Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.09.2015


Sport Report

„Ich leb’ einfach so weiter wie früher“

Erstmals nach ihrem schweren Stabhochsprung-Unfall trat Kira Grünberg (22) an die Öffentlichkeit. In einem Interview sprach die querschnittsgelähmte Tirolerin über die sechs Wochen seit dem Schicksalstag.

© ORFHarte Arbeit: Mit Logopädin Katrien Dhaeyere arbeitet Kira Grünberg hart, um kleine Fortschritte zu erzielen.Foto: ORF



Von Florian Madl

Innsbruck – Entspannt sei Kira Grünberg gewesen, berichtet ihr Manager Thomas Herzog, als am Wochenende ORF-Reporter Christoph Feurstein bei ihr in der Reha-Klinik Bad Häring auftauchte. Der 43-jährige Vorarlberger hatte bereits das Interview mit Entführungsopfer Natascha Kampusch geführt, auch die ehemalige Stabhochspringerin hat nun mit einer neuen Lebenssituation umzugehen. Einige Passagen des Gesprächs:

Das sagt Kira Grünberg ...

... zu den zahlreichen Briefen: „Es gibt mir unheimlich viel Kraft und es ist erstaunlich, wie viele Menschen an mich denken und es ist etwas ganz Besonderes.“

... zum Unfall: „Wenn ich selber drüber rede, ist es halb so schlimm. Aber wenn man das von anderen hört, und auch aus anderen Perspektiven, ist es immer ein bisschen was anderes.“

... über das Essen: „Mittlerweile hab ich wieder einen recht guten Hunger, ess’ fast so viel wie früher und von Tag zu Tag kommt das immer ein bisschen mehr zurück.“

... über die Betreuung: „Die Eltern, die wissen dann, was ein Kind braucht. Ob man jetzt ein Baby füttert oder ein älteres Kind, das ist eh fast das Gleiche dann.“

... über ihren Ehrgeiz: „Also, es ist jeder Tag hartes Training hier im Reha-Zentrum. Und da hilft das schon, wenn man das von früher gewöhnt ist.“

... über das Risiko ihres Sports: „Selber hab ich’s jetzt nicht so gefährlich empfunden. Überhaupt nicht.“

... über die Schuldfrage: „Für mich wäre das ganz schwer, wenn jetzt wer anderer schuld wäre, wenn ich es nicht selber in der Hand gehabt hätte.“

... über Besuch: „Wenn Freunde das erste Mal zu Besuch kommen, dann sagen sie schon: ‚Das ist ein mulmiges Gefühl, zu dir ins Zimmer zu kommen.‘ Sie haben tagelang darüber nachgedacht, wie sie mir gegenübertreten sollen, und wenn sie wieder gehen, sagen sie, sie waren so froh, dass sie zu Besuch waren und dass sie gesehen haben, dass es mir gutgeht, da geht es ihnen nachher viel besser.“

... über ihren Freund Christoph, den sie seit fünf Jahren hat: „Ich hab mir jetzt auch nicht gedacht, dass der damit so gut umgehen kann, aber ich bin froh, dass er auch noch an meiner Seite ist und zu mir steht.“

... über ihre Stärke: „Ich leb’ einfach so weiter wie früher …nur dass ich jetzt ein bisschen ans Bett gebunden bin und an den Rollstuhl, aber sonst hat sich irgendwie – mein Kopf hat sich nicht verändert. Mein Geist und so – das ist alles das Gleiche geblieben. Es ist genauso ein schönes Leben. Also man freut sich über kleinere Dinge. Und wenn man das erste Mal nach zwei Wochen wieder einen Sonnenstrahl auf der Haut spürt, das ist unglaublich, das Gefühl. Und wie ich dann mit dem Papa gesessen bin und ein Eis gegessen hab, das ist wie ein kleines Kind und da freut man sich. Das ist echt fantastisch.“

... über ihren Sport: „Ich hab mir die WM in Peking angeschaut im Fernsehen und ich will schon wieder meine Jungs springen sehen und ihnen auch Tipps geben.“

... über ihre Zukunft: „Ich will helfen, dass andere, die dasselbe Schicksal oder ähnliche Schicksale haben, sich auch um nichts sorgen müssen. Dass sie auch gut regenerieren können. Das schwebt mir vor – weil ich es gut getroffen habe.“

Das sagt Mama Karin...

... zum Unfall, den sie filmte: „Wir haben’s eigentlich nicht so schnell realisiert. Eigentlich hat die Kira gleich gesagt: „Mama, ruf’ den Notarzt an, und Papa, du beweg’ mich nicht. Ich glaub’, ich bin jetzt querschnittsgelähmt.“

... zu ihrer ersten Reaktion: „Da sind keine Gefühle im Moment da, man schaut nur, dass das Kind am besten versorgt wird, dass die Rettung da ist – da funktioniert man wie ein Roboter. So ist es mir halt gegangen.“

... über die Fortschritte: „Im Moment sind wir halt noch ihre Hände.“

Das sagt Vater Frithjof Grünberg: „Als Vater bin ich sehr froh, dass ich dabei war, da brauche ich mir keine Gedanken machen – hätte ich und hätte ich nicht so. Das ist so alles eindeutig, ich war dabei, ich weiß, wie es gelaufen ist, der Fall ist irgendwie geklärt. Er ist dadurch ein Stück abgeschlossen. Jetzt kann man sich auf das konzentrieren, was jetzt wichtig ist. “

Das sagt Manager Thomas Herzog:

... zu Kiras Zukunft: „Jetzt in erster Linie geht es noch um Kira. Das heißt, wir sind noch nicht so weit, dass wir sagen können: ,Wir haben jetzt schon Pläne für ihr weiteres Leben.’ Aber wir beginnen, diese Pläne zu schaffen. Und da wäre dann angedacht, eine Stiftung zu gründen.“