Letztes Update am Sa, 10.06.2017 16:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


MotoGP

Wenn die Spanier Rossi-Gelb tragen

Auch wenn ihm die junge Garde allmählich den Thron streitig macht – in Sachen Fans kann Valentino Rossi auch in Spanien niemand das Wasser reichen.

Gefragter Mann, nicht nur bei den Damen: Valentino Rossi.

© imagoGefragter Mann, nicht nur bei den Damen: Valentino Rossi.



Aus Montmelo: Alois Moser

Montmelo – Wenn die MotoGP am Circuit de Catalunya Einzug hält, das Zirpen der Grillen vom ohrenbetäubenden Röhren der Motoren abgelöst wird – dann herrscht Volksfeststimmung in Montmelo. Die Spanier lieben offensichtlich nicht nur ihre Fußballer, sondern auch ihre Motorsportler. Aber einen lieben auch die Iberer noch ein bisschen mehr: Altmeister Valentino Rossi ist mit 38 Lenzen nach wie vor das Maß aller Dinge in der MotoGP.

Eine Rossi-Kappe für den kleinen Nil? Da konnte Papa nicht Nein sagen.
Eine Rossi-Kappe für den kleinen Nil? Da konnte Papa nicht Nein sagen.
- Moser

Die Schlange vor dem Yamaha-Motorhome ist lang, einige Köpfe schauen sich suchend nach den Stars wie dem spanischen Dreifach-Weltmeister Jorge Lorenzo um. „Wer geht da vorbei? Ist das Lorenzo?“ Seinen Platz vor dem Absperrband gibt aber niemand her – schließlich warten die Fans nicht auf ihren Landsmann, sondern auf einen kleinen Italiener.

Dieser Italiener ist seit Jahren der Superstar im Motorradsport schlechthin. Sein letzter Weltmeistertitel ist sage und schreibe schon acht Jahre her – aber „Il Dottore“ begeistert die Massen nach wie vor. In Spanien bewegt der Motorsport Groß und Klein – und kaum ein Knirps kommt ohne gelbe Kappe mit der „46“, der Nummer Rossis, aus. Wie auch der kleine Nil, der vor einem der vielen Merchandisingstände auf und ab hüpft. Was der kleine Katalane will? Natürlich eine Rossi-Kappe, die ihm der Herr Papa auch prompt kauft. Zufrieden zieht der kleine Fan des für ihn Allergrößten ab.

Aber auch viele Italiener unterstützen ihr Idol in Spanien – oder verdienen ihr Geld damit. Enrica und ihr Mann sind noch dabei, ihren Merchandising-Stand aufzubauen. Sie kommen aus dem Formel-1-Mekka Monza – und sind trotzdem Motorradfans. „Klar unterstützen wir Vale“, meint die Italienerin, als wäre es das Natürlichste überhaupt. Der neunfache Weltmeister hat Fans überall auf der Welt, auf allen Tribünen des MotoGP-Zirkus dominiert das grelle Gelb der Rossi-Fans.

Enrica betreibt mit ihrem Mann einen Merchandising-Stand.
Enrica betreibt mit ihrem Mann einen Merchandising-Stand.
- Moser

Auch in Spanien sind die Unterstützer des „Dottore“ in der Überzahl. Und das, obwohl mit Marc Marquez (Honda), Jorge Lorenzo (Ducati) und dem WM-Führenden Maverick Vinales (Yamaha) drei weitere Topstars des Motorradsports aus Spanien kommen. Zwar sind im Fangewusel auch die Nummern 25 (Vinales), 93 (Marquez) oder 99 (Lorenzo) zu sehen. Aber die 46 dominiert.

So ist auch das Yamaha-Motorhome das einzige, vor dem stets eine Schlange zu sehen ist. Die Fans warten geduldig auf die Chance, sich von ihrem großen Idol etwas signieren zu lassen: Seien es Plakate, Kappen, T-Shirts oder sogar Motorradhelme. Groß ist die Aufregung, als eine kleine Gestalt in Lederkombi auftaucht. Aber es ist „nur“ Rossis Yamaha-Teamkollege Maverick Vinales, der ohne weiteres Aufsehen mit seiner Vespa verschwindet.

Edel-Fan Emilio ließ sich das alte Rossi-Logo eintätowieren.
Edel-Fan Emilio ließ sich das alte Rossi-Logo eintätowieren.
- Moser

Auch Emilio (20) wartet geduldig auf Rossi. Der Spanier ist im wahrsten Sinn des Wortes ein eingefleischter Fan des Italieners: Er hat sich das alte Rossi-Logo, ein Mond und eine Sonne, auf die Wade tätowieren lassen. Ob er auch einen der Spanier unterstützt? „No, no“, schüttelt er beinahe empört den Kopf. Wie die anderen Fans wartet er eine halbe Stunde, eine Stunde: „Vale ist sehr langsam“, lacht der Iberer, der offenbar aus Erfahrung spricht. Nach zwei Stunden in der prallen Sonne haben er und seine Freundin aber genug: „Viel Glück!“

Und es dauert noch eine halbe Stunde, bis Rossi endlich erscheint. „Vale, Vale!“, ertönt es aufgeregt aus vielen Kehlen. Der kleine Große gibt einige Autogramme, posiert kurz für Selfies und Fotos, bis er schließlich zur großen Enttäuschung der vielen leer Ausgegangenen mit der Vespa abrauscht. Aber sie werden trotzdem morgen wiederkommen – weil sie ihn lieben, ihren Vale.

Pole Position an Pedrosa

Motorrad-Pilot Dani Pedrosa hat sich im MotoGP-Qualifying für den Grand Prix von Katalonien in Barcelona am Samstag die Pole Position gesichert. Der Spanier war auf seiner Honda deutlich schneller als die Konkurrenz, sein Landsmann Jorge Lorenzo (Ducati) hatte einen Rückstand von 33/100 Sekunden. Der Italiener Danilo Petrucci (Ducati) startet Sonntag von Startplatz drei.

WM-Leader Maverick Vinales (Yamaha) wurde Neunter, Valentino Rossi (Yamaha) belegte Platz 13. KTM-Pilot Pol Espargaro (ESP) landete auf Rang 17. Teamkollege Bradley Smith (GBR) trat wegen einer im vierten freien Training zugezogenen Fingerverletzung nicht an.

Rennstart am Sonntag ist 14.00 Uhr (live ServusTV). In der Motorrad-WM führt Vinales (ESP) schon 26 Zähler vor dem Italiener Andrea Dovizioso (Ducati) - im Qualifying Siebenter - und weitere vier vor Rossi.