Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.10.2019


Basketball

Ortner gibt der Basketball-Karriere einen Korb

Nach 19 Jahren im Ausland beendet Tirols bester Basketballer Benjamin Ortner seine Karriere. Ein „Comeback“ könnte es bei den Raiders geben.

Zwischen 2005 und 2019 stand der 36-jährige Innsbrucker in insgesamt 439 Partien in der Serie A auf dem Basketball-Parkett.

© imago/LaPresseZwischen 2005 und 2019 stand der 36-jährige Innsbrucker in insgesamt 439 Partien in der Serie A auf dem Basketball-Parkett.



Von Roman Stelzl

Innsbruck – Es ist der letzte Korb, den Basketballer Benjamin Ortner am 16. September in seinem neuen Arbeitsbüro in Innsbruck vergibt. Doch dieser Korb ist nicht wie so viele zuvor dem 3,05 Meter hohen Eisenring zugedacht, sondern dem italienischen Serie-A-Klub Bologna. „Es war ausgerechnet an meinem ersten Arbeitstag bei MED-EL, als mich mein Agent anruft und mir sagt, dass Bologna an einer Verpflichtung interessiert ist“, schmunzelt Ortner mit ruhiger, sonorer Stimme, überlegt kurz und ergänzt: „Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich mit dem Kapitel schon abgeschlossen.“

Es wurde zu einer schönen Anekdote und der letzten Zeile einer Profi-Karriere, die mehr ein Buch denn ein Kapitel füllen könnte. Seit dem Wechsel ans US-College von Denver (2001) war der 36-jährige Innsbrucker nahezu 19 Jahre lang im Ausland unter dem Basketball-Brett aktiv. 14 Saisonen davon spielte der 2,06-Meter-Hüne in der höchsten italienischen Liga (Serie A), brachte es dabei auf 439 Partien, 2983 Punkte und 1808 Rebounds. Nur 2012 gab Ortner ein kurzes Gastspiel in der deutschen Bundesliga bei den Gießen 46ers.

Benjamin Ortner verabschiedt sich ohne Wehmut von der großen Basketballbühne.
Benjamin Ortner verabschiedt sich ohne Wehmut von der großen Basketballbühne.
- Stelzl

Im Jahr 2013 gab es mit Montepaschi Siena den Meistertitel, der wegen gefälschter Bilanzen und Betrügereien aberkannt wurde. Vier Jahre später folgte die Genugtuung mit Reyer Venezia und dem ersten „wahren“ Meistertitel. Die Meilensteine seiner Karriere seien aber nicht die Titel in Italien oder den USA (College-Team MetroState Roadrunners) gewesen, sondern der Aufbau eines Teams.

„Am meisten hat es mir getaugt, wenn wir am Anfang eine wahre Sumpftruppe waren und dann etwas Großes aufgebaut haben. Das waren die wirklich großen Erfolge“, blickt der Informatiker zurück, der sein US-Studium „summa cum laude“ abschloss und zudem den „President’s Award“ als herausragender Student seines Jahrgangs erhielt.

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Mit diesen Lorbeeren fiel die Jobsuche in Innsbruck nicht allzu schwer, beim englisch-sprachigen Medizintechnik-Unternehmen fand der dreifache Familienvater jene Ruhe, die er suchte. „Nach 19 Jahren im Ausland freue ich mich jetzt auf mehr Zeit mit der Familie“, ergänzt Ortner, der Tochter Sofia (7) und die Zwillinge Elias und Gabriel (5) aufwachsen sehen will und deshalb den Alltag dem Sportlerleben vorzieht. Und das mit einem Körper ohne große „Nachwehen“.

Vergessen sind die Unstimmigkeiten mit dem österreichischen Basketball-Verband, für den Ortner seit mehr als zehn Jahren nicht mehr das Nationalteamdress trug. „Wir haben nie einen gemeinsamen Nenner gefunden. Ich habe vielleicht nicht alles richtig gemacht, aber die Geschichte ist erledigt“, so Ortner.

Nun rollt der Ball im Leben des Centers flach. Zumindest vorerst. Denn die Swarco Raiders, seit heuer in der zweiten Bundesliga am Parkett, klopften schon leise beim erfolgreichsten Tiroler Basketballer an. „Sie haben mich kontaktiert, die Sache klingt sehr interessant. Aber momentan habe ich keine Zeit“, erklärte Ortner. Wie genau die Zusammenarbeit aussieht, ist noch offen. Auch eine Rückkehr für die Raiders auf das Feld schloss er nicht aus. Wer weiß, vielleicht werden schon bald wieder neue Körbe verteilt.