Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.08.2019


Judo

Spittka kämpferisch: „Ich bin ein Stehaufmännchen“

Warum der ehemalige Judo-Damen-Nationaltrainer Marko Spittka keine Schlammschlacht will und er den Tiroler Judo-Assen Medaillen wünscht.

Trainer Marko Spittka jubelte mit Kathrin Unterwurzacher über EM-Bronze 2017. Nun ist er überraschend seinen Job los.

© FidlerTrainer Marko Spittka jubelte mit Kathrin Unterwurzacher über EM-Bronze 2017. Nun ist er überraschend seinen Job los.



Von Benjamin Kiechl

Innsbruck – Wenn Marko Spittka einen Judo-Kampf beobachtet, dann häufig wild gestikulierend und laut rufend. Nachdem der Österreichische Judoverband (ÖJV) am Mittwochabend den langjährigen Damen-Cheftrainer wegen „Unstimmigkeiten in der Betreuung des Teams“ überraschend vor die Tür gesetzt hatte, zeigt sich der 48-jährige Deutsche betont zurückhaltend. Er wolle kein schlechtes Wort über seinen ehemaligen Arbeitgeber verlieren, denn „das kostet nur Energie“.

„Ich bedanke mich für zwölf Jahre Zusammenarbeit und möchte den Athleten viel Erfolg für die Zukunft wünschen. Besonders den Tirolerinnen Bernadette Graf und Kathrin Unterwurzacher, denn die habe ich am längsten betreut“, erzählte der Olympia-Bronzene von 1996 im Gespräch mit der TT, während er im Zug Richtung Deutschland saß. Der emotionale Coach, der seine Athletinnen nach dem Kampf immer schützend in den Arm nahm, muss nun leisertreten. „Ich habe jetzt ja mehr Zeit und werde meine Verwandten in Ostdeutschland besuchen.“

Einen Plan B gibt es für den Europameister von 1992 und Vizeweltmeister (1997) freilich noch nicht: Spittka wolle in Ruhe über seine berufliche Zukunft nachdenken und brauche etwas Abstand. „Ich bin ein Stehaufmännchen und lasse mich nicht unterkriegen.“ Er habe viele nette Anrufe mit aufmunternden Worten bekommen. „Mein Handy hat geglüht.“

Auch wenn ihm der Abschied nach langer Zeit schwerfalle, so würden Trennungen im Leben und im Spitzensport dazugehören. Spittka betonte jedoch, dass ihm besonders die beiden Tirolerinnen richtig ans Herz gewachsen seien. Dass der Zeitpunkt der Trennung drei Wochen vor der Weltmeisterschaft und nur ein Jahr vor den Sommerspielen in Tokio geschah, sei für die Tiroler Olympia-Hoffnungen, die noch um einen Startplatz kämpfen, alles andere als optimal. „Nun müssen sie die letzten Schritte des Weges alleine gehen. Sie werden das auch schaffen!“ 2007 habe er die Tirolerinnen als Nachwuchskämpferinnen übernommen. „Sie sind erwachsen geworden, sind selbstständig und können beide den Sprung zur Olympia-Medaille schaffen.“

Während das unterkühlte Verhältnis mit Judo-Vereinen in Ostösterreich letztlich zum vorzeitigen Bruch geführt hatte, sei die Zusammenarbeit mit Tirol immer hervorragend gewesen. „Der Tiroler Judo-Präsident Martin Scherwitzl ist mir nicht nur als Funktionär, sondern auch als Freund zur Seite gestanden“, sagte Spittka. Ob irgendwann vielleicht doch eine erneute Zusammenarbeit möglich sei, werde man sehen.

Rückblickend habe er viele schöne Momente in Österreich erlebt. Dazu gehören die fünf EM-Medaillen (einmal Silber, viermal Bronze), die er mit Graf und Unterwurzacher feiern durfte. Nach den Reisestrapazen quer durch die Welt freue er sich nun darauf, endlich wieder mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.