Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.08.2019


Sport in Tirol

Dodgeball will in Tirol auf die Überholspur

In Österreich ist die Sportart noch so gut wie unbekannt. Einen Dodgeball-Verein soll es in Tirol schon bald geben.

Mit dem Dodgeball-Nationalteam holte die Innsbruckerin Catrin Weber (M.) kürzlich EM-Gold, in Österreich ist der Sport noch unbekannt.

© studenyMit dem Dodgeball-Nationalteam holte die Innsbruckerin Catrin Weber (M.) kürzlich EM-Gold, in Österreich ist der Sport noch unbekannt.



Von Benjamin Kiechl

Innsbruck – Die Konkurrenz an Ballsportarten ist enorm, warum ausgerechnet Dodgeball? „Weil keine andere Sportart so vielseitig ist“, sagt Catrin Weber wie aus der Pistole geschossen. Wenn die Innsbruckerin mit ihren lockigen Haaren ins Team-Dress schlüpft, wird aus der zierlich wirkenden 29-Jährigen eine Kämpferin. „Niemand hat so einen scharfen Schuss wie ich“, erklärt sie selbstbewusst. Und kaum jemand hat derart große Ambitionen, was die in Österreich noch unbekannte Sportart Dodgeball (zu Deutsch Ausweichball) angeht. „Mein Ziel ist, dass es bald in Tirol so wie heute schon in Wien eine Liga gibt und dass auch an den Schulen gespielt wird“, skizziert Weber, die ihre Leidenschaft bei einem Turnier vor vier Jahren entdeckt hat.

Das Spiel ist ähnlich dem Völkerball mit zwei Sechser-Teams strukturiert, die auf zwei Spielhälften verteilt werden, in der Mitte befindet sich eine neutrale Zone. Der Unterschied: dass fünf Bälle gleichzeitig verwendet werden. Ziel ist es, nach Ablauf der Spielzeit (ein Satz dauert drei Minuten) mehr Spieler am Feld zu haben als die gegnerische Mannschaft. Beim Abwurfspiel stehe das Fangen der Stoffbälle im Vordergrund.

„Ich habe noch nie einen schlimmeren Muskelkater gehabt als nach einem Dodgeball-Turnier“, sagt Weber mit einem Lächeln. Man sei vielseitig gefordert: beim Sprinten, Springen, Ausweichen, Werfen und Fangen. Für den Sieg sei die richtige Taktik entscheidend. Kritische Töne einer Studie aus Kanada, dass das Abschießen eine Form des Mobbings sei, schmettert sie ab. „Die stärkeren Spieler werden sogar zuerst getroffen. Weil fünf Bälle im Spiel sind, kommen auch Schwächere zum Zug.“

Da es in Tirol noch keinen Dodgeball-Verein gibt, pendelt Weber regelmäßig zu den Spielen der „Dodgeball Ninjas“ nach Wien. Auch von einem Kreuzbandriss im Vorjahr, den sie sich beim Werfen zugezogen hatte, ließ sich Weber nicht stoppen: Sie hat sich zurück ins österreichische Nationalteam „Austrian Eagles“ gekämpft und holte vor zwei Wochen bei der EM in Newcastle unter 16 teilnehmenden Nationen den Europameistertitel. Mit dreimal EM-Gold (Herren, Damen, Mixed) löste Österreich zudem England als dominierende Nation ab.

Weber will weiter auf der Euphoriewelle surfen. Wenn es nach ihr geht, soll Dodgeball in Tirol populär werden. Die Zahl der Vereine in Österreich liege im einstelligen Bereich, die Anerkennung durch die Bundessportorganisation stehe noch aus. Ab Herbst bietet sie auf der Pä­dagogischen Hochschule Tirol Fortbildungen für Lehrer an. Für Interessierte gibt’s ab Oktober (freitags, 15.30 Uhr) Anfängerkurse auf der USI.

Infos unter www.dodgeball.at. Einen Einblick in die Sportart gibt der US-Kinofilm „Voll auf die Nüsse“ (2004).