Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.08.2019


Bezirk Schwaz

Regatta am Achensee: Wo der Nordwind am schönsten ins Segel bläst

Bis Sonntag finden am Achensee die Österreichische Meisterschaft der Korsar-Klasse und die Tiroler Meisterschaft der FD-Klasse statt.

Rund 80 Boote nehmen an den Regatta-Bewerben teil.

© SCTWV AchenseeRund 80 Boote nehmen an den Regatta-Bewerben teil.



Von Angela Dähling

Maurach a. A. – Auf dem Gelände des Segelclubs Tiroler Wassersportverein Achensee geht es dieser Tage rund. Inge Welzig ist hier einmal nicht in Sachen Tierschutz unterwegs. Die begeisterte Seglerin ist Clubmitglied und hat als Parkplatzeinweiserin alle Hände voll zu tun, die Flut von Wohnmobilen, Autos und Bootsanhängern auf dem Vereinsgelände unterzubringen. Weiter unten Richtung Seeufer liegen rund 80 Boote – so genannte Flying Dutchman (FD) und Korsaren – fein säuberlich aufgereiht Rumpf an Rumpf an ihren Liegeplätzen. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Paul Hullenaar. Der gebürtige Holländer zählt zum vierköpfen Organisationsteam, das noch bis Sonntag die größte Segelveranstaltung mit rund 160 Teilnehmern aus sieben Nationen am Achensee koordiniert. Die Tiroler Meisterschaft im Rahmen des Eurocup für die rund sechs Meter langen FD-Boote und die Österreichische Meisterschaft für die etwa einen Meter kürzeren Korsaren stehen auf dem Programm.

An Hullenaars Seite: Philipp Zingerle. Der 37-jährige Milser hat zusammen mit Christoph Aichholzer, mit dem er seit über 15 Jahren gemeinsam segelt, zahlreiche österreichische Meistertitel geholt und war einst Junioren-Weltmeister. Derzeit muss Zingerle ohne seinen Steuermann auskommen, Paul Hullenaar nahm gestern dessen Platz ein. Kein so eingespieltes Team also und damit eine neue Situation, die die Siegchancen schmälert.

Unter den Teilnehmern ist auch Mitorganisator Paul Hullenaar mit Philipp Zingerle (v.l.)
Unter den Teilnehmern ist auch Mitorganisator Paul Hullenaar mit Philipp Zingerle (v.l.)
- Dähling

Aber worauf kommt es noch an, wenn man die vorgegebene Regatta-Strecke schnellstmöglich befahren will? „Körperliche Fitness ist wichtig, zu erkennen, wo der beste Wind ist, wo sich die Gegner positionieren und wie ich sie in Schach halten kann“, erklärt Zingerle. Apropos Schach: Es gehe ähnlich wie beim Schachspiel bei einer Regatta auch um Taktik und darum, die Nerven zu behalten, wenn kaum Wind weht.

„Aber es geht auch um den Spaß“, ergänzt Marc Strittmatter aus München. Er stammt vom Tegernsee, ist aber regelmäßig am Achensee, weil die Gegend so schön ist und die Segelbedingungen so super sind. „So wie der Gardasee für seinen Südwind bei Seglern berühmt ist, ist es der Achensee für den Nordwind“, unterstreicht auch Zingerle.

Bevor die Zweierteams ihre FD-Boote, die neu um die 30.000 Euro kosten, ins Wasser setzen, rufen Hullenaar und sein Organisationsteam zur Steuermann-Besprechung. Dabei appellieren sie mehrfach an die Segler, ja keinen Abfall oder Sonstiges ins Wasser zu werfen. Das werde mit Disqualifikation geahndet.

Teilnehmerin  Susanne Oed.
Teilnehmerin Susanne Oed.
- Dähling

Und dann geht es los ins kühle Nass – unter den überwiegend männlichen FD-Seglern stachen gestern Susanne Oed, Barbara Hachenberg und Ute Rogers heraus. Eine Damenklasse gibt es bei der Regatta nicht. Boot ist Boot. „Wir freuen uns, den Jungs mal ordentlich einzuheizen“, sagt Rogers. „Beim Slippen der Boote sind die Männer durchwegs hilfsbereit. Aber auf dem Wasser sind sie dann keine Gentlemen mehr, da wollen sie gewinnen“, meint Oed lachend. Am Ende wird es aber wohl wieder der Spaß am Segeln und das Spiel mit dem Wind sein, was wichtiger als jeder Sieg ist.

Den 160 Teilnehmern wurde bei der Besprechung vorab eingebleut, keinen Abfall in den See zu werfen.
Den 160 Teilnehmern wurde bei der Besprechung vorab eingebleut, keinen Abfall in den See zu werfen.
- Dähling