Letztes Update am Di, 04.07.2017 08:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Formel 1

Formel 1 vor Augen: Königliche Gelegenheit für Auer

Nach Hans Binder (13 Rennen), Karl Wendlinger (41) und Gerhard Berger (210) könnte Lucas Auer bald der nächste Tiroler in der Königsklasse sein.

DTM-Überflieger Lucas Auer darf sich berechtigte Hoffnungen auf die Königsklasse machen.

© imago sportfotodienstDTM-Überflieger Lucas Auer darf sich berechtigte Hoffnungen auf die Königsklasse machen.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Wenn am kommenden Wochenende die Formel 1 wieder in Österreich gastiert, suchen die rotweißroten PS-Fans (noch) vergeblich nach einem Aushängeschild in der höchsten PS-Serie. Traut man aber den Experten, dann könnte sich diese Situation schon bald ändern. Der augenblicklich im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) auf WM-Platz zwei liegende Lucas Auer hält die besten Karten auf ein mögliches Cockpit in der Königsklasse.

Lang, lang ist’s her, als zuletzt ein österreichischer Pilot im teuersten Kreisverkehr der Welt seine Runden drehen durfte. Der Vorarlberger Christian Klien war vor sieben Jahren für drei Rennen lang beim Nachzüglerteam HRT am Start. Seither sorgte nur noch der österreichisch-englische Rennstall Red Bull für heimische Klänge bei den Nationalhymnen.

Noch länger ist es her, wenn man in der Historie der elitären Rennserie nach den Tiroler Vertretern sucht. Pionier war Hans Binder (1976–77), Karl Wendlinger (1991–1995) und vor allem Gerhard Berger (1984–1997) konnten ihre Spuren hinterlassen.

Helmut Marko (l.), heute Red-Bull-Motorsportkonsulent, betreute seinerzeit Karl Wendlinger (Sauber/1994).
Helmut Marko (l.), heute Red-Bull-Motorsportkonsulent, betreute seinerzeit Karl Wendlinger (Sauber/1994).
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Und ausgerechnet mit Bergers Neffen Lucas Auer soll die lange Durststrecke endlich ein Ende finden. „Lucas hat heuer bewiesen, dass er richtig Speed hat. Er hat sich sehr stark entwickelt in der Art, wie er die Rennen fährt, in seiner Konstanz oder wie er sich als Persönlichkeit entwickelt hat. Ich glaube, Lucas hat sich diesen nächsten Schritt verdient“, erklärte Berger zuletzt gegenüber der TT.

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Glaubt man den Gesprächen hinter vorgehaltener Hand, dann wird es gleich nach dem Ungarn-Grand-Prix (30. Juli) einmal den ersten Test für den 22-Jährigen geben. Passenderweise im pinken Force India. In dem könnte der aktuelle DTM-Pilot, der ja einen pinken Mercedes pilotiert, seine ersten Runden drehen.

Sogar Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sieht gute Chancen für den Unterländer: „Man muss in der Formel 1 immer vorsichtig sein, aber es sieht wirklich gut aus für den Luggi. Es wäre sehr wichtig, wenn wieder ein Österreicher in der Königsklasse aktiv wäre.“

Vom Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) in die teuerste Rennserie der Welt – Auer wäre nicht das erste große Talent, das diese Ausfahrt nehmen würde: Paul di Resta (GBR), der aktuelle Sauber-Fahrer Pascal Wehrlein (GER) oder der französische Force-India-Jungstar Esteban Ocon haben es ihm vorgemacht.

Was sagt Auer selbst? Der wiegelt seit dem heurigen Saisonstart beim Thema Formel 1 ab: „Bevor ich nicht in der DTM um den Titel fahre und jedes Rennwochenende bei der Musik bin, brauche ich nicht an solche Aufstiege denken.“

Der erfolgreichste Tiroler unter den Formel-1-Piloten: Gerhard Berger (r./1993) auf Ferrari.
Der erfolgreichste Tiroler unter den Formel-1-Piloten: Gerhard Berger (r./1993) auf Ferrari.
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Für Auer spricht neben dem Talent auch seine Persönlichkeit. Wie sein Onkel trägt er das Herz auf der Zunge, hat einen guten „Schmäh“ und hat laut Ex-Formel-1-Pilot und Wahl-Tiroler Hans-Joachim Stuck „das Potenzial, ein Gesicht der neuen Formel-1-Generation zu werden“.

Karl Wendlinger weiß um die Wichtigkeit eines rotweißroten Sterns am Himmel der Königsklasse: „Und wenn es ein Tiroler wäre, um so schöner.“ Obwohl es für die Talente heute schwerer sei, den Sprung nach ganz oben zu schaffen. Wendlinger: „Es gibt weniger Autos als noch zu unserer Zeit. Wie wir wissen, hört oben keiner freiwillig auf.“ Aber bekanntlich stirbt auch im Motorsport die Hoffnung zuletzt.

Österreichische Piloten in der Formel 1

Jochen Rindt (1964–70): Weltmeister 1970; verunglückt 1970.

Niki Lauda (1971–85):

Weltmeister 1975, 1977 und 1984; heute Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender.

Helmut Marko (1971–72):

9 Rennen; heute Red-Bull-Motorsportkonsulent.

Dieter Quester (1974):

1 Rennen.

Helmut Koinigg (1974):

2 Rennen; verunglückt 1974.

Harald Ertl (1975–78):

19 Rennen; gestorben 1982.

Hans Binder (1976–77):

13 Rennen.

Jo Gartner (1984):

8 Rennen; verunglückt 1986.

Gerhard Berger (1984–97):

zweimal WM-Dritter 1988 und 1994.

Karl Wendlinger (1991–95):

41 Rennen.

Roland Ratzenberger (1994):

1 Rennen; verunglückt 1994.

Alexander Wurz (1997–2007):

69 Rennen, WM-Achter 1998.

Patrick Friesacher (2005):

11 Rennen.

Christian Klien (2004–10):

49 Rennen; letzter Österreicher in der Formel 1.