Letztes Update am Sa, 08.07.2017 22:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tennis

Thiem im Wimbledon-Achtelfinale, Erfolgslauf von Ofner gestoppt

Nach seinem Dreisatz-Sieg über Jared Donaldson trifft Thiem jetzt auf Routinier Thomas Berdych. Nach fünf Erfolgen in Serie unterlag zuvor der 21-jährige Steirer Sebastian Ofner dem als Nummer zehn gesetzten Alexander Zverev.

Dominic Thiem steht in Wimbledon in der Runde der besten 16.

© REUTERSDominic Thiem steht in Wimbledon in der Runde der besten 16.



London - Österreichs Tennis-Ass ist nun auch auf dem „heiligen“ Londoner Rasen erstmalig in das Achtelfinale eingezogen. Der 23-Jährige überzeugte am Samstag in der dritten Wimbledon-Runde mit einem 7:5,6:4,6:2-Erfolg gegen den US-Amerikaner Jared Donaldson und hat damit bei allen Grand Slams zumindest einmal die Runde der letzten 16 erreicht. In Wimbledon schaffte er es als erst fünfter Österreicher.

„Ich glaube, je länger das Match war, desto besser habe ich gespielt“, analysierte Thiem seine Leistung in einer ersten Stellungnahme gegenüber Sky. „Ich hatte viel zu laufen, wir hatten einige tolle Rallies.“ Wie in Runde eins gegen den Kanadier Vasek Pospisil blieb er ohne Satzverlust, in der zweiten Runde gegen Gilles Simon war die rot-weiß-rote Hoffnung in vier Durchgängen weitergekommen.

Gegen seinen dritten ungesetzten Gegner im Turnierverlauf hatte Thiem nur zu Beginn Probleme, geriet da nahe an einen Satzverlust. Nachdem es in den ersten sieben Games mit dem Aufschlag gegangen war, breakte Donaldson im scheinbar günstigen Moment zum 5:3. Doch Thiem zeigte postwendend die Qualität eines Top-Stars und brachte den ersten Durchgang mit vier gewonnen Games in Folge unter Dach und Fach.

Sebastian Ofner.
Sebastian Ofner.
- AFP

Bei seiner ersten Teilnahme an der zweiten Wimbledon-Woche trifft Thiem nun im Streben nach seinem dritten Grand-Slam-Viertelfinale auf Tomas Berdych. Der als Nummer elf gesetzte Tscheche hat einiges an Wimbledon-Erfolgen nachzuweisen, war er doch 2010 Finalist und erst im Vorjahr bis ins Halbfinale vorgestoßen. Am Samstag setzte sich der 31-Jährige gegen den Spanier David Ferrer in drei Sätzen durch.

Die vier österreichischen Herren in einem Wimbledon-Einzel-Achtelfinale waren Hermann Artens 1931, Hans Redl 1947 und in der Ära des Profi-Tennis Alexander Antonitsch 1990 wie auch Jürgen Melzer 2010 und 2013. Bei den Damen hatte das zuletzt Tamira Paszek 2007, 2011 und 2012 erreicht. In Major-Achtelfinali war Thiem auch bei den Australian Open einmal (2017), je zweimal bei den French (16, 17) und den US Open (14, 16).

Erfolgslauf Ofners gestoppt

Zuvor war Rom-Sieger Alexander Zverev für Sebastian Ofner dann doch eine Nummer zu groß. Der steirische Qualifikant unterlag dem Deutschen am Samstag in Wimbledon-Runde drei nach fünf Siegen in Folge 4:6,4:6,2:6. Während der als Nummer zehn gesetzte Zverev nun gegen Milos Raonic (CAN-6) sein erstes Major-Achtelfinale bestreitet, ist Ofner trotz Niederlage in der großen Tenniswelt angekommen.

Dass er in seinem überhaupt ersten Hauptbewerb auf der World Tour selbst vor großen Namen nicht in Ehrfurcht erstarrt, hat der 21-Jährige gegen Deutschlands große Zukunftshoffnung erneut bewiesen. Für einen weiteren Sensationserfolg nach jenem in Runde zwei gegen den US-Amerikaner Jack Sock fehlte es aber u.a. beim Aufschlag doch an Konstanz, sieben Breaks gegen sich sind gegen Zverev kaum umzudrehen.

Dreimal gelang es Ofner aber, Zverev den Aufschlag abzunehmen - in jedem Satz einmal. In seinen ersten beiden Partien beim dritten Saison-Major war das dem Weltranglisten-Zwölften nur gesamt einmal passiert. Dabei konterte Österreichs Nummer vier nach frühen Rückständen jeweils erfolgreich. In den Durchgängen eins und drei glich er dabei zum 1:1 aus, im zweiten Satz drehte er einen 0:2-Rückstand zu einer 3:2-Führung.

Speziell im Finish der Sätze bewies Zverev aber, dass er für die Teilnahme an einer zweiten Grand-Slam-Woche überreif ist. Für sein erstes gewonnenes Drittrundenspiel bei einem der vier größten Turniere auf der Tour reichte auch eine nicht perfekte Leistung, aber keineswegs gegen einen hilflosen Ofner. Denn der zeigte phasenweise seine schon im bisherigen Turnierverlauf bewiesenen Qualitäten.

30 unerzwungene Fehler bei 22 Winnern (Zverev 18:21) und nur ein Ass (4) bei fünf Doppelfehlern (5) reichten für einen weiteren Triumph Ofners aber doch klar nicht. Der Aufschlag des Sankt Mareiners kam diesmal nicht wie gewünscht zur Geltung, gleich das erste Service-Game gab er ab. Nach sofortigem Rebreak war es aber ein durchaus ausgeglichener erster Satz . Erst Zverevs Break zum 5:4 war entscheidend.

Im zweiten Durchgang kam Ofner nach 0:2-Rückstand in den Satz zurück, ein weiteres Break Zverevs zum 4:3 machte er aber nicht mehr wett. Und auch im dritten Satz leistete sich Ofner einen Fehlstart. Bei 1:1 wehrte sich der Außenseiter kräftig gegen einen erneuten Rückstand, Zverev nutzte jedoch seine fünfte Chance zur 2:1-Führung. Danach war der Weg zum Sieg geebnet, nach 1:33 Stunden servierte Zverev aus.

Ofner wird sich nach seinen viel beachteten Leistungen in der Weltrangliste von Position 217 aus auf etwa Platz 150 verbessern. Sein bisheriges Top-Ranking hat Österreichs Nummer vier mit Rang 215 erreicht. Der in enger Kooperation mit der Tennisschule Bresnik stehende ÖTV-Vertragsspieler hat seine Position als Nummer vier des Landes jedenfalls bestens bestätigt und sich diese Woche für höhere Aufgaben empfohlen. (APA)