Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.10.2019


Klettern

Für Olympia in Tokio gibt es für Schubert nur noch Vollgas

Jakob Schubert beendet mit EM-Rang sieben frühzeitig seine Saison. Der Grund: der Traum von Olympia-Gold. Und für den gibt Tirols Kletter-Ass im Winter viel Speed.

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© © Moritz Liebhaber



Von Roman Stelzl

Edinburgh – Als Jakob Schubert gestern den Koffer am Flughafen von Edinburgh aufgibt, ist er um eine Last leichter. Nur die auf seinen Schultern fällt nicht so einfach ab. Zu viele Fehler, die sonst nicht passieren, und ein wenig Schlampigkeit hatten Tirols Kletter-Star am Sonntag um den angestrebten EM-Titel im Vorstieg gebracht. Am Ende blieb ein enttäuschender siebenter Rang. „Sehr ärgerlich“, nennt es Schubert, als er in Schottlands Hauptstadt auf den Rückflug wartet.

Es war kein schöner Schlusspunkt. Dabei hatte die Saison dem 28-Jährigen viele Höhepunkte beschert, die sich quer über die drei Disziplinen verteilten. Das Schicksal eines Kombinierers, der für seinen Medaillen-Traum bei der nächstjährigen Olympia-Premiere des Kletterns sein Spektrum wieder breiter fächert. Und fächern muss.

„Die Boulder-Saison war heuer extrem gut, war fast erfolgreicher als die im Vorstieg. Dort habe ich zu oft zu viele Fehler gemacht, was doch unüblich ist für mich. Aber das war heuer auch nicht mein Fokus“, meinte Schubert, der in München zum zweiten Mal einen Boulder-Weltcup für sich entschied und den Vorstiegs-Gesamtweltcup, den er dreimal (2011, ’14, ’18) gewann, „sausen“ ließ.

Dafür gab es bei der WM im japanischen Olympia-Ort Hachioji im August eine Premiere mit gleich drei Medaillen im Bouldern (Silber), Vorstieg (Bronze) und der olympischen Kombination (Silber). Mehr als Edelmetall glänzte aber die damit verbundene Olympia-Qualifikation. Schubert: „Ich habe meine großen Ziele erreicht, mit drei Medaillen bei der WM kann ich mehr als zufrieden sein.“

Nun ist aber Schluss. Die letzten beiden Vorstiegs-Weltcup-Stationen lässt Tirols Sportler des Jahres aus. Um „den Kopf freizukriegen“. Und um den Fokus für eine Olympia-Saison zu finden, die der heurigen sehr ähneln wird. „Ich werde mich wieder voll auf die Kombination vorbereiten. Der Gesamtweltcup ist mir nicht wichtig, in erster Linie zählt nur Olympia.“

Und damit die Premiere im Zeichen der fünf Ringe auch Erfolg bringt, setzt der Allrounder im Winter voll auf Geschwindigkeit. Besser gesagt auf das Speed-Klettern, die dritte Kombi-Disziplin. „Ich werde im Training einen Speed-Block einlegen. Aber Olympia ist noch weit weg“, sagt Schubert, der sich Ende Oktober beim Felsklettern in Katalonien an den Schwierigkeitsgrad 9b+ macht. Und er ergänzt: „Olympia war immer mein Traum. Aber Dabeisein ist nicht alles für mich. Ich will die perfekte Vorbereitung. Ich will eine Medaille.“ Dann wäre die Last, die abfällt, wohl unvergleichlich.