Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.12.2019


Klettern

Neues Trainerteam im Kletterverband: Großer Umbruch vor Olympia

Mit Kilian Fischhuber, Katharina Saurwein und Reinhold Scherer sind drei bekannte Gesichter die neuen Nationaltrainer der Olympia-Saison.

Das neue ?Dreamteam? der Nationaltrainer: Kilian Fischhuber, Sportdirektor Heiko Wilhelm, Katharina Saurwein und Reinhold Scherer (v.?l.).

© Heiko WilhelmDas neue ?Dreamteam? der Nationaltrainer: Kilian Fischhuber, Sportdirektor Heiko Wilhelm, Katharina Saurwein und Reinhold Scherer (v.?l.).



Von Roman Stelzl

Innsbruck – Gut acht Monate vor der Olympia-Premiere in Tokio (JPN) stellt sich Österreichs Kletterverband (KVÖ) ungewollt neu auf. Mit Roman Krajnik (SLO) und Ellie Howard (GBR) erklärten zwei Nationaltrainer vor wenigen Tagen überraschend ihren Rücktritt. Dem Vernehmen nach soll die Chemie zwischen den beiden und den Athleten nicht mehr gestimmt haben.

KVÖ-Sportdirektor Heiko Wilhelm spricht von „atmosphärischen Störungen“, die aufgrund einer durchwachsenen Saison mit zu wenig Erfolgen nicht kleiner wurden. Deshalb standen „strukturelle Änderungen“ an. Inwiefern diese zu den Rücktritten beitrugen? Auch darüber herrscht Stillschweigen und Rätselraten. Offiziell waren es „private Gründe“, die Krajnik und Howard (zeitgleich) zum Abschied bewegten.

Wie auch immer, wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf – besser gesagt, sind es gleich drei. Und aus denen treten drei neue Nationaltrainer hervor, bei denen sich die KVÖ-Oberhäupter alle Finger abschlecken dürfen.

Der fünffache Boulder-Gesamtweltcupsieger Kilian Fischhuber, die EM-Dritte Katharina Saurwein und Reinhold Scherer, eine Tiroler Alpin-Legende und jahrzehntelang Coach der besten Sportkletterer, sind die neuen Nationaltrainer an der KVÖ-Spitze. Viel mehr Know-how geht nicht, auch wenn die Lösung nach dem Vorbild von Hansi Flick und dem FC Bayern München eine interne und in der Form kurzfristig getroffene ist. Dabei war die Rückkehr von Scherer und Fischhuber, die zuvor privat Jessica Pilz betreut hatten, schon länger geplant.

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Doch es soll eine Lösung mit einer großen Zukunft sein. Und die Dichte an der Spitze zurückbringen. Denn mit Pilz und Jakob Schubert gibt es „nur“ zwei Kletterer, die international um den Sieg kämpfen. Nun soll das neue Trio neben Sportdirektor Wilhelm und dem Speed-Nationaltrainer Pawel Draga den Pfad ebnen. Und da hilft es, dass die drei nicht nur in Tirol einen Namen haben. „Fischhuber, Saurwein, Scherer – das sind die Jugend-Idole vieler Kletterer. Das ist extrem motivierend, wenn du solche Leute hast“, sagt KVÖ-Sportmanager Michael Schöpf.

Wie genau soll nun aber die Zukunft rosiger werden? De facto steckt der Umbruch nach „zwei Arbeitstagen“ noch in den Kinderschuhen. Die Rollenzuteilung sieht so aus: Kilian Fischhuber übernimmt das Training, Scherer die Planung. Draga ist für den Speedbereich zuständig. Und Saurwein wird das Bindeglied zwischen Jugend- und Nationalteam. Das Credo der Innsbruckerin: „Wir müssen schauen, dass die Jungen in Zukunft öfters mit Erwachsenen trainieren.“

Und das soll auch die große Umstellung werden: mehr gemeinsames Training. „Bei Jakob Schubert ist alles auf Schiene, der braucht nur noch Kleinigkeiten. Aber wir dürfen keine Zweiklassengesellschaft bekommen“, meint Fischhuber. Deshalb gibt Scherer eine Linie mit mehr Teamtrainings vor. „Wir müssen die Damen und Herren geschlossen nach vorne bringen. Ich will keine Extrawürste mehr. Wir treten als Team auf, das muss uns pushen“, sagt der Tiroler.

Gemeinsam statt einsam sollen alle voneinander profitieren. Scherer: „Es ist der Spagat zwischen individueller Betreuung und Teamtraining, den wir schaffen müssen. Eines ist klar: Wir müssen das Boot in eine neue Richtung lenken.“