Letztes Update am Mi, 04.02.2015 12:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sport in Tirol

Doping: Der tiefe Fall eines Ötztaler Radamateurs

Emanuel Nösig wurde bei den Österreichischen Bergmeisterschaften der Amateure im September positiv getestet. Das jähe Ende eines Höhenflugs.

© EXPA/GroderBergauf einer der schnellsten Radamateure – aber nicht mit erlaubten Mitteln: Emanuel Nösig.



Von Florian Madl

Innsbruck – Emanuel Nösig, positiv getestet: Die TT deutete den seit gestern offiziellen Dopingfall bereits vor zwei Wochen an. Es ist die Geschichte eines Mannes, der vor 18 Jahren einen schweren Autounfall hatte und in der Folge knapp ein Jahr an den Rollstuhl gefesselt war. Der Höhenflug eines Mannes, der Jahre später mit über 130 kg Körpergewicht die Handbremse zog und auf seinem Rad wie wild zu trainieren begann.

Der dreifache Familienvater aus Huben bei Längenfeld – er war gestern für keine Stellungnahme erreichbar – verblüffte immer wieder. Denn trotz seiner kraftvollen Erscheinung zertrümmerte er die Konkurrenz nach Belieben. Bergab mit rasanter Fahrt, vor allem aber bergauf: Trotz seiner gut 80 Kilogramm, das warf Fragen auf. Physikalische – die Watt-Anzahl schien angesichts dieser Voraussetzungen für einen Amateur kaum zu bewältigen. Und deshalb auch medizinische, denn selbst in der unteren Liga des Radsports ist Doping ein Thema. Bei Radmarathons war Nösig eine fixe Größe. Und der Zweite des berüchtigten Ötztaler Radmarathons 2014 wäre wohl auch heuer vielerorts vorne, hätte er sich nicht mit einer Lizenz an einem Verbandsrennen beteiligt: am Gaisbergrennen 2014, das zu den Österreichischen Meisterschaften zählte und das Nösig in der Amateur-Kategorie gewann. Was der 33-Jährige nicht wusste: Die Nationale Antidopingagentur führte dort in Abstimmung mit dem Radsportverband Kontrollen durch, um abseits des Profibereichs für Transparenz zu sorgen.

Nösig fiel durch, Testosteron wurde ihm zum Verhängnis, bis zum Abschluss des Verfahrens wird der Ötztaler suspendiert. Für Tirols Radpräsidenten, den rührigen Harald Baumann (71), eine Ohrfeige. Mit einer Ethikerklärung und anhaltenden Warnungen hatte der Innsbrucker stets Doping angeprangert, der Fall Nösig sei ein „Rückschritt für den Sport“. „Eine traurige Geschichte. Ich dachte immer, der Amateurbereich sei frei von solchen Geschichten.“ Da irrt Baumann, anhängige Verfahren aus dem Seniorenbereich (Masters) sprechen eine klare Sprache. Kurios: Einmal wurde einer Urinprobe Waschmittel beigemengt, um den Nachweis zu verhindern. Ein alter Trick, mittlerweile viel zu alt.

Ernst Lorenzi, Mitorganisator des Ötztaler Radmarathons, wird an der Strategie seines Klassikers jedenfalls festhalten: „Es werden auch weiterhin keine Dopingkontrollen von uns organisiert. Aber die Tester können jederzeit kommen.“ Seine Erklärung: Die Top drei zu testen bringe nichts, auch dahinter sei unerlaubte Leistungssteigerung möglich. Sein Credo: „Beim Ötztaler fährt jeder für sich alleine. Und wenn einer so blöd ist und sich hinmachen will, soll er das tun.“ Bis zum Ende seiner Suspendierung (oder Sperre) dürfe Nösig nicht bei ihm starten.