Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.07.2016


Olympia-Porträt

Olympia bleibt in der Familie Denifl

Für Rad-Profi Stefan Denifl geht ein Traum in Erfüllung: 20 Jahre nach Papa Ernst fährt der Stubaier bei den Olympischen Spielen. Die TT traf die beiden zuhause in Fulpmes.

© DeniflStraßenrad-Profi Stefan Denifl (l.) ist nun wie Papa Ernst (r.) 1996 bei Olympia dabei – vor dem Haus in Fulpmes wird dafür Stimmung gemacht.Foto: Stelzl



Von Roman Stelzl

Fulpmes – Drei Generationen Denifl, die unter einem Dach leben: Während Rad-Profi Stefan Denifl an diesem Donnerstag auf sein Olympia-Abenteuer vorausblickt, kommt Oma Mathilde auf den Balkon, serviert Schokoladekuchen, seit Neuestem auch „Olympia-Kuchen“ genannt. Papa Ernst folgt mit zwei Tassen Kaffee, setzt sich an den Tisch, blickt über den grünen, mit bunten Blumen geschmückten Garten hinweg in das sonnige Fulpmes. „Für mich ist es hier einfach perfekt“, sagt Stefan Denifl, „Bei dem vielen Reisen wäre eine Mietwohnung sinnlos. Und hier schaut die Oma drauf.“

Der 28-jährige Stubaier baute vor Jahren seine Wohnung im oberen Stockwerk aus, neben einer Ferienwohnung für Gäste. Und so oft Denifl auch seine Zelte in anderen Städten aufschlug, in anderen Kapiteln der Radsport-Geschichte, so war Fulpmes stets der Ort der Rückkehr. Des Rückzugs. Das Stubaital blieb immer die Heimat. Und von dort aus geht es für den IAM-Cycling-Profi heute zu den Olympischen Spielen nach Rio (BRA), wo er sich im Straßenrad-Rennen (6. August) einen lange gehegten Traum erfüllt. „Ich bin froh, dass ich dabei bin. Es ist egal, dass die Entscheidung spät gefallen ist“, sagt Denifl.

Papa Ernst sitzt daneben und nickt. Der 54-Jährige kennt das, er hat seine eigene Olympia-Geschichte. Und was für eine: Vor 20 Jahren war Ernst Denifl als Mountainbiker in Atlanta (USA) am Start, lag gut im Rennen. Doch dann riss in einer Kompression der Sattel. Ein klassischer Materialfehler. Eine Stunde musste er seine Olympiafahrt ohne Sattel weiterfahren. Quasi im Stehen. Fremdes Material war nicht erlaubt. Für kurze Sitzpausen hatte Denifl den Reserveschlauch auf das Gestänge montiert. „Das hat mir zumindest in den ebenen Stücken kurz geholfen.“ Am Ende gab es Rang 28 und eine unvergessliche Erinnerung.

Nächste Woche wird Papa Ernst zuhause beim Public Viewing im Garten zusehen, wie sein Sohn in Rio in die Pedale tritt. Und der nimmt sich einiges vor. „Mir sollte der Kurs gut liegen, auch wenn es eine brutale Herausforderung wird mit drei Schlussrunden auf den Berg und über 3000 Höhenmetern“, meint Denifl, der einst auch als Mountainbiker begonnen hatte, ehe er mit zwölf Jahren auf die Straße fand und 2010 Profi wurde.

Das Profitum will Denifl 2017 verlängern – auch wenn es derzeit noch keinen neuen Vertrag gibt. Sein Team IAM steigt ja aus. „Das ist eine ungute Situation, sonst habe ich den Vertrag im Mai oder Juni unterschrieben. Aber meine Manager sagen mir: ,Mach dir keinen Stress‘“, sagt Denifl. Den nächsten Stress wird es erst auf der Strecke geben. Die Denifl jetzt erst mal erkunden wird. Und wie auch immer das Rennen ausgeht – seine Heimat Fulpmes wird ihn mit offenen Armen empfangen. So wie 28 Jahre davor auch.

Steckbrief Denifl

Name: Stefan Denifl.
Geboren am 20. September 1987 in Innsbruck.
Wohnort: Fulpmes.
Beruf: Straßenrad-Profi.
Größe, Gewicht: 1,79 m, 64 kg.
Familienstand: ledig, Freundin Melanie (Modedesignerin/seit drei Jahren zusammen).
Verein: Team IAM (bis 2016).
Größte Erfolge: Etappen-6. Giro d'Italia 2016, Gesamt-7. Österreich-Rundfahrt 2010, Gesamt-7. Paris—Nizza 2014, Bergtrikot Tour de Suisse 2015, zwei Teilnahmen Giro d'Italia, einmal Vuelta a España.