Letztes Update am Fr, 09.06.2017 08:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Helmut Marko im Interview:

„Alles verlief sehr enttäuschend“

Dass es bisher nicht nach Wunsch verlief, bestätigte Red-Bull-Motorsportberater Marko im Gespräch mit der TT. Trotzdem sieht er Licht am Ende des Tunnels.

Der Rückstand auf die Formel-1-Spitze lässt Red Bulls Helmut Marko grübeln.

© imago/HochZweiDer Rückstand auf die Formel-1-Spitze lässt Red Bulls Helmut Marko grübeln.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Neues Regulativ, neuer Bolide, neue Hoffnung: Für Red Bull hätten die Aussichten auf die Formel-1-Saison 2017 gar nicht besser sein können. Doch dann kam beim ersten Grand Prix in Australien die Ernüchterung. Zur WM-Spitze fehlte dem rotweißroten Rennstall einiges, die Hoffnung begräbt Motorsportkonsulent Helmut Marko deshalb aber noch nicht. Auch wenn es am Wochenende beim Grand Prix von Kanada (Sonntag, 20 Uhr ORF eins) wohl nicht viel besser aussehen dürfte. Das sagt der in der PS-Szene als Doktor bekannte 74-jährige Steirer über ...

... den bisherigen Saisonverlauf: „Alles verlief sehr enttäuschend. Seit dem zweiten Barcelona-Test haben wir aber sehr hart gearbeitet und nun verkürzen wir von Rennen zu Rennen die Abstände zur Spitze.“

... den Fehlstart von Red Bull: „Man kann nicht von einem Fehlschlag sprechen. Es hätte einfach nur das Auto, das wir dann in Barcelona hatten, schon in Melbourne stehen müssen. Dadurch hinken wir nach. Aber man muss natürlich auch die Motorensache miteinbeziehen. Da warten wir immer noch auf entsprechende Verbesserungen.“

... die Probleme des aktuellen RB13-Boliden: „Zu Beginn war es in erster Linie zu wenig Abtrieb, und das Arbeitsfenster, in dem das Auto richtig funktioniert, war sehr klein. Darum war es sehr schwierig, die richtige Abstimmung zu finden. Und wir hatten Probleme, dass das Auto mit den Ultrasoft-Reifen zwar funktionierte, nicht aber mit den Softs. Das ist alles mittlerweile schon deutlich besser geworden.“

... die erneute Verschiebung des Motoren-Updates von Lieferant Renault: „Das können wir nicht beantworten. Das muss man mit Renault klären. Wir haben eine Aussage von Renault, dass es erst 2018 einen Gleichstand an PS geben wird. Das heißt, dass wir uns mit dem Chassis entsprechend mehr anstrengen müssen, um das zu kompensieren.“

... seinen 19-jährigen Überflieger Max Verstappen (NED): „Max hat in der Vergangenheit und heuer schon sehr gute Rennen abgeliefert. In Bahrain und Spanien kam zum Beispiel auch Pech hinzu. Man kann aber alles in allem sagen, dass Max mit den teilweise unruhigen Verhaltensweisen unseres Autos ganz gut klarkommt und meistens mit beiden Reifenmischungen seine Geschwindigkeit halten kann. Das spricht für seine Klasse.“

... die permanenten Abwerbungsversuche von Verstappen und Daniel Ricciardo (AUS): „Da bin ich völlig entspannt. Beide Piloten haben Verträge, die bis mindestens Ende 2018 gehen. Da wird nichts passieren.“ (lacht)

... die neue Technologie der Formel 1: „Die neuen Autos sind optisch deutlich besser, sie sind aber schwieriger zu fahren. Das stellt die richtige Herausforderung für die Piloten dar – das muss man so klar sagen. Sucht man was Negatives, dann muss man das Überholen nennen. Das ist schwieriger geworden.“

... die anstehenden Änderungen in der Königsklasse, die trotz neu entfachter Euphorie noch durchgezogen werden müssen: „Der teuerste Kreisverkehr der Welt muss im Reglement einfacher werden, sodass der Fan es auch versteht. Ebenso ist das Motoren-Konzept, welches wir haben, einfach viel zu kompliziert. Außerdem muss die Königsklasse auf vier Rädern noch näher an die Fans heran. Da ist von Liberty Media zwar schon ein großer Schritt getan, es geht aber noch wesentlich mehr.“

... die Zuversicht, dass es heuer doch noch mit Siegen klappen könnte: „Leider müssen wir aufgrund des Rückstands daraus schließen, dass wir nur auf Kursen wie Monte Carlo und Singapur oder im Regen eine realistische Chance haben.“

Formel 1 in Zahlen

Programm, Kanada, Freitag: freies Training (23 Uhr, Highlights auf ORF eins); Samstag: Qualifying (18.55 Uhr, ORF eins, RTL, Sky); Sonntag: Rennen (20 Uhr, ORF eins, RTL, Sky).

Fahrer-WM (nach 6 von 19 Formel-1-Rennen):

1. Sebastian Vettel (GER) Ferrari 129 Punkte, 2. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 104, 3. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 75.