Letztes Update am Di, 05.12.2017 18:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Missbrauch im Sport

Ex-Neustift-Direktor zur TT: „Situation belastet mich sehr“

Der ehemalige Schulleiter von Neustift, der in den 1970er-Jahren Direktor war, spricht jetzt doch: „Die Situation belastet mich, weil ich mich immer wieder frage, ob ich 1979 nicht doch die Behörden einschalten hätte sollen.“

© APADas Internatsgebäude der Ski-Mittelschule Neustift, ehemals Skihauptschule Neustift, im Stubaital.



Neustift – Der pensionierte Direktor ist geschockt über die Missbrauchsvorwürfe an seiner ehemaligen Skihauptschule in Neustift, die in seine Zeit als Direktor von 1969 bis 1981 zurückreichen. Dem damaligen Heimleiter wird schließlich vorgeworfen, sich in den 1970er-Jahren an Schülern vergangen zu haben. Der in Vorarlberg lebende Mann weist alle Anschuldigungen zurück. „Ich will nichts vertuschen“, reagiert jetzt der pensionierte Hauptschuldirektor auf eine Diskussion in der Öffentlichkeit.

Im Raum steht der Verdacht, dass die frühere Schulleitung und der Tiroler Skiverband den Internatsleiter möglicherweise gedeckt hätten. Heim und Schule seien getrennt, der Heimleiter jedoch von Anfang an auch Lehrer gewesen, betont der frühere Direktor. Für das Internat war der Tiroler Skiverband bis 1978 verantwortlich. Auch für das Training. Die Geschichte nagt an dem erfahrenen Pädagogen, „weil ich mit jemanden zehn Jahre zusammengearbeitet habe, der offenbar für sexuelle Übergriffe verantwortlich ist“. Aber hat es über alle die Jahre keinen Verdacht gegeben?

Der ehemalige Direktor antwortet betroffen. „Ich empfinde heute einfach nur Trauer. Vielleicht hätte ich damals Anzeige erstatten sollen“, verweist er auf den Abgang des ehemaligen Heimleiters aus der Schule. Zusammen mit seiner Frau habe er das Heim geleitet. Die Heimleitung habe 1976 gewechselt, in welcher Funktion der Beschuldigte dann im Heim gelebt habe, wisse er nicht.

Ein mit drei Juristen besetztes Gremium des Tiroler Skiverbands habe jedenfalls Befragungen durchgeführt und den Heimleiter danach suspendiert. „Eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ist nicht erfolgt. Deshalb dachte ich mir nichts weiteres dabei, Gründe wurden mir nicht genannt“, erinnert sich der Pädagoge.

Als jedoch später ein Schüler plötzlich aus dem Internat genommen wurde, tauchte allerdings erstmals die Frage nach möglichem Missbrauch auf. Ihm, so der Ex-Direktor, war an der Schule, freilich kein Vorfall bekannt. „Deshalb hatte ich eine Ahnung, dass es etwas mit dem Heim zu tun habe. Doch Gründe wurden wieder keine genannt.“ Selbst ein Anruf bei einem Arzt ergab nichts. Ärztliche Schweigepflicht, wie es hieß.

Trotzdem: Für den Schulleiter war damit 1979 klar, dass der Lehrer nicht mehr in Neustift bleiben könne. Daraufhin musste er die Schule verlassen. Der Direktor selbst verabschiedete sich 1981. Heute hofft er auf umfassende Aufklärung. „Die Situation belastet mich, weil ich mich immer wieder frage, ob ich 1979 nicht doch die Behörden einschalten hätte sollen.“




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