Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.03.2015


Nordische Kombination

Junge Tirolerin auf dem Sprung, die letzte Männerbastion zu erobern

Timna Moser aus Völs ist Österreichs einzige nordische Kombiniererin. Die 15-Jährige träumt vom Damen-Weltcup, den es aber noch nicht gibt.

© BöhmDie Tiroler Kombiniererin Timna Moser, hier beim Sprungtraining in Seefel­d, startet heute beim FIS-Youth-Cup in Trondheim.



Von Benjamin Kiechl

Seefeld – Timna Moser braucht einen langen Atem. Denn während in anderen Wintersportarten das Weltcup-Finale quasi vor der Tür steht, bereitet sich die Völserin gerade auf ihren Saisonhöhepunkt vor: den FIS-Youth-Cup im norwegischen Trondheim (11.–12. März). Dafür springt, läuft und schwitzt die 15-Jährige mit brünetten lockigen Haaren und Zahnspange in Seefeld. Sie ist Österreichs einzige Frau unter den nordischen Kombinierern.

„Nur Skispringen wäre mir zu langweilig“, begründet die Schülerin des Schigymnasiums Stams (1. Klasse) mit einem schüchternen Lächeln. Ihr Trainer und Stams-Lehrer Thomas Meissnitzer betritt mit seiner ehrgeizigen Schülerin Neuland. Denn Moser hat sich nicht irgendeine Wintersportart ausgesucht – es ist die letzte olympische Disziplin, die nur von Männern ausgeübt wird. „Einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, wäre mein Traum“, sagt Moser. Wohlwissend, dass es noch ein langer Weg ist. „Ich mag die Herausforderung“, sagt die Völserin selbstbewusst. Sie wolle beim Langlaufen an ihre Grenzen gehen, das Maximum rausholen. Beim Skispringen liege ihre persönliche Bestmarke bei 110 m. Beide Disziplinen zu kombinieren, sei „spannen­d“.

Weil Moser die einzige Kombiniererin in Stams ist, trainiert sie mit den Buben mit. „Sie absolviert dieselben Trainingseinheiten. Zu sehen, wie weit ich gehen kann, ist auch für mich ein Abenteuer“, meint Trainer Meissnitzer, der erst seine eigene Skepsis ablegen musste. „Aber dann dachte ich, wir sollten über den Tellerrand schauen. Die Eltern von Timna haben mich überzeugt.“ Diese Worte zaubern Timna Moser ein Lächeln auf die Lippen: „Ich habe schon mit neun Jahren gewusst, dass ich Kombiniereri­n werden will.“ Mangels weiblicher Vorbilder will sie ÖSV-Star Bernhard Gruber nacheifern, „weil er so lustig ist und bei der WM in Falun Weltmeister geworde­n ist“.

Der internationale Skiverband FIS hat die aufstrebenden Kombiniererinnen (derzeit gibt es rund 40 weltweit) zumindest registriert. Bis zu einem möglichen Damen-Weltcup sind noch etliche Schritte zu gehen, dämpft FIS-Renndirektor Lasse Ottese­n die Euphorie. Vom Niveau der Mädchen zeigt sich der Norweger positiv überrascht, ebenso wichtig sei aber, eine Masse an Sportlerinnen zu bekommen. „Wir müssen den Sport von Grund auf neu aufbauen.“ Ziel sei zuerst die Etablierung eines Continental­cups. Einen Zeitpunkt für eine mögliche Weltcup-Serie will Ottesen nicht nennen. „Mal sehen, wie es weitergeht.“ Kleine Schritte lautet die Devise.

Für Timna Moser gibt es keinen Plan B, ihr Trainer Thomas Meissnitzer stärkt ihr den Rücken. „Auch bei den Damen-Skispringerinnen hat es eine Weile gedauert, jetzt gehören sie fix zum Weltcup“, erklärt der Salzburger. Timna Moser beobachtet die Entwicklung gelassen, sie ist noch jung. Sport spiele für sie auch in der schneelosen Zeit die Hauptrolle. Am liebsten gehe sie Kitesurfen – zusammen mit Damen-Skisprungtrainer Andreas Felder. Am Achensee und in Italien, manchmal sogar in Norwegen.

„Mit ihm kann ich gut übers Skispringen reden“, sagt Moser. Aber irgendwann ganz zu den Spezialspringerinnen zu wechseln, sei keine Option.