Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.11.2019


Boccia

Zuerst belächelt, dann bestaunt: Tiroler zeigen bein Junioren-EM auf

Maskottchen „Schischkröte“, Selfies und ein Gefühlschaos: Tirols Boccia-Nachwuchs, Evi Werth (15), Sonja Gleißner (15) und Simon Gadner (11), sorgte bei der Junioren-EM für einen Medaillenregen.

Der Stolz kannte beim rot-weiß-roten Boccia-Team keine Grenzen: Simon Gadner, Evi Werth, Sonja Gleißner und Trainerin Beate Reinalter (v.?l.) mit den ergatterten EM-Medaillen.

© Thomas Boehm / TTDer Stolz kannte beim rot-weiß-roten Boccia-Team keine Grenzen: Simon Gadner, Evi Werth, Sonja Gleißner und Trainerin Beate Reinalter (v.?l.) mit den ergatterten EM-Medaillen.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Es ist kalt an diesem Donnerstagabend in der Boccia-Halle des ESK Tivoli. Herzerwärmend sind aber die Erinnerungen, von denen Beate Reinalter (Trainerin) gerade erzählt. Sie muss immer noch schlucken, wenn sie an die Junioren-EM im deutschen Gersthofen zurückdenkt: „Es war ein Gefühlschaos.“ Zusammen mit dem Vorarlberger Joel Wolfgang holten die Tiroler Evi Werth, Sonja Gleißner und Simon Gadner fünf Medaillen (einmal Silber, viermal Bronze) für Österreich.

Hatte man den rot-weiß-roten Nachwuchs anfangs noch belächelt („Da kommen die Ösis“), waren sie am Ende die Hauptattraktion. Man konnte es kaum glauben, was Simon Gadner und Co. bei ihrem ersten EM-Antreten ablieferten.

Der Hahn im Korb. Simon Gadner (l.) sorgt auch für gute Stimmung bei den Trainings-Einheiten.
Der Hahn im Korb. Simon Gadner (l.) sorgt auch für gute Stimmung bei den Trainings-Einheiten.
- Thomas Boehm / TT

Apropos Simon Gadner – der musste immer wieder „Selfie“-Wünsche erfüllen. Der Elfjährige, der mehr als einen Kopf kleiner als die Konkurrenz war, verzauberte mit seinem unbeschwerten Auftreten und dem ruhigen Händchen beim Wettkampf.

Den Weg zum Boccia fand Simon über seinen Opa, zwischendurch setzte er einmal eineinhalb Jahre aus. Auf seine Mama hört er – zumindest beim Training – nicht immer, wie sie mit einem Lächeln erzählt: „Beate weiß genau, wie sie mit den Jungen umgehen muss.“ Dafür hat Mama Gadner für das richtige Maskottchen gesorgt. Die Schildkröte „Schischkröte“ durfte bei keinem Spiel fehlen.

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Evi Werth und Sonja Gleißner hat die enge Freundschaft zum Boccia gebracht. Evi hat sich früher beim Turnen versucht, kam dann aber „wegen Sonja zum Boccia“. Besonders für die 15-jährige Evi war der EM-Auftritt ein Erfolg über sich selbst: „Ich bin normalerweise kein Wettkampf-Typ und meine Nervosität vor dem ersten Match war dementsprechend groß.“

Dass Sonja abliefern würde, davon war ihre Trainerin schon vor dem ersten Wurf überzeugt: „Sie hat einen unglaublichen Ehrgeiz und steigert sich je nach Aufgabe“, erklärt Reinalter. „Da ärgert sie sich dann auch einmal richtig über eine Niederlage.“

Dass das rot-weiß-rote Team in Deutschland überzeugen konnte, lag auch an der lautstarken Unterstützung. Die Familien durften nicht fehlen – in dieser Sportart eine Selbstverständlichkeit. Der familiäre Zusammenhalt war ja auch vor zwei Monaten bei der Heim-EM zu spüren, als Aushängeschild Niki Natale mit einer „Goldenen“ für seinen Karriere-Schlusspunkt sorgte.

Apropos Edelmetall – die Medaillenflut hat die Tiroler Junioren zusätzlich angespornt. Besonders, dass man am Ende gleich viele Medaillen wie die stärkste Nation, Italien, vorweisen konnte. Die Weltmeisterschaft in Rom (2020) ist bereits im Kalender rot eingetragen.

Bis dahin wird weiter fleißig trainiert und die Schulbank gedrückt. Im Moment bei etwas kühleren Temperaturen. Aber mit dem Wissen, dass die möglichen Erfolge bei der WM für die nächsten herzerwärmenden Erinnerungen sorgen könnten.