Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.07.2017


Wimbledon

Zwischen Sensationslust und Favoritenlast

Dominic Thiem, Andreas Haider-Maurer und Sebastian Ofner spielen ab heute in Wimbledon – die Erwartungen trennen die Lager.

Für Thiem war im Vorjahr in Wimbledon in der zweiten Runde Endstation.

© AFPFür Thiem war im Vorjahr in Wimbledon in der zweiten Runde Endstation.



Von Roman Stelzl

London — Der heilige Tennis-Rasen von Wimbledon ist ab heute für das dritt­e Grand-Slam-Turnier des Jahres bereit — und für Österreichs Trio könnte die Ausgangslage kaum unterschiedlicher sein. Vom ersten Spieler wird alles, vom zweiten wenig und vom dritten gar nichts erwartet.

Andreas Haider-Maurer: Der Mann, der in London auf Tiroler Know-how setzt, kann und darf. Aber er muss nicht. Haider-Maurer steigt mit Protected Ranking nach 621 Tagen ATP-Tour-Pause wegen einer langwierigen Fersenverletzung heute als erster Österreicher ins Geschehen ein. Dem 30-jährigen Wahl-Aldranser, derzeit 1025. der Welt, fehlt es an Spielpraxis, alles andere als ein Aus gegen den spanischen Weltranglisten-19. Roberto Bautista Agut wäre eine Sensation.

Andi Haider-Maurer will am Montag gegen Bautista Agut überraschen.
Andi Haider-Maurer will am Montag gegen Bautista Agut überraschen.
- Kristen

Trainer Daniel Huber ist dennoch positiv gestimmt. „Die Vorbereitung ist aus meiner Sicht super gelaufen. Es ging von Tag zu Tag besser. Andi ist ready für das erste Match", meinte der Vomper, den der Götzner Physiotherapeut Stefan Mair begleitet. Der Gegner selbst (Head-to-Head 0:1) sei „sicherlich kein Traumlos. Bautista liegt der Rasen. Es wird wichtig sein, dass Andi seine Sachen gut macht und konzentriert ist. Er wird alles geben."

Dominic Thiem: Österreichs Tennis-Star kann morgen in Wimbledon viel gewinnen. Der an Nummer acht gesetzte Niederösterreicher hatte nach der starken Sandplatz-Saison alles andere als eine gute Rasen-Vorbereitung (Auftakt-Aus in Antalya, Zweitrunden-Aus in Halle).

Auf der anderen Seite des Platzes steht mit Vasek Pospisil (CAN) ein ehemaliger Wimbledon-Viertelfinalist. So weit kam Thiem bei seinen drei Auftritten in London noch nicht: Zweimal scheiterte der 23-Jährige in Runde zwei, einmal in Runde eins. „Ich bin bereit, habe in den vergangenen Tagen gut trainiert", meinte der achtfache ATP-Turniersieger. Übrigens: Der Mann, an dem Thiem immer noch gemessen wird, hat eine magere Bilanz. Thomas Muster gewann in Wimbledon nämlich kein Einzel.

Sebastian Ofner qualifizierte sich erstmals für ein Grand-Slam-Turnier.
Sebastian Ofner qualifizierte sich erstmals für ein Grand-Slam-Turnier.
- gepa

Sebastian Ofner: Vom Davis-­Cup-Sparring-Partner und der Challenger-Quali nach Wimbledon: Die Geschichte des 21-jährigen Steirers klingt wie ein Märchen. Gegen Sandplatz-Spezialist Tomaz Bellucci (BRA/53.) kann Ofner (215.) nur überraschen. Dafür ging sein Wunsch vom nicht allzu schwierigen Auftaktgegner („Den will ich erst in Runde zwei") auf jeden Fall in Erfüllung.

Tennis in Wimbledon — Zahlen, Daten und Fakten

Preisgeld: gesamt: 31,6 Mio. Pfund/35,91 Mio. Euro. Damen, Herren (Einzel): gesamt je 12,18 Mio. Pfund/13,84 Mio. Euro).
Rekordsieger: Herren: je 7 Titel: Roger Federer (SUI), Pete Sampras (USA), William Renshaw (GBR). Damen: 9 Titel: Martina Navratilova (USA).
Spielplan heute (Wimbledon live auf Sky): 2. Spiel nach 11.30 Uhr: Haider-Maurer (AUT/PR) — Bautista Agut (ESP/18).