Letztes Update am Mi, 28.08.2019 09:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Handball

Schwaz-Coach Bergemann: „Müssen uns im September durchbeißen“

Frank Bergemann, Coach von Schwaz Handball Tirol, im TT-Gespräch über das harte Auftaktlos und warum Krems in einer anderen Liga spielt.

Handball-Trainer Frank Bergemann blickt fokussiert auf den Liga-Auftakt gegen Bregenz: „Wir haben einen schwierigen Saisonanfang.“

© Rudy De MoorHandball-Trainer Frank Bergemann blickt fokussiert auf den Liga-Auftakt gegen Bregenz: „Wir haben einen schwierigen Saisonanfang.“



Schwaz – Frank Bergemann blickt stoisch nach vorne, den 63-jährigen Deutschen bringt nichts aus der Ruhe. Aufgrund von Umbauarbeiten in der Schwazer Osthalle musste man in der Vorbereitung auf die spusu-Liga umdisponieren. Der Startschuss am Samstag (18.10 Uhr) gegen Bregenz fällt in der Innsbrucker Olympiahalle. „Wir schaffen das“, sagte der Trainer von Schwaz Handball Tirol und blickte im TT-Gespräch auf den heißen Herbst voraus.

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Herr Bergemann, mit welchen Erwartungen gehen Sie in die neue Saison?

Frank Bergemann: Wir haben einen unglaublich schweren Saisonanfang, weil unsere Wettkampfhalle noch renoviert wird. Wir beginnen gegen Bregenz, dann geht es zum Aufsteiger nach Bärnbach, danach zu WestWien und den Fivers. Wir müssen uns im September durchbeißen, bis am 4. Oktober unsere neue Halle eröffnet wird.

Das Projekt Handball Tirol geht mit einem neuen Vereinslogo in die siebte Saison. Wie wichtig ist es, dass man sich immer wieder neu erfindet?

Bergemann: Ich finde das neue Logo cool. Der Adler steht für Tirol und es passt zu unserer Mentalität, dass wir angreifen wollen.

Die Liga-Generalprobe gegen Bozen ging mit 30:31 verloren. Damit ist in der Vorbereitung kein Testspielsieg gelungen.

Bergemann: Ich sehe das nicht dramatisch. Im Gegenteil, letztes Jahr haben wir gut angefangen und dann sind die Niederlagen deutlicher geworden. Heuer soll es andersrum sein. Wir wissen, wo wir momentan stehen und was man noch angehen muss. Die Mentalität, nach einer Niederlage wieder aufzustehen, hat uns in der Vergangenheit ausgezeichnet. Ich hoffe, dass wir das weiter forcieren können.

Die Ansprüche bei Handball Tirol sind hoch, man möchte endlich ins obere Play-off.

Bergemann: Dass wir ehrgeizig sind und den nächsten Schritt gehen wollen, ist klar. Wenn man viel investiert, will man auch etwas träumen dürfen, das will ich nicht von der Hand weisen. Wir müssen dieses Jahr wirklich aufpassen, nicht dass gleich wieder Tristesse entsteht.

Was erwarten Sie sich von den drei Neuzugängen Richard Wöss, Petar Medic (CRO) und Florian Deifl?

Bergemann: Richard Wöss tut uns mit seiner Routine sehr gut. Wir mussten auf der Rechtsaußen-Position bisher viel experimentieren, diese Lücke soll er füllen. Petar Medic ist ein Talent aus Kroatien, er wird sich gut zurechtfinden bei uns. Goalie Florian Deifl ist ein offener Typ und sagt, was er denkt. Er hat in der Vorsaison schon in Krems bewiesen, dass er ein Team- player ist. Gemeinsam mit Jost Perovsek und Tobias Alber bildet er das Torhüter-Trio.

Abseits von drei Legionären setzt Handball Tirol auf Eigenbauspieler. Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem neuen Innsbruck-Trainer Klaus Hagleitner?

Bergemann: Er ist eine Legende (lacht). Wir haben einige Gespräche geführt. Wichtig ist, dass sich die Spieler weiterentwickeln. Thomas Wörgötter, Johannes Demmerer und Mario Petrusic sind fest in unser Trainingsprogramm integriert und werden Spielanteile bekommen.

Könnten noch mehr junge Spieler aus Innsbruck ein Thema für die spusu-Mannschaft werden?

Bergemann: Das System ist grundsätzlich immer offen. Wenn sich einer anbietet, werden wir ein Auge darauf werfen. Frust bringt niemandem etwas. Die Spieler sind aus Leidenschaft dabei. Da muss man ihnen die Möglichkeit geben, ihr Hobby zu leben.

UHK Krems verblüffte in der Vorsaison als Meister und zählt neben den Fivers und Hard wieder zu den Top-Favoriten auf den Titel.

Bergemann: Krems hat lange für den Erfolg gearbeitet. Man kann interessiert hinschauen, was sie gemacht haben. Sie haben eine tolle Halle und die Fans auf der Tribüne machen richtig Druck. Dazu haben sie beim Personal gute Entscheidungen (u. a. Fabian Posch, Anm.) getroffen. Und sie haben nicht zuletzt genügend Geld für gute Spieler.

Man muss sich in Tirol also nach der Decke strecken?

Bergemann: Man darf nicht vergessen, dass Krems von Spielern aus der Umgebung von Wien profitiert. Das ist eine ganz andere Situation als bei uns in Tirol, wir sind eine Handball-Insel und müssen mit den Spielern auskommen, die da sind. Vorarlberger kommen nicht nach Tirol, weil es dort genügend Mannschaften gibt. In Salzburg spielt Handball keine Rolle. Wenn ein Spieler zu uns kommt, muss er umziehen.

Apropos umziehen. Sie arbeiten neben Ihrem Trainerjob weiterhin als Lehrer in Erlangen (GER) und pendeln nach Tirol. Funktioniert das?

Bergemann: Ich glaube nicht, dass es bisher ein Hindernis war. Ich lebe Handball Tag und Nacht und arbeite sehr, sehr professionell. Einzig die vielen Baustellen zwischen Erlangen und Schwaz nerven.

Das Gespräch führte Benjamin Kiechl