Letztes Update am Fr, 13.10.2017 16:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Volleyball

Die Alpen Volleys wollen nicht in Ehrfurcht erstarren

Die Volleyballer der Hypo Tirol Alpen Volleys starten am Sonntag (14.30 Uhr) ausgerechnet beim Meister-Kandidaten Friedrichshafen in ihr Abenteuer in der deutschen Liga.

©



Von Daniel Suckert

Innsbruck – „Allein die Intensität beim Training zeigt, was sich für uns geändert hat“, erklärte Hypo-Headcoach Stefan Chrtiansky auf die Frage, ob die Vorbereitung seines Teams nun anders verlaufe. Die Zeiten sind vorbei, in denen sich die Dunkelblauen im Schongang auf den Start in der rotweißroten Liga vorbereiten konnten, der Sprung in die deutsche Liga habe es in sich. Das zeigt schon der sonntägige Auftakt (14.30 Uhr/sportdeutschland.tv) in Friedrichshafen beim aktuellen Supercup-Sieger.

Friedrichshafen? Da war doch was. Ja – und zwar das letztjährige Champions-League-Qualifikationsduell, das verloren ging. „Die Mannschaft ist aber nicht mehr dieselbe“, wusste Headcoach Chrtiansky. Der Vizemeister der deutschen Liga hat an Qualität zugelegt. Das zeigte das Team vom Bodensee beim Supercup-Spiel gegen Meister Berlin, den man klar mit 3:1 besiegte. „Und sie haben auch noch in der Vorbereitung in Trentino gewonnen“, ergänzte der „Trainer-Fuchs“.

Chrtianskys Rezept: „Frei und unbekümmert“

In Ehrfurcht erstarren würden die Alpen Volleys beim Spiel der Runde deshalb nicht. Chrtiansky: „Wir müssen frei von der Leber weg spielen, frech und unbekümmert – und dürfen uns nicht verrückt machen lassen.“ Dann kann auch das eine oder andere in Friedrichshafen möglich sein. In Summe werden sich die Alpen Volleys aber mit der sportlichen Tatsache auseindersetzen müssen, dass man heuer mehr Niederlagen erleiden wird. Leichte Gegner gibt es praktisch keine mehr, das weiß auch Hypo-Macher Hannes Kronthaler: „Wenn man die Papierform ansieht, haben wir gegen die ersten drei (Berlin, Friedrichshafen, Frankfurt, Anm.) wenig Chancen. So realistisch muss man sein.“

Ganz genau das sei aber auch der Reiz. „Wir werden jede Woche einen Lernprozess haben und schauen, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen“, unterstrich der heuer auf die Trainerbank zurückgekehrte Chrtiansky die neue Situation.

So entspannt man am Wochenende zum Bodensee fahren kann, so klar muss in der Woche drauf, beim Heimdebüt (21. Oktober, USI, 18 Uhr) gegen Bühl ein Sieg her. Kronthaler: „Das sind die Punkte, die wir brauchen, um unser Ziel (Rang fünf, Anm.) zu erreichen. Sollten wir heuer Vierter werden, bin ich überglücklich. Bei Platz fünf bin ich zufrieden, bei sechs und sieben angefressen“, sprach der Tiroler Volleyball-Zampano Kronthaler nicht lange um den heißen Brei herum.

Kronthaler gesteht Anlaufzeit zu

Eine gewisse Anlaufzeit gesteht der Bau-Löwe seinem Team zu, alles werde seine Zeit brauchen. Das betrifft auch die kommenden Heimauftritte. Das bestehende Publikum soll erweitert werden, und zwar durch junge Zuschauer, bevorzugt Studenten, die ihren Samstagabend mit den Alpen-Volleys-Heimauftritten (18 Uhr) starten sollen. Erstmals wird man heuer wieder Eintritt für den Sport am glänzenden Parkett zahlen müssen. Die Spiele sollen – im doppelten Sinne – wieder einen Wert haben.

Dass das Tiroler Publikum spannende und knappe Zweikämpfe den klaren 3:0-Erfolgen vorzieht, hat man beim Test-Galopp gegen Herrsching (3:2-Erfolg) miterlebt. Da war die Stimmung unter den 700 Zuschauern weitaus emotionaler als bei so manchem Finale gegen den Erzrivalen Aich/Dob.

Dass das Heil nur in der Fremde – sprich: deutschen Liga – liegt, daran glaubt man aber auch im dunkelblauen Lager nicht. Der Mix aus Show, gutem Volleyball und Erfolg muss passen – ansonsten droht in einer neuen Liga unter einem neuen Namen die alte Leier. Derzeit überwiegt aber der Glaube, mit dem einzigartigen Wechsel den richtigen Schritt zur rechten Zeit getätigt zu haben.