Letztes Update am Di, 29.10.2019 09:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pichis Box

Hass am Spielfeldrand: So gerät der Fußball in ein gesellschaftliches Eck

Die Vorfälle bei Tiroler Nachwuchs-Fußballspielen passieren aufgrund ungefilterter Emotionen von Erwachsenen. Wenn Maßnahmen dagegen nicht fruchten, sollten sich die Beteiligten auch mit Sanktionen beschäftigen.

Über 3000 junge Spieler aus 160 Mannschaften und 20 Nationen liefern sich beim Cordial Cup ein sportliches und friedliches Stelldichein.

© AS PhotographyÜber 3000 junge Spieler aus 160 Mannschaften und 20 Nationen liefern sich beim Cordial Cup ein sportliches und friedliches Stelldichein.



Von Thomas Pichlmann

Ich erinnere mich an meine Zeit in der U13 von Rapid Wien: Damals kam es zu einem mit Spannung erwarteten Duell mit unserem Rivalen Admira Wacker, der über den besten Nachwuchs in Österreich verfügte.

Was sich im Umfeld des Matches allerdings abspielte, hatte nichts mit dem zu tun, was man Nachwuchsfußballern vermitteln will: Werte nämlich. Hass, Beschimpfungen, Spuck-Attacken – das Szenario war während der Begegnung durch die Erwachsenen dermaßen aufgeheizt, dass in der Folge auch die Kinder aus der Reihe tanzten.

Geschichten wie diese sind kein Bundesland-Phänomen, sie passieren im Osten wie im Westen. Das mir bei der Qualifikation zum Cordial Cup in Kufstein von einem Freund geschilderte Szenario (Vater unterbrach Angriff des Gegners - die Folge war ein Tumult) passiert an mehr als nur einem Wochenende im Jahr, die Betroffenheit ist jedes Mal eine große. Allerdings gewinnt man den Eindruck, dass sich die Öffentlichkeit schon ein wenig daran gewöhnt hat.

So gerät der Fußball in ein gesellschaftliches Eck, das er sich nicht verdient hat. Und all das passiert aufgrund ungefilterter Emotionen von Funktionären und Eltern, deren Nachwuchs in die gleichen Fußstapfen tritt. Wenn Maßnahmen nicht fruchten, sollten sich Betroffene auch mit Sanktionen beschäftigen.

Aus meiner langjährigen Profi-Erfahrung weiß ich, dass es nur ein Bruchteil der Kinder letztlich an die Spitze schafft. Gut 1000 Kicker zählt der Tiroler Fußballverband jährlich in den diversen Jahrgängen, in der Akademie sind es jeweils knapp 20 (jeweils U15, U16, U18), die höhere Reife erlangen.

Worum geht es eigentlich in diesem Sport? Um die körperliche Betätigung, um die schönste Nebensache der Welt, um ein Miteinander? Oder um die Selbstverwirklichung jener, die ihre Kinder dafür verwenden? Diese Frage sollten sich alle stellen.

Thomas Pichlmann (38), einst Teamspieler und Wacker-Torschützenkönig, kommentiert für die TT das Fußball-Geschehen.