Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.09.2019


Skispringen

Die morschen Bretter sind in Natters bald Skisprung-Geschichte

Dank Geldspritze von Land Tirol, Stadt Innsbruck und Tourismusverband kann der Umbau der alten Schanzenanlage in Natters endlich beginnen.

null

© Rudy De Moor / TT



Von Benjamin Kiechl

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Natters – Die Toni-Geiger-Schanzenanlage in Natters hat schon viele Winter überdauert. Das hat Spuren hinterlassen. Der Schanzenunterbau aus Brettern ist schon seit einigen Jahren morsch – und auch sonst nagt der Zahn der Zeit am nordischen Juwel. Das soll sich nun ändern: Ein Trupp an Freiwilligen scharrt bereits in den Startlöchern und wartet ungeduldig auf den Startschuss.

Noch bevor die Bäume ihr Laub abwerfen, geht es den alten Kunststoffmatten an den Kragen. „Am Montag beginnen wir mit den Abbauarbeiten, Ende des Monats kommt der Bagger. Ich habe die Baupläne und den Zeitplan genau im Kopf“, erklärte Norbert Poppinger, der Obmann des SV Innsbruck-Bergisel, nach einer Besprechung mit dem Bauleiter der Firma Porr.

Die Nervosität ist dem Vater von ÖSV-Skispringer Manuel Poppinger förmlich anzuhören und das ist durchaus nachvollziehbar: Der Verein hat nicht lockergelassen und rund drei Jahre um die notwendigen Geldmittel (ein niedriger sechsstelliger Eurobetrag) gekämpft. Dank finanzieller Hilfe von Land Tirol, Stadt Innsbruck und Tourismusverband kann die altehrwürdige Schanzenanlage (Baujahr 1964) nun endlich erneuert werden. Auch die Gemeinde Natters sei dem Verein mit dem Pachtzins für zehn Jahre entgegengekommen, erklärte Obmann-Stellvertreter Josef Häusle. Weiters bedanke man sich bei umliegenden Gemeinden und der Sportunion Tirol.

Top-Stars wie Rekordweltcupsieger Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler haben auf den drei Kleinschanzen (K37, K20, K10) in der Vergangenheit ihre ersten Sprünge absolviert. Für Jungadler sei die Schanze unabkömmlich, betonte der sportliche Leiter Markus „Maggo“ Lechner. „An Trainingstagen haben wir rund 15 Springer auf der Schanze, auch aus Absam und anderen Teilen Tirols kommen Springer zu uns.“

Die Charakteristik der größten Schanze mit ihrem steilen Anlauf und dem schwierigen Radius sei einzigartig, „so eine Kinderschanze findet man kein zweites Mal“. Daher lohnt es sich laut Obmann Poppinger, mit einem finanziellen Kraftakt und großem Engagement der Mitglieder der Anlage in Natters neues Leben einzuhauchen. Denn es nützt der Hexenkessel am Bergisel nichts, wenn es keine Trainingsmöglichkeit für den Nachwuchs gibt.

Bis zu den ersten Schneefällen will man mit den Arbeiten so weit fortgeschritten sein, dass im Winter im Rahmen des TT-Landescups ein erster Wettkampf möglich ist. Im Frühling sollen dann neue Kunststoffmatten verlegt werden. „Nach der Schneeschmelze geht es weiter, voraussichtlich im Juni sind wir fertig“, skizzierte Poppinger.

Harald Haim, der sportliche Leiter im Schigymnasium Stams, weiß, dass die Erhaltung von Trainingsstätten für den Nachwuchs nicht immer einfach sei. Neben der Anlage in Natters seien die Schanzen in Kitzbühel, Wörgl oder Absam gut in Schuss, andere wie die in Fieberbrunn, Mayr­hofen und Imst könnten nur „mit großem Aufwand am Leben erhalten werden“. Die Schanze in Breitenwang ist seit Kurzem Geschichte.

Ein Positiv-Beispiel findet sich wenige Kilometer südlich der österreichischen Grenze. Im slowenischen Skisprung-Mekka Planica wurde unter Einsatz großer finanzieller Mittel im Hinblick auf die Nordische WM 2023 ein modernes Trainingszentrum errichtet. Die Nachwuchsspringer des SV Innsbruck-Bergisel absolvierten kürzlich einen Trainingsaufenthalt. „Wir werden nächstes Jahr wieder hinfahren“, erklärte der sportliche Leiter Markus Lechner. Am liebsten trainiere man jedoch weiterhin „zuhause“, auf der schon bald runderneuerten Schanzenanlage in Natters.