Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.09.2019


Unterhaus

SV Matrei gegen Reutte: Ein Comeback, ein Schleuderstuhl

Im ersten Heimspiel seit zehn Monaten gelang dem Landesligisten SV Matrei beim 4:4-Remis eine fulminante Aufholjagd. Die verdutzten Gäste aus Reutte haben eine Reihe von Trainer-Rochaden hinter sich.

Der Schein trügt: Matrei (Thiemo Peer, rot) lief Reutte (Onur Kibar) lange hinterher, um sich letztlich doch noch einen Punkt zu sichern.

© Michael KristenDer Schein trügt: Matrei (Thiemo Peer, rot) lief Reutte (Onur Kibar) lange hinterher, um sich letztlich doch noch einen Punkt zu sichern.



Von Daniel Lenninger

Matrei – Die noch immer aktiven Hörtnagl-Brüder Mario und Christian dienen in den Reihen des SV Matrei als Relikte aus vergangenen Tagen, als der Klub aus dem Wipptal dank goldener Generationen (u. a. Johannes Kinzner, Michael und Patrick Knoflach, Christian Gebauer) noch in der Tiroler Liga für Furore gesorgt hatte. Nach dem Abstieg in die Landesliga West wurde der Umbruch längst eingeleitet – nicht nur auf personeller Ebene, sondern auch in Sachen Infrastruktur. Umbauarbeiten rund um den Sportplatz haben die Matreier zuletzt dazu gezwungen, 18-mal in Folge auswärts anzutreten.

Die triste Zeit der Kilometer fressenden Landesliga-Kicker ist am Samstag abgelaufen. Und im ersten Heimspiel seit dem 3. November 2018 hatte Matrei gleich einen denkwürdigen Auftritt, der für die lange Abwesenheit teilweise entschädigte. Beim 4:4-Remis gegen Reutte verwandelte die Elf von Neo-Trainer Martin Gasser einen zwischenzeitlichen 1:4-Rückstand in einen Punktgewinn.

Mario Hörtnagl, als Sektionsleiter und Spieler ohnehin ausgelastet, schlüpfte in der Nachspielzeit auch noch in die Rolle des Torschützen zum späten Ausgleich. „Für uns ist das ein gefühlter Sieg“, jubelte der Routinier, dessen Bruder Christian eine Minute zuvor per Elfer den 3:4-Anschlusstreffer markiert hatte.

Für den 28. September (Heimspiel gegen Thaur) ist beim noch sieglosen Matrei die offizielle Eröffnung des sanierten Sportplatzes geplant. Bereits am Samstag kamen die laut des TFV-Datenservices erschienenen 250 Zuschauer auf ihre Kosten.

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„Wir haben den Faden verloren und hatten Blackouts“, musste Reutte-Trainer Subchi Uda den bitteren Spielverlauf erst verdauen. Die Außerferner wähnten sich wohl zu sehr in Sicherheit. Den ersten Auswärtssieg in der laufenden Spielzeit vor Augen verspielten die Kicker vom Fernpass die bereits eingeplanten drei Punkte. Während zuhause drei Heimsiege in drei Spielen zu Buche stehen, bekommen die Männer rund um Kapitän Oleg Weber in der Fremde ihre PS noch nicht vollends auf die Straße – zumindest nicht über 90 Minuten.

Die angepeilte Kontinuität ließ man beim Klub aus dem Drei-Tannen-Stadion in den vergangenen Jahren auch auf der Trainerbank vermissen. Nach der Langzeit-Ära von Karl Dusvald blieb Benjamin Schwaiger zwar eineinhalb Jahre, doch alleine im vergangenen Jahr verbrauchte Reutte mit Predrag Bukarica und Lukas Mott zwei Chefbetreuer binnen einer Saison. Seit Sommer sitzt Uda auf dem „Schleuderstuhl“. Der Coach israelischer Abstammung kehrte zum Verein zurück, nachdem er bereits in der Vergangenheit diverse Reuttener Nachwuchsmannschaften betreut hatte. Aus seinem bayerischen Wohnort Füssen pendelt Uda nunmehr viermal pro Woche in den Süden.

„Ich möchte länger bleiben“, wagt der Rückkehrer einen Blick in die Zukunft. Längerfristig sei die Tiroler Liga das angestrebte Ziel, „in dieser Saison wollen wir es unter in die Top 4 schaffen“. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sollten „Einstands-Geschenke“ wie jene in Matrei vermieden werden.




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