Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 28.04.2015


Rollstuhlbillard

Sitzend zum Billard-Erfolg: Keiner kann’s besser als Emil

„Gut Stoß!“, hieß es am Wochenende. Beim Grand Prix West im Poolbillard-Lokal Shooters hatten die besten Rollstuhlbillard-Spieler ihren Auftritt.

© Vanessa Weingartner / TTDer Mutterer Rollstuhlbillard-Spieler Urban Oberthanner zählt zu den Besten seiner Zunft in Österreich.



Von Adrian Stöckl

Innsbruck – Gespannte Ruhe. Bei Spielern wie Zuschauern. Nur ein anerkennendes Schnippen ist zu hören. Der Tiroler Emil Schranz, seines Zeichens mehrfacher Vizeeuropameister und sogar amtierender Weltmeister im Rollstuhlbillard, hat gerade Präzisionsarbeit geleistet und die Kugel versenkt. Der 50-Jährige zieht damit beim Grand Prix West im Poolbillard-Lokal Shooters gegen den Vorarlberger Rainer Gerhard ins Finale ein.

Viele Leute klopfen dem Favoriten und Lokalmatador auf die Schulter, er genießt das. Wieder einmal ist er auf dem besten Weg, einen Titel einzufahren. „Bis jetzt habe ich zwei Grands Prix und zwei österreichische Meisterschaften gewonnen“, erzählt der ehemalige Skirennfahrer stolz. Zusammen mit Benjamin Raich habe er früher trainiert. Und dann beim Klettern 1986 passierte dieser tragische Unfall, der sein Leben veränderte. Zudem sieht er seit dem Unfall alles, was sich bewegt, doppelt. „Das ist jetzt aber auch schon Routine.“ Mit diesem Wissen sind seine Leistungen noch höher einzuschätzen.

Mit den Kugeln spielt sich Emil Schranz, die Sponsorensuche gestaltet sich weniger einfach. Fotos (2): Weingartner
- Vanessa Weingartner / TT

„Wenn man richtig gut werden will, muss man mental an sich arbeiten. Denn die richtige Atmung ist das Wichtigste für einen guten Stoß. Ich arbeite mit Musik zur Beruhigung.“ Und wieder kommt jemand vorbei: „Sehr gut gemacht, Emil! Viel Glück fürs Finale!“ Jeder erwartet vom gebürtigen Pitztaler den Turniersieg. Und den lässt er sich auch nicht nehmen. Im Finale bezwingt er den Oberösterreicher Danijel Savic nach verlorenem ersten Satz klar mit 4:1 Spielen und wird den Erwartungen damit gerecht. Gerne würde Schranz natürlich die Turniere in England und Amerika besuchen, aber die Suche nach Sponsoren gestaltet sich immer schwieriger. Schranz, ehrenamtlich Sportreferent und Sekretär im Tiroler Billardverband, zieht an seiner Zigarette. Auch weil er nicht gerne „bettelt“, wie er sagt. „Ich will durch meine Leistungen auf mich aufmerksam machen.“ Das tut er. Der Mutterer Urban Oberthanner, Sieger des Second-Chance-Turniers, schaut zu Schranz auf. Er gesellt sich neben ihn: „Der Emil hat mich an der Hand genommen und mich zum Spielen animiert.“ Gegenwärtig ist Oberthanner Dritter der Österreichischen Meisterschaft. Aber wo unterscheidet sich das Rollstuhlbillard vom Billard? „Durch die Sitzhöhe ist es schwieriger.“

Der Radiologie-Technologe weiß, dass die Rollstuhl-Variante als eine der wenigen Sportarten in den Tiroler Billardverband inkludiert ist. „Genau wie bei den Skifahrern. Vom Behindertenverband bekommen wir kein Geld.“ Es werde sich weisen, ob das Fluch oder Segen ist. Im Shooters hat man auf jeden Fall ein Herz für Rollstuhlbillard. „Die Tische wurden uns frei zur Verfügung gestellt“, freute sich Schranz. Bleibt nur noch zu sagen: „Gut Stoß!“