Letztes Update am Mo, 22.08.2016 12:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Paralympics

Paralympics droht Blamage, Russlands Athleten bangen

Bleibt es bei dem Komplett-Bann? Der Sportgerichtshof CAS verhandelt am Montag darüber, ob russische Athleten doch an den Paralympics in Rio teilnehmen dürfen.

Russlands Fahne wird bei den Paralympics in Rio nicht wehen.

© GepaRusslands Fahne wird bei den Paralympics in Rio nicht wehen.



Rio de Janeiro - Russlands Behindertensportler bekommen endlich Gewissheit. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) soll am Dienstag entscheiden, ob der Ausschluss der russischen Athleten von den Paralympics in Rio de Janeiro bestehen bleibt. Den Paralympics 2016 selbst droht freilich insgesamt eine Blamage.

Der CAS sollte am Montag den Bann der Russen von den Spielen vom 7. bis 18. September an der Copacabana verhandeln. Wegen seiner Verwicklungen in das staatlich gelenkte Doping-System war das russische Paralympics Komitee (NPC Russia) am 7. August suspendiert worden. Dadurch erhielten seine Sportler automatisch ein Startverbot für die paralympischen Wettkämpfe.

Das NPC Russia hatte gegen die Aussetzung seiner Mitgliedschaft im Internationalen Paralympics Komitee (IPC) Einspruch eingelegt. Im Gegensatz zum IPC hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Ende Juli noch auf einen historischen Komplett-Bann verzichtet. Zur Anhörung vor dem CAS am Montag waren NPC-Präsident Wladimir Ljukin, Vizepräsident Pawel Roschkow sowie die Sportler Dmitri Kokarew, Wiktoria Potapowa und Jelena Gorlowa nach Rio gereist. Zudem gehörten Sportjuristen zur Abordnung.

Die Chancen der Russen stehen gut, dass sie mit ihrer Klage Erfolg haben. Ein Komplett-Ausschluss sei „nur schwer durchzusetzen“, sagte der deutsche Sportrechts-Experte Rainer Cherkeh. Wie es am Ende vor dem CAS ausgehe, sei dennoch offen. „Der CAS ist nicht berechenbar und auch kapitale Fehlentscheidungen - egal in welche Richtung - sind dort denkbar“, sagte der Jurist aus Hannover.

Ticketverkauf dramatisch schlecht

Den kommenden Paralympics droht auch insgesamt eine Blamage. Behindertensport interessiert dort kaum jemanden, der Ticketverkauf ist dramatisch schlecht - und es fehlt überall Geld. Craven befürchtet das Schlimmste für die ersten Olympischen Spiele der Sportler mit Behinderung in Südamerika. „Noch nie in der 56-jährigen Geschichte der Paralympische Spiele haben wir so schwierige Rahmenbedingungen erlebt wie hier“, klagte er über die akuten Geldprobleme.

Zuschüsse zu den Reisekosten wurden nicht wie geplant überwiesen. Dazu Budgetkürzungen, weniger Personal und Einschränkungen beim Transportsystem in Rio. Für Craven ist es schon ein Erfolg, dass alle geplanten 22 Sportarten stattfinden könnten.

Über 4.000 Sportler aus 165 Ländern werden in Rio um die Paralympics-Medaillen kämpfen. Allerdings sprang schon bei den Olympischen Spielen selten der Funke über, bei den Paralympics könnte es besonders dramatisch werden. Erst rund 12 Prozent der 2,4 Millionen Eintrittskarten sind verkauft. Dadurch fehlt Geld - und bisher ist nicht absehbar, dass das Interesse noch signifikant anziehen wird, in der Stadt wissen viele Bürger gar nicht, dass nach Olympia noch Paralympics kommen.

Die Regierung und die Stadt wollen 250 Millionen Reals (68 Millionen Euro) zusätzlich bereitstellen, um die Finanzlücke zum großen Teil zu schließen. Schon für Olympia musste die Regierung in Brasilia mit einem Notkredit von 800 Millionen Euro helfen. Rio ist fast pleite, wegen der tiefen Rezession im Land kommen die Spiele zur Unzeit.

Craven räumt ein, Brasilien sei von der Bedingungen her ein anderes Land als bei der Vergabe 2009. Aber die Spiele werden erstmals in über 100 Ländern übertragen. Eigentlich ein großartiges Werbefenster für den Behindertensport, Rio und Brasilien. Aber schon Olympia und die Negativschlagzeilen bescherten Rio nur bedingt eine Imagewerbung. (APA)