Letztes Update am Sa, 24.08.2019 22:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sportsommer in Tirol

Noch einmal schwitzen, bevor der Sommer endet

500 Starter beim Dolomitenmann, 4000 beim Ötztaler Radmarathon – der Spätsommer ist traditionell reich an Tiroler Ausdauer-Klassikern.

Immer wieder beeindruckend, wenn sich das Starterfeld um 6.45 Uhr in Sölden in Bewegung setzt.

© Ötztaler RadmarathonImmer wieder beeindruckend, wenn sich das Starterfeld um 6.45 Uhr in Sölden in Bewegung setzt.



Von Florian Madl

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Innsbruck – Ausdauer ist schon bei der Anmeldung zum Ötztaler Radmarathon (1. 9.) gefragt: Die Wahrscheinlichkeit, einen der 4000 Startplätze zu ergattern, lag heuer angesichts von 16.000 Anmeldungen bei 1:4. Dafür genießen die Glücklichen dann allerhand, was ihnen in der Szene der Hobby- und Amateursportler zur Ehre gereicht: die Chance, den Traum zu verwirklichen, ins Ziel zu kommen und sich das Finisher-Trikot zu sichern. Manche Starter des Rennens werden sie nicht zu Gesicht bekommen. Etwa den Luxemburger Frank Schleck, Gewinner von Tour de Suisse, Amstel Gold Race und Dritter der Tour de France 2011. Oder den Italiener Francesco Cassagrande, Zweitplatzierter beim Giro d’Italia 2002. Oder den Niederländer Johnny Hoogerland, Träger des Bergtrikots bei der Tour de France 2011.

Die Jagd über die vier Alpenpässe (Kühtai, Brenner, Jaufenpass, Timmelsjoch) ist legendär und erfährt heuer eine besondere Aufwertung: Nicht weniger als 15 Stunden Live-Stream sollen den Daheimgebliebenen offenbaren, was ihnen an diesem 1. September entgeht. Ein Vorgeschmack auf die 40. Auflage kommendes Jahr.

Für die Teilnehmer geht es beim Ötztaler Radmarathon über die Alpenpässe Kühtai, Brenner, Jaufen und Timmelsjoch.
Für die Teilnehmer geht es beim Ötztaler Radmarathon über die Alpenpässe Kühtai, Brenner, Jaufen und Timmelsjoch.
- lorenzi
Dem Gletscher entgegenstrampeln heißt es heuer wieder für 4000 Starter beim Ötztaler Radmarathon.
Dem Gletscher entgegenstrampeln heißt es heuer wieder für 4000 Starter beim Ötztaler Radmarathon.
- Lorenzi

Der „Ötzi“ – nur einer von vielen Tiroler Klassikern im Spätsommer. Seit einigen Tage messen sich in St. Johann die besten Masters-Fahrer beim Radweltpokal. Seit 51 Jahren ist das so, die Resonanz – 3500 Starter aus 50 Ländern – bestätigt das Veranstalterteam um den unermüdlichen Harald Baumann. Der gewährt selbst „Zweirad-Oldtimern“ eine Bühne, auf E-Bikes reagiert man noch zurückhaltend. Allerdings: Im Vorjahr erwischte es einen, der seinen Motor im Rahmen unterbrachte. Die Randnotiz eines skandalfreien Fixpunkts.

Der Karwendelmarsch (31. August) kann es in Sachen Gründungsjahr mit dem Radweltpokal aufnehmen, den gibt es bereits seit 1969. Und trotz einer Pause zwischen 1990 und 2009 schwingt allerhand Nostalgie mit, wenn es um den Marsch (oder Lauf) zwischen Scharnitz und Pertisau geht. Die Ursprungsidee der Veranstalter: finanzielle Mittel für den Tiroler Skinachwuchs zu sammeln. Mittlerweile schwingt auch Bewusstseinsbildung bei der Veranstaltung mit, die je nach Laune 35 (Ausstieg Eng) oder 52 Kilometer (2281 Höhenmeter) beinhaltet. Trailrunner freuen sich über die Herausforderung mit malerischer Kulisse, die Schnellsten dürfen auf dem Kleinen Ahornboden ihren Siegerbaum pflanzen. Aber aus Sicht der Mehrheit an Teilnehmern besonders bemerkenswert: Weniger sind es isotonische Getränke und Energieriegel, an denen sich die Sportler laben, sondern Bio-Produkte. In einer Auflistung geht zu den zehn Labestationen zwischen Schafstallboden und Falzturnalm hervor: 300 Liter selbst hergestellter Holundersirup, 5000 Müsliriegel, 8000 Brotscheiben, 200 Kilogramm Käse, 170 Kilogramm Wurst.

Ob Leiden wirklich Spaß machen kann? Davon geht zumindest der ehemalige Skirennläufer Werner Grissmann aus, der eines Nachts den Traum von der Extrem-Staffel Dolomitenmann (7. 9.) geboren haben soll und mit Hilfe eines Getränkeherstellers in die Tat umsetzte. Bei sich in Lienz, wo sonst könnte die Veranstaltung stattfinden?

