Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Radsport

Denifl flog aus dem Tour-Kader: “Enttäuschung ist riesengroß“

Kurz vor dem Start der Tour de Suisse strich das Team Stefan Denifl aus dem Kader. Tirols Rad-Ass sprach enttäuscht von verlorenem Vertrauen.

Stefan Denifl wird sich heuer nicht in der Starterliste der Tour de Suisse verewigen.

© gepaStefan Denifl wird sich heuer nicht in der Starterliste der Tour de Suisse verewigen.



Von Roman Stelzl

Fulpmes – Das Jahr 2015, als Stefan Denifl das Bergtrikot der Tour de Suisse gewann, ist in weite Ferne gerückt. Heute ist der Tiroler Rad-Prof­i zum zweiten Mal in Folge nicht dabei, wenn in Cham der Start für eine der größten Rundfahrten erfolgt. Im Vorjahr hatte Denifl wegen einer Grippe absagen müssen. Nun ist der Grund einer, der für sehr viel Enttäuschung sorgt.

Der 29-jährige Fulpmer flog kurzfristig wenige Tage vor dem Start aus dem Kader seines irischen Teams Aqua Blue Sport. Die Begründung: Denifl sei nicht in Form.

„Die Enttäuschung ist riesengroß. So etwas habe ich noch nie erlebt. Das ist quasi so, als würde mir einer sagen, dass ich nicht gut genug bin“, erklärte der Olympia-Teilnehmer. Das Unverständnis überwiegt, ebenso der Ärger – vor allem, weil die Königs­etappe der Tour am Freitag ins Ötztal führt. Und das war wiederum ein gewichtiger Grund, weshalb das Team mit der Pro-Continental-Lizenz eingeladen wurde. „Ich habe dem Team zur Wildcard verholfen. Mit mir hatten sie einen Bezug zur Tour de Suisse, das machte vieles einfacher“, sagte Denifl und untermauerte sein gutes Verhältnis zu den Tour-Veranstaltern: „Sie haben sich gleich bei mir gemeldet und gefragt, wieso ich nicht mitfahre. Als ich ihnen alles geschildert habe, wollten sie sogar das Team überreden. Ich habe aber gesagt, dass die Entscheidung steht.“

Die schwache Saison ohne Top-20-Platz auf den Etappen war grundlegend für das Aus. Das verstand Denifl – nur die kurzfristige Absage nach der Zusage enttäuschte: „Das fühlt sich ein wenig wie ein Vertrauensbruch an. Aber ich sehe es als Profi – es kommen ja noch Rennen.“

Und das nächste große Rennen wird erneut ein Heimrennen sein. Dieses Mal ein längeres: Denifl startet bei der Österreich-Radrundfahrt (2. bis 8. Juli). Dort bekam der Tiroler vom Team so wie für die Vuelta in Spanien (19.8.–10.9.) seinen Fixplatz versprochen. Gestern wurde die Strecke präsentiert – Start ist in Graz, Ziel in Wels. Das Kitzbüheler Horn ist am 6. Juli das Ziel – tags darauf geht es von der Gamsstadt aus zur Königsetappe mit der Großglockner-Straße. Ein Fall für Kletter-Ass Denifl. Sein Fix-Ticket hat er. Hoffentlich auch bis zum Start.