiziert worden.

Das Gespräch führte Sabine Hochschwarzer