Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.10.2019


Turnen

Tiroler Turn-Ass Mader: „Biles turnt wie von einem anderen Stern“

Start in Stuttgart: Simone Biles (USA) ist der Star der Turn-WM, Medaillen sind nicht ihr Ziel. Für Österreich geht es um Tokio-Tickets.

Anhocken und drehen, drehen, drehen: Der Doppelsalto mit drei Schrauben ist Simone Biles? Spezialität.

© AFPAnhocken und drehen, drehen, drehen: Der Doppelsalto mit drei Schrauben ist Simone Biles? Spezialität.



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Sie misst gerade mal 1,45 Meter und ist damit in etwa so groß wie ein durchschnittliches elfjähriges Mädchen: Zur 22-jährigen Simone Biles blicken dennoch alle auf. „Sie turnt wie von einem andern Stern“, bewundert auch die Tirolerin Jasmin Mader ihre Turnkollegin aus den USA. Mit dem Triple-Double, einem gehockten Doppelsalto mit drei Schrauben, den Biles als erste Frau im August zeigte, katapultierte sie sich in ungeahnte Sphären.

Jasmin Mader.
Jasmin Mader.
- ÖFT

Die 22-Jährige gewann viermal olympisches Gold, war viermal Mehrkampf-Weltmeisterin, dreimal holte sie den WM-Titel mit dem US-Team, die zahlreichen nationalen Meistertitel verblassen zu Beiläufigem. Biles ist die erste Afroamerikanerin an der Spitze des Turnsports, sie strahlt, lächelt und wirkt unbesiegbar.

„Ihr beim Turnen zuzusehen ist einfach der Wahnsinn“, schwärmt Mader, die mit Elisa Hämmerle und Marlies Männersdorfer (beide Vbg.) Österreichs weibliches Aufgebot für die Turn-WM ab heute in Stuttgart bildet. Die ÖFT-Damen treten heute (15.30 Uhr) in der vierten von zwölf Subdivisionen an, allerdings nicht gegen den US-Superstar. Biles startet erst morgen zur Prime Time um 20 Uhr in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle.

Marlies Männersdorfer.
Marlies Männersdorfer.
- ÖFT/Volker Minkus

Österreichs Damen beginnen heute am Sprung. „Wenn alles so läuft wie beim Podiumstraining, dann wäre es spitze. Ich muss nur meinen Kopf in den Griff bekommen“, nimmt sich Mader vor.

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Für die 22-jährige Biles gilt Ähnliches: Bereits beim Training in Stuttgart zeigte sie, dass ihr der Triple-Double in der Boden-Kür keine Probleme bereitet. Wenn sie dieses Element jetzt bei der WM, bei einem internationalen Bewerb also, steht, wird es gemäß Regelwerk des Internationalen Turnverbandes ihren Namen bekommen. Und das, sagte sie, sei ihr sogar noch wichtiger als Medaillen: „Ich fühle mich ziemlich sicher damit und ich bin aufgeregt, ihn hier zu zeigen.“ Ob Biles ihren Triple-Double, den viele Experten zuvor als für Frauen unmöglich bezeichneten, bereits in der Qualifikation zeigen wird, ließ die Texanerin aber zuletzt noch offen. Ebenso verhält es sich mit „ihrem“ Double-Double als Abgang vom Balken, der auch bald „Biles“ heißen könnte: „Den Double-Double habe ich schon gemacht, als ich noch jünger war. Aber ich habe nie gedacht, dass ich den irgendwann einmal in einem Wettkampf turnen werde.“

Elisa Hämmerle.
Elisa Hämmerle.
- ÖFT/Volker Minkus

14 Mal ist sie bereits Weltmeisterin und es wäre keine Überraschung, wenn ihr Rekordkonto weiter anwachsen würde. Die Möglichkeiten der Österreicherinnen sind hingegen kleiner, doch auch sie greifen, wie Biles, nach anderem Großen: einem von insgesamt 98 Tickets (Männer und Frauen) für die Olympischen Spiele 2020.

Der Modus, sich zu qualifizieren, ist äußerst kompliziert, für Biles weniger. Allein schon als Mitglied des US-Teams sollte sich ein Ticket (Top 12 qualifizieren sich) ausgehen. Österreich verpasste diese Chance im Vorjahr. Einfach gesagt: Mader und Co. müssen einen Quotenplatz im Mehrkampf erturnen. Selbst Ringespezialist Vinzenz Höck (am Sonntag im Einsatz) rechnet sich bessere Chancen über den Sechskampf aus. „Die Gedanken daran versuche ich auszublenden. Ich will gut turnen“, sagt die 26-jährige Mader.

Das Beste zeigen, das will auch Biles’ Konkurrenz: Nina Derwael und die Niederländerinnen etwa, die Russinnen, die Chinesinnen ... Mader weiß: „Es gibt viel Tolles zu sehen.“

Die Turn-WM im Stream: swr.de/sport, sportschau.de