Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.09.2019


Extremsport

Für die Härtesten unter der Sonne: Leiden kann auch Spaß machen

Die 32. Auflage des Red Bull Dolomitenmanns, einer Extremstaffel aus Berglauf, Paragleiten, Mountainbiken und Kajak, stellt Lienz am Samstag (Start: 10 Uhr) wieder auf den Kopf.

Aus sieben Metern Höhe erfolgt der Startsprung in die Drau, es folgen knapp 30 Minuten Kampf mit der Strömung.

© gepa goetzhaberAus sieben Metern Höhe erfolgt der Startsprung in die Drau, es folgen knapp 30 Minuten Kampf mit der Strömung.



Von Florian Madl

Lienz – Etwas wird sich beim Start zum Lienzer Dolomitenmann auch heuer nicht ändern: die bangen Gesichter am Start, die Sprachlosigkeit der Debütanten oder das überspielende Selbstbewusstsein der Serienstarter. Denn so richtig wohl ist keinem in seiner Haut, wenn am Samstag (10 Uhr) der Startschuss am Hauptplatz erfolgt. Diesmal vielleicht noch ein wenig mehr, denn das Wetter bleibt ein Fragezeichen. „Wir haben die Originalstrecke eingeplant, aber auch eine Ersatzstrecke wäre denkbar“, erklärt OK-Chef Niki Grissmann. Statt den 1800 Höhenmetern aufs Kühbodentörl wären das dann 1200. Und auch die scheinen auszureichen, aber der Dolomitenmann (Motto: „Für die Härtesten unter der Sonne“) kennt eben nur Superlative. Einige Eckdaten für Dolomitenmann-Statistiker:

Anflug aufs Dolomitenstadion: Sollte Nebel heuer keinen Start vom Kühbodentörl zulassen, erfolgt der Start beim Hochstein.
Anflug aufs Dolomitenstadion: Sollte Nebel heuer keinen Start vom Kühbodentörl zulassen, erfolgt der Start beim Hochstein.
- gepa

Teams: 53 kommen aus Österreich, diesen stehen 72 internationale gegenüber (aus 17 Nationen). Eine besondere Erwähnung verdient das Red-Bull-Südafrika-Team.

Lohn: Jenes Quartett, das mit dem Kajaker zuerst die Ziellinie am Hauptplatz passiert (geschätzte Ankunft nach gut vier Stunden), darf sich über 7500 Euro Preisgeld und die Siegertrophäe des Bildhauers Jos Pirkner freuen, der bereits ein Formel-1-Auto von Toro Rosso bemalte ...

Die letzten Meter, das Laktat lähmt die Beine. Und dennoch ist kein Moment schöner als die Ankunft am Lienzer Hauptplatz.
Die letzten Meter, das Laktat lähmt die Beine. Und dennoch ist kein Moment schöner als die Ankunft am Lienzer Hauptplatz.
- gepa

Rekordmann: Die Sieger der jeweiligen Einzeldisziplin machen sich in ihrer Szene unvergessen, für Harald Hudetz (Kajak) gilt das längst. Als Erster könnte er mit acht Einzelsiegen für Furore sorgen.

Geschichten: Derer finden sich allerhand, überliefert werden die kuriosesten. So schnitt sich ein Paragleiter einmal selbst aus dem Baum, um protokollgemäß an den Mountainbike-Kollegen zu übergeben. Vor fünf Jahren landete einer am Übertragungswagen, andere wieder fanden sich mitten in einer Feldmesse oder auf einem Balkon wieder.

Charity: Die „Wings for Life“-Stiftung unterstützt mit Spendengeldern 170 Forschungsprojekte auf der ganzen Welt, um Querschnittlähmung zu heilen. Ein Prominententeam um Ex-Skispringer Andreas Goldberger, Benjamin Karl (Snowboard) und Wendelin Ortner (Paragleiten) sowie die „Wings for Life Heroes“ – gehandicapte Sportler bilden ein Team – treten für diese Stiftung ein. Auch Marcel Hirscher, erfahren durch Wildwasser-Ritte auf der Lammer nahe seiner Heimat Annaberg, verschaffte dem Event mit seiner Teilnahme Aufmerksamkeit.

Männersache: An der Auflage im Jahr 2009 wollten erstmals Frauen teilnehmen. Das wurde jedoch von Erfinder Werner Grissmann abgelehnt: Die Strecke sei für Frauen „zu schwierig“, auch den Namen wollte der Osttiroler nicht ändern.

Kuriosum: Allerhand bunte Vögel bereicherten die Veranstaltung, so auch im Jahr 2015, als mit dem Grazer Gerald Rosenkranz erstmals ein Einradfahrer auf der Mountainbike-Etappe antrat.

Selbst für den ehemaligen Erfolgs-Biathleten Christoph Sumann war der Berglauf kein Honiglecken.
Selbst für den ehemaligen Erfolgs-Biathleten Christoph Sumann war der Berglauf kein Honiglecken.
- gepa