Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.03.2018


Motorsport

Der PS-Weltenbummler Binder greift in Übersee an

Für René Binder beginnt am Wochenende in Übersee in der IndyCar-Serie das nächste Kapitel. Der Zillertaler hofft dort sein Glück zu finden.

© ENIKDas neue Arbeitsgerät von René Binder erstrahlt in grün-weiß-oranger Farbe.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Gerade einmal einen Testtag durfte René Binder vor dem IndyCar-Debüt am Wochenende in Florida (Stadtkurs Saint Petersburg) absolvieren. Für den 26-Jährigen aber kein Grund, nicht mit großer Vorfreude auf das neue Motorsport-Kapitel zu blicken. In der obersten US-amerikanischen Rennliga will der Zillertaler regelmäßig aufzeigen. Nach den Jahren in der Formel 3, GP2 und Formel V8 3.5 könnte die US-Profi-Serie eine längere Heimat bieten.

„Das Handling fühlt sich sehr gut an“, freute sich Binder nach seiner ersten Ausfahrt, bei der er Rang 18 notieren konnte. Juncos-Teamkolleg­e Kyle Kaiser (Platz 21) ließ der Neffe von Tirols Formel-1-Pionier Hans Binder dabei schon hinter sich. „Ein solches Auto auf diesen extrem unebenen amerikanischen Rennstrecken zu fahren, ist mit dem, was wir aus Europa kennen, überhaupt nicht vergleichbar.“

Als erster rotweißroter Pilot seit Hubert Stromberger (1995) wird Binder in der US-Klasse versuchen, nicht zur Randnotiz zu verkommen. Geht es nach seinem Teamchef Ricardo Juncos, dann wird das nicht passieren: „Ren­é ist ein intelligenter Fahrer mit großem Feingefühl. Er wirkt nie überfordert.“

Für den Zillertaler sind solche Worte Balsam für die Motorsport-Seele. Denn die sportlichen Erfolge in der jüngsten Vergangenheit waren mehr als überschaubar: In der Formel-Nachwuchsserie GP2 (heute Formel 2, Anm.) reichte es in vier Jahren (2012–16) zu einem sechsten Platz (2013) im monegassischen Fürstentum. In der nicht mehr existierenden Formel V8 3.5 gab es im Vorjahr den fünften Gesamtrang bei Lotus zu notieren. Dafür durfte sich Binder im Vorjahr mit einem Formel-1-Privattest bei Renault in einem 2012er Lotus einen Kindheitstraum erfüllen.

In der IndyCar selbst gibt es heuer ein neues Aerodynamik-Paket, das die größte Änderung in den letzten fünf Jahren in der Serie bedeutet. Für den neuseeländischen Superstar Scott Dixon stellt das standardisierte Paket die größte Änderung überhaupt dar: „Das hat eine ganz andere Dynamik bewirkt. In den Ovalen wird es weniger eine Rolle spielen als auf den Stadtkursen.“

Binder will sein Debüt ruhig anlegen: „Ich werde versuchen, wie schon beim Test ohn­e Brechstange vorzugehen und mich Schritt für Schritt zu steigern.“ Ob dabei etwas Zählbares herauskommt, wird sich weisen – der Tiroler Motorsportler mache sich in jedem Fall keinen Druck.

Gute Nachricht soll es auch bezüglich der Anzahl der Indy­Car-Auftritte geben. Ursprünglich standen vier Fahrten auf dem Plan, nun scheint sich mehr zu ergeben. Binders Team kämpfte laut US-Medien ein wenig mit dem Budget, das dürfte passé sein. Die freudige Kunde soll bald offiziell bestätigt werden.

Klingt nach einer Liebesbeziehung, die vielleicht noch länger andauern könnte. Und bei der Binder möglicherweise eine langjährige PS-Heimat finden könnte.