Letztes Update am Di, 29.10.2019 10:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nachwuchs-Fußball

Gewalt und Beleidigung: Wenn die Eltern zu Spielverderbern werden

Der Fußball-Nachwuchs will spielen, die meisten Erwachsenen wollen ihre Schützlinge anfeuern. Doch nicht jeder sieht das so – die Aggressivität schwappt aufs Spielfeld über.

Der Sport gerät bei Tiroler Nachwuchs-Fußballspielen bisweilen zur Nebensache, Emotionen kochen über.

© gepaDer Sport gerät bei Tiroler Nachwuchs-Fußballspielen bisweilen zur Nebensache, Emotionen kochen über.



Von Florian Madl und Alex Gruber

Innsbruck — Über die Szenen bei manchen Tiroler Nachwuchs-Fußballspielen lässt sich nur der Kopf schütteln. Einige Höhepunkte der vergangenen Wochen:

Ein Innsbrucker U14-Trainer, der zum ersten Meisterschaftsspiel mit seiner neuen Mannschaft schritt, wurde Opfer der Attacke eines Spielervaters. Grund: Er hatte dessen Sohn nicht eingesetzt. Der Leidtragende war leider der Sohn, der daraufhin vom Klub ausgeschlossen wurde, ein Strafverfahren gegen den Vater ist anhängig. „Ich habe nicht deswegen Anzeige erstattet, weil ich irgendetwas von ihm will. Mir geht es darum, dass dieser Herr ein Platzverbot bekommt, damit so etwas nie wieder vorfällt", hält der betroffene Trainer, der seit Langem Nachwuchsteams betreut, fest. Wo komme man hin, wenn Entscheidungen des Coaches ständig lautstark und im schlimmsten Fall noch auf körperlicher Ebene bekämpft werden.

Mehr zum Thema:

Schauplatzwechsel: Bei der Qualifikation zum hochkarätigen Cordial Cup 2020, der alljährlich im Brixental stattfindet, spielten sich kürzlich in Kufstein traurige Szenen ab. In der K.-o.-Phase trafen zwei Tiroler Spitzenmannschaften der Altersklasse U11 aufeinander, die Stimmung war schon vor Spielbeginn aufgeheizt. Zahlreiche Eltern säumten den Spielfeldrand, ein unbedachtes Wort gab das andere. Der Höhepunkt: als sich ein Vater aktiv ins Geschehen einbrachte, um einen Angriff des Gegners zu unterbrechen. Tumult.

Der bislang letzte übermittelte Anlassfall: ein am Sonntag in Rage geratener Vater, der sich im Nachgang eines U9-Spiels in Innsbruck über das Verhalten eines dunkelhäutigen Spielers der gegnerischen Mannschaft mokierte und rassistisch entgleiste. Nur wenige Meter weiter: ein tobender Vater, der die Mutter eines Mitspielers lautstark beleidigte.

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Geisler: Sanktionen ausreichend

Tirols Fußballverbandspräsident Josef Geisler ärgert sich maßlos über Nachrichten wie diese: „Wir richten im Nachwuchsbereich so viele Spiele aus, die zum größten Teil reibungslos über die Bühne gehen." Nach Meinung des ehemaligen Strafrichters seien die Sanktionen in der Rechtspflegeordnung ausreichend. „Man muss in den Unterausschüssen allerdings auch den Mut haben, diese auszuschöpfen."

Aus Sicht der Tiroler Schiedsrichter ist die vorherrschende Aggressivität am Fußballplatz nichts Neues: „Im Nachwuchsbereich pfeifen zumeist noch nicht fertige junge Schiedsrichter, die in ihrer Persönlichkeit noch nicht so gefestigt und dem Druck nicht gewachsen sind", weiß Georg Danler, ein Sprecher der Unparteiischen im Land. Viele würden ihre Schiedsrichter-Karriere infolge negativer Erlebnisse abbrechen, auch er selbst habe im Nachwuchs so manche unliebsame Erfahrung gemacht. Seine Erkenntnis: „Die Kinder konzentrieren sich zumeist auf den Sport, der Druck kommt eher von außen."