Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.08.2019


Olympia

Ein Jahr vor den Olympischen Spielen: 24 Tiroler nehmen Kurs auf Tokio

Der 2012 zum Unwort erkorene Begriff der „Olympia-Touristen“ kommt im heimischen Wortschatz nicht vor, aber die Selektion soll diesmal aufgrund der ohnehin harten Kriterien erfolgen.

Kathrin Unterwurzacher und Bernadette Graf (r.) zählen zu den Tiroler Kandidatinnen für Olympia in Tokio.

© gepaKathrin Unterwurzacher und Bernadette Graf (r.) zählen zu den Tiroler Kandidatinnen für Olympia in Tokio.



Innsbruck – Kommende Woche fliegt die Innsbrucker Sportschützin Olivi­a Hofmann nach Rio de Janeiro – ein Schauplatz, an dem bei der 27-Jährigen Erinnerungen hochkommen werden. Lange lag sie bei den Olympischen Sommerspielen 2016 im Kleinkaliber-Dreistellungsmatch auf Medaillenkurs, am Ende wurde es Rang fünf. Diesmal geht es darum, „endlich einen Quotenplatz für Österreich zu holen“. Die Luftgewehr-Schützin von der SG Hötting will wie die beiden Tirolerinnen Franziska Peer und Nadine Ungerank zu den kommenden Sommerspielen 2020 in Tokio (24. Juli bis 9. August).

Auch Laura Stigger, die 18-jährige Weltmeisterin auf Straßenrad und Mountainbike, will ungeachtet ihres Alters die Herausforderung annehmen. Ihr Trainer Rupert Scheiber geht das Projekt mit viel Demut an: „Sie hat das Zeug für die Qualifikation, aber noch ist nichts geschafft.“ Gleichzeitig läuft die Vorbereitung, um nur ja gerüstet zu sein. Ein Mann wurde entsandt, um die Ötztalerin mit Fotos und Videos auf besondere Herausforderungen der Strecke einzustimmen. Gewisse Elemente wolle man sogar nachbauen.

Auch das Österreichische Olympische Komitee beteiligte sich an diesem Unterfangen, Generalsekretär Peter Mennel will im Hinblick auf das Großereignis keine Möglichkeit verstreichen lassen: „Wir haben allen Verbänden ein Handbuch zukommen lassen, damit sich die Sportler mit den Besonderheiten Tokios vertraut machen können.“ Vor allem die Hitze, gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit, stellt einen entscheidenden Faktor dar.

In Rio registrierte das ÖOC eine Medaille (Bronze im Segeln durch Zajac/Frank), was nach den medaillenlosen Sommerspielen 2012 ein Aufatmen hervorrief. Diesmal scheinen die Chancen auf weitere Medaillen gestiegen zu sein, Mennel führt das nicht zuletzt auf die bessere Einbindung der Olympia-Zentren in den Bundesländern zurück.

Die erwartete Größe des österreichischen Teams sollte jedenfalls über den 68 Qualifizierten der Vorgänger-Sommerspiele in Rio liegen. „Wir rechnen mit 70 bis 75 österreichischen Sportlern.“ Der 2012 zum Unwort erkorene Begriff der „Olympia-Touristen“ kommt im heimischen Wortschatz nicht vor, aber die Selektion soll diesmal aufgrund der ohnehin harten Kriterien erfolgen: „Was wir nicht wollen: dass einer unserer Sportler einen freien Platz vom Internationalen Olympischen Komitee erhält, weil ein anderer Athlet ausgefallen ist.“ Das gelte allerdings nicht für junge Athleten, denen man Erfahrung verschaffen wolle. Einer wie Laura Stigger, die wie 23 andere Tiroler potenzielle Chancen auf eine Teilnahme hat. Und manche sogar auf eine Medaille … (floh)

Tiroler Olympia-Kandidaten 2020

Boxen: Edin Avdic

Golf: Christine Wolf

Judo: Bernadette Graf, Kathrin Unterwurzacher

Radsport, Mountainbike: Laura Stigger, Elisabeth Osl, Georg Raggl, Max Foidl, Karl Markt. Straße: Katharina und Christina Schweinberger

Reiten, Springen: Max Kühner

Ringen: Martina Kuenz, Daniel Gastl, Michael Wagner

Schießen, Luftgewehr: Olivia Hofmann, Franziska Peer, Nadine Ungerank

Schwimmen: Bernhard Reitshammer

Segeln (49er): David Hussl (mit Benjamin Bildstein/Vbg.)

Sportklettern: Jakob Schubert

Triathlon: Luis Knabl

Rhythmische Sportgymnastik: Nicol Ruprecht

Beachvolleyball: Martin Ermacora (mit Partner Moritz Pristauz/Stmk.)