Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.11.2019


Sport in Tirol

„Mad Max“ Lechner träumt jetzt sogar von WM-Gold

Für den Profi-Traum verkaufte Maximilian Lechner sein Auto, nun schlug Tirols Billard-Ass die Besten der Welt und hofft auf den ganz großen Coup.

Siege gegen den Weltmeister und den Weltranglisten-Ersten: Maximilian Lechner schlug in Norfolk die Elite.

© EPBFSiege gegen den Weltmeister und den Weltranglisten-Ersten: Maximilian Lechner schlug in Norfolk die Elite.



Von Roman Stelzl

Innsbruck – Norfolk in Virgini­a liegt an der Ostküste und in den USA damit denkbar weit weg von Hollywood – und dennoch war die 250.000-Einwohner-Stadt bei den International Billard Open Schauplatz einer Außenseiter-Geschichte, die sonst nur den Drehbuchschreiberlingen dieser Welt aus den Fingern fließt.

Ein unbekannter Österreicher namens Maximilian Lechner schickte sich an, die Weltspitze im Billardsport zu erobern. Die ersten Anläufe des 29-jährigen Tirolers, der erst seit April als Profi unterwegs ist, wurden noch belächelt. Lustiges Detail am Rande dazu: Weil die englische Aussprache seines Namens jenem von Filmschurke Hannibal Lecter ähnelt, erntet­e Lechner den Spitznamen „Hannibal“. Dabei verspeiste der Innsbrucker seine Gegner nur am Billardtisch:

Zuerst schlug Lechner in einem Krimi den US-Favoriten Shane van Boening nach einem 0:9-Rückstand noch mit 11:10, dann war der Weltranglisten-Dritte, Weltmeister Ko Ping Chung (TPE), dran. Und schließlich setzte sich der frühere Infrarotkabinen­verkäufer auch noch gegen die Nummer eins der Welt durch, den Deutschen Joshua Filler, ehe im Finale der International Open Anfang November der Erfolgslauf endete.

Und dennoch: Es war ein kleines Märchen, das sich da in den USA beim 9-Ball-Bewerb abgespielt hat. Lechner heimste nicht nur vergleichsweise satte 18.000 US-Dollar (ca. 16.300 Euro) ein, sondern nahm auch die Gewissheit mit, dass er die Besten der Welt geschlagen hat. Und jederzeit wieder schlagen kann.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

„Es war eine unglaubliche Woche. Ich habe zum ersten Mal ganz oben reinschnuppern dürfen. Und jetzt weiß ich, dass ich alle besiegen kann“, blickt Lechner zufrieden zurück. Für „Mad Max“, wie sein wahrer Spitzname lautet, war es die Bestätigung eines riskanten Weges. Nach jahrelangem Hin und Her nahm sich Lechner vor gut sieben Monaten ein Herz: Er kündigte sein bereits auf 20 Stunden reduziertes Arbeitsverhältnis, verkaufte sein Aut­o und versuchte mit dem Ersparten und einem neuen Trainerteam an den letzten Feinheiten zu arbeiten. „Es ging darum, auch noch die letzten Fehler auszumerzen. Wir haben sehr hart gearbeitet, damit wir so weit kommen. Und das hat sich jetzt ausgezahlt“, sagt Lechner.

Und das schlägt sich auch in Zahlen nieder: Neben insgesamt 28.434 Dollar Preisgeld im laufenden Jahr kletterte der siebenfache österreichische Meister auf Rang 22 der Weltrangliste und liegt nur noch zwei Ränge hinter dem besten Österreicher Albin Ouschan, Bruder der 24-fachen Europa­meisterin Jasmin.

Dieser rasante Aufstieg weckt beim ehrgeizigen Team-Vizeeuropameister von 2019 neue Begehrlichkeiten. Und beflügelt alte Träume: „Mein Ziel ist es, die Nummer eins der Weltrangliste zu werden und mir den Weltmeistertitel zu holen“, blickt Lechner ehrgeizig in die Zukunft. Und die Chance, um den Worten Taten folgen zu lassen, gibt es schon demnächst: Vom 10. bis 17. Dezember steigt die 9-Ball-WM in Katar. Dort wird Lechner dann kein Unbekannter mehr sein. Platz für ein Märchen ist dennoch allemal.