Duelle Rad an Rad gibt es derzeit wieder bei der 51. Auflage des Radweltpokals in St. Johann in Tirol.
Duelle Rad an Rad gibt es derzeit wieder bei der 51. Auflage des Radweltpokals in St. Johann in Tirol.
- Radweltpokal
Start zum Karwendelmarsch in Scharnitz. Bis zum Ziel in Pertisau warten 52 atemberaubende Kilometer.
Start zum Karwendelmarsch in Scharnitz. Bis zum Ziel in Pertisau warten 52 atemberaubende Kilometer.
- Karwendelmarsch

Jährlich lockt der Härtetest

Die größte Sportarena der Alpen – der Talkessel rund um Lienz – wird für Bergläufer, Paragleiter, Mountainbiker und Kajakfahrer zur Spielwiese, und das in Vierer-Teams. Die Sieger dürfen sich seit 1988 „Die Härtesten unter der Sonne“ nennen, geändert hat sich seit damals wenig. Werner Grissmann übergab das Zepter an seinen Sohn Niki, das bewährte Konzept wurde um eine üppige TV-Übertragung erweitert. Wer in der Outdoor-Szene was auf sich hält, muss zumindest einmal dabei gewesen sein.

Die letzten Meter vor dem Zielstrich am Lienzer Hauptplatz – beim Dolomitenmann geht es um den Titel „Die Härtesten unter der Sonne“.
Die letzten Meter vor dem Zielstrich am Lienzer Hauptplatz – beim Dolomitenmann geht es um den Titel „Die Härtesten unter der Sonne“.
- Red Bull
Mit dem Mountainbike über die Skipiste und den Gegner im Nacken – es könnte nicht spannender sein.
Mit dem Mountainbike über die Skipiste und den Gegner im Nacken – es könnte nicht spannender sein.
- gepa
Landeanflug im Dolomitenstadion – von hier aus übernehmen die Mountainbiker.
Landeanflug im Dolomitenstadion – von hier aus übernehmen die Mountainbiker.
- bergermarkus.com

Unterschätzt haben den Dolomitenmann schon viele, etwa Extremsportler Sepp Resnik. Der soll vor dem Berglauf – 2000 Höhenmeter in knapp 1,5 Stunden – zu viel gefrühstückt und für diesen Lapsus gebüßt haben. Oder ein erfolgreicher Treppenläufer, der nach dem Bewerb eine Woche lang gepflegt werden musste. Oder ein Berglaufweltmeister, der sich ins Ziel am Kühbodenthörl über Gebühr anstrengte und ins Krankenhaus geflogen werden musste. Nicht zu vergessen: hereinbrechender Schneefall bei einer Auflage.

Beim Achenseelauf (Hauptlauf am 8. September), der heuer zum 20. Mal stattfindet, ist die Herausforderung auf knackigen 23,2 Kilometern verpackt. 1500 Starter werden erwartet, den Ritterschlag hatte man bereits vor langer Zeit erhalten. Wolfgang Konrad, ein Tiroler und stets kritischer Organisator des Vienna City Marathons, sprach einmal vom Achenseelauf als „schönstem Panoramalauf Österreichs“. Das Lob des eindrucksvollen Panoramas lässt sich auf alle anderen Tiroler Klassiker umlegen.

Der Achenseelauf mutierte zum Lauffest für Jung und Alt – der Hauptlauf findet erst am Sonntag statt.
Der Achenseelauf mutierte zum Lauffest für Jung und Alt – der Hauptlauf findet erst am Sonntag statt.
- TVB Achensee

Tiroler Sport-Klassiker

Radweltpokal

Termin: 24.–31. August

Start/Ziel: St. Johann in Tirol

Teilnehmerzahl: 3500

Karwendelmarsch

Termin: 31. August Start: 6 Uhr, Scharnitz.

Ziel: Pertisau bzw. Eng

Disziplinen: Karwendellauf 52 km bzw. Karwendelmarsch 52 km oder 35 km (Höhenmeter 2281 m bzw. 1500 m)

Teilnehmerzahl: 2500

Ötztaler Radmarathon

Termin: 1. September

Start: 6.45 Uhr, Sölden.

Ziel: Sölden

Strecke: Sölden, Kühtai, Innsbruck, Brenner, Jaufenpass, St. Leonhard, Timmelsjoch, Sölden (238 km/5500 Höhenmeter).

Teilnehmerzahl: 4000

Achenseelauf

Termin: 7./8. September

Start: Kinderläufe und Fitnesslauf (10 km/17.30 Uhr) am Samstag, Hauptlauf (23,2 km) und Zweier-Staffel (14 bzw. 9,2 km) am Sonntag (10 Uhr) jeweils mit Start am Parkplatz der Karwendel-Bergbahn in Pertisau;

Ziel: Fischergut in Pertisau.

Teilnehmerzahl: 1500

Dolomitenmann

Termin: 7. September

Start/Ziel: Lienz

Teilnehmerzahl: 500 (125 4er-Teams)