Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.08.2019


Radsport

39. Auflage des Ötztaler Radmarathons: Profis sind Teil der Ötzi-Legende

238 Kilometer, 5500 Höhenmeter über vier Alpenpässe, und das bei jeder Witterung: Die 39. Auflage des Ötztaler Radmarathons (Sonntag, 6.45 Uhr) bietet Stoff für Helden-Epen von Leuten aller Leistungsstufen.

4000 Teilnehmer wagen sich am kommenden Sonntag an den Ötztaler Radmarathon.

© Jürgen Skarwan4000 Teilnehmer wagen sich am kommenden Sonntag an den Ötztaler Radmarathon.



Von Florian Madl

Innsbruck, Sölden — Dem Mythos des Ötztaler Radmarathons kann sich kaum ein Radler entziehen, dementsprechend bunt ist das Starterfeld am Sonntag. Ein Überblick:

Der Niederländer Johnny Hoogerland (2011) mit Bildern, die damals um die Welt gingen.
Der Niederländer Johnny Hoogerland (2011) mit Bildern, die damals um die Welt gingen.
- gepa

Die Kämpfernatur: Kennen Sie Johnny Hoogerland? Die wenigsten, auch wenn sie radsportaffin sind, werden diese Frage mit „Ja" beantworten. Denn obwohl der Niederländer einige Male das Bergtrikot der Tour de France 2011 übernahm (aber nicht gewann), brannte sich der mittlerweile 36-jährige Wahl-Kärntner doch vielmehr durch einen dramatischen Unfall samt Rechtsstreit in die Köpfe ein. Hintergrund: Hoogerland war bei der neunten Etappe der Frankreich-Rundfahrt als Mitglied einer Spitzengruppe von einem TV-Fahrzeug zu Sturz gebracht worden und landete in einem Stacheldrahtzaun. Die Bilder des verletzten Hoogerland, der später mit großem Rückstand das Ziel erreichte und mit 33 Stichen genäht werden musste, gingen um die Welt. Und auch die Klage des Profis, der noch lange unter den Folgen leiden sollte, zog sich bis zur positiven Abwicklung über drei Jahre. Erst 2016 beendete der Niederländer seine Laufbahn — die Form sollte vor seinem Ötztaler-Debüt stimmen ...

Der Schleck-Bruder: Auch der Luxemburger Fränk Schleck (39), Bruder von Tour-Sieger Andy Schleck (2010), hat seine Karriere bereits beendet. Die war gespickt mit Siegen und dem dritten Gesamtplatz bei der Tour de France (neben einer Dopingsperre).

Der Luxemburger Fränk Schleck bei seinem Vuelta-Etappensieg (2015).
Der Luxemburger Fränk Schleck bei seinem Vuelta-Etappensieg (2015).
- EFE

Der Rekord-Aspirant: Der Italiener Francesco Casagrande (ITA, 48) ist schon länger aus der Szene verschwunden, der Gesamt-Zweite beim Giro (ebenfalls einmal dopinggesperrt) könnte als bald 49-Jähriger den Deutschen Bernd Hornetz (damals 48) als ältesten Ötzi-Sieger ablösen ...

Die Vorjahresüberraschung: Der armamputierte Vorjahresdritte Patrick Hagenaars ist heuer wieder dabei, der Tiroler Ex-Kombinierer verblüffte 2018 alle.

Der Weltrekordler: Lokalmatador Patric Grüner knackte erst kürzlich mit 36.900 Höhenmetern in 48 Stunden auf der Ötztaler Gletscherstraße den Weltrekord — eine Kampfansage?

Die Mountainbike-Weltmeister: Der Belgier Roel Paulissen, vierfacher Olympia-Starter und zweifacher Marathon-Weltmeister, will es heuer ebenso wissen wie der Osttiroler Alban Lakata (dreimal Weltmeister).

Die Ski-Fraktion: Slalom-Weltmeister Frank Wörndl (GER), zuletzt vom heuer fehlenden deutschen Rad-Helden Jan Ullrich begleitet, peilt neuerlich eine Top-Zeit an. Eine Liga darunter: Skisprung-Asse Andreas Goldberger und Martin Koch.

Die Pacemaker: Fünf davon sehen heuer nach dem Rechten, geben den Hobbyfahrern Anhaltspunkte: Wer dem Tiroler Ex-Radprofi Martin Weiss folgt, kommt in acht Stunden ins Ziel, der ehemalige Ö-Tour-Sieger Thomas Rohregger peilt neun Stunden an. Und mit dem Innsbrucker Martin Kraler ist ein ehemaliger Mountainbike-Profi in 9,5 Stunden unterwegs.

Vieles neu: 16.000 Leute bewarben sich um 4000 Startplätze, denen wird mit der bewährten Rundum-Betreuung auf der Strecke allerhand geboten. Doch auch die Zuschauer sind voll im Geschehen — im Rahmen einer 15-stündigen Live-Berichterstattung (Alpentour TV, Ötztaler Radmarathon Youtube und Facebook). Um 6.30 Uhr morgens geht es los, bis nach der Siegerehrung (21.30 Uhr) geht es zur Sache. Beachtlich: Für den Ötzi-Liveticker bei Eurosport interessierten sich mehr als für die zeitgleich laufende Vuelta-Etappe ...

39. Ötztaler — Programm, Straßensperren

Programm Sonntag:

6.30 Uhr Startschuss bei der BP-Tankstelle in Sölden; ab 10.30 Uhr Live-Zuspielungen auf der Videowall; 13.40 Uhr erwarteter Zieleinlauf; 20.45 Uhr Siegerehrung.

Straßensperren:

6.15—8 Uhr Sölden bis Oetz; 7—9.30 Uhr Oetz bis Kühtai; 7—10:30 Uhr Kühtai bis Kematen; 8.30—11.30 Uhr Innsbruck ab Bergisel bis Brenner; 8.45—11.40 Uhr Schönberg bis Innsbruck; 9.20—11.45 Uhr Matrei bis Brenner; 9.30—11.55 Uhr Steinach bis Brenner; 9.50—12.40 Uhr Brenner bis Gries am Brenner; 9.50—12.35 Uhr Brenner bis Sterzing; 9.40—13.05 Uhr Sterzing bis Brenner; 10—14.45 Uhr Gasteig bis Jaufenpass; 10—15.30 Uhr Jaufenpass bis St. Leonhard; 11.30—16 Uhr St. Leonhard bis Moos SS44 (Umleitung über L.S. 115 Breit­eben); 11.45—17 Uhr Moos bis Rabenstein; 11.45—19.30 Uhr Rabenstein bis Timmelsjoch; 12—19.30 Uhr Timmelsjoch bis Gurgl; 11—19.30 Uhr Gurgl bis Timmelsjoch; 13—19.30 Uhr Gurgl bis Sölden